Frances McDormand und Yuh-Jung Youn | AP

Oscar-Verleihung 2021 Ein Fest für Independent-Filme

Stand: 27.04.2021 12:44 Uhr

Die diesjährige Oscar-Verleihung fiel wegen Corona deutlich kleiner aus als in den Jahren zuvor. Vor allem Independent-Filme kamen zu Ruhm und Ehre. Zugleich gab sich die Show deutlich diverser.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Eigentlich begann die Oscar-Show vielversprechend: Der Beginn war wie der Vorspann eines Kino-Films gemacht - mit Steady-Cam, die der Schauspielerin Regina King zur Bühne folgte. 

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

"Ich weiß, viele von euch zuhause wollen am liebsten zur Fernbedienung greifen, wenn ihr das Gefühl habt, Hollywood predige auf euch ein", sagte sie. "Aber als Mutter eines schwarzen Sohnes kenne ich die Angst, mit der so viele leben, und weder Ruhm noch Erfolg ändern etwas daran."

Höchste Ehre für ein Road-Movie

Dieser Einstieg sollte den Ton setzen. Was folgte, waren drei eher gemächliche Stunden. Die diesjährigen Oscars waren vor allem ein Fest für Independent-Filme. "Nomadland" der aus China stammenden Regisseurin Chloe Zhao wurde als bester Film ausgezeichnet. Das Roadmovie über eine Frau, gespielt von Frances McDormand, die als moderne Nomadin durch den Südwesten der USA vagabundiert, ist ein einfühlsames Sozialdrama.

Zhao, die auch den Regie-Preis erhielt, gab sich in ihrer Dankesrede wie gewohnt bescheiden: "Ich habe immer Güte in den Menschen gefunden, die ich überall getroffen habe." Diese Auszeichnung sei für jeden, der den Glauben und den Mut habe, gütig zu sich und anderen zu sein - selbst wenn das schwierig sei. "Das inspiriert mich, weiter zu machen."

Zweiter Oscar für Hopkins nach 29 Jahren

Die 39-jährige Regisseurin ist nach Kathryn Bigelow erst die zweite Frau, die den Regie-Preis erhält, und sie ist die erste Nicht-Weiße in dieser Kategorie. "Nomadland" hat nur fünf Millionen Dollar in der Produktion gekostet. Zhaos neuester Film, die Marvel-Verfilmung "Eternals", hat dagegen ein Budget von mindestens 200 Millionen Dollar.

Auch ein anderer Independent Film kam zu Ruhm und Ehre: "Minari - Wo wir Wurzeln schlagen". Hier konnte sich die 73-jährige Yuh-Jung Youn als beste Nebendarstellerin freuen. Von ihr kam eine der sympathischsten Dankesreden: "Wie Sie wissen, komme ich aus Korea und mein Name ist Yuh Jung Youn. Aber die meisten Europäer nennen mich JoJo Man oder You Jum - aber heute Abend ist Ihnen allen vergeben."

Als beste Schauspielerin konnte Frances McDormand für ihre Rolle in "Nomadland" reüssieren. Einen Oscar als bester Hauptdarsteller gewann der Brite Anthony Hopkins für seine Darstellung eines Demenzkranken in dem Familien-Drama "The Father". Es ist der zweite Oscar für Hopkins. Seinen ersten Academy Award hatte er 1992 für den Thriller Das Schweigen der Lämmer erhalten.

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93. Oscar-Verleihung in Los Angeles

Plädoyer für Toleranz

Die Oscar Academy hat an diesem Abend vor allem die Filmschaffenden und weniger die Filme gefeiert. Zugleich gab sich die Show deutlich diverser als in den Vorjahren. Menschen nicht-weißer Hautfarbe dominierten die diesjährigen Oscars - sowohl was die Ausgezeichneten als auch die Laudatoren anging.

So hielt der Schauspieler und Regisseur Tyler Perry ein Plädoyer für Toleranz angesichts von Polizeigewalt und rassistischer Übergriffe in den USA: "Ich weigere mich, jemanden zu hassen, weil er Mexikaner ist oder schwarz oder weiß oder LBGTQ. Ich weigere mich, jemanden zu hassen, weil er Polizist ist. Ich weigere mich, jemanden zu hassen, der Asiate ist. Ich wünsche mir, dass wir alle Hass verweigern."

Dankesreden hörten nicht auf

Der größte Minuspunkt der TV-Show waren aber die fehlenden Musik-Acts. Stattdessen gab es nicht enden wollende Dankesreden. Das dürfte die Einschaltquote in diesem Jahr nochmals gedrückt haben.

Der Rahmen war corona-bedingt deutlich kleiner und intimer. Das Bahnhofsgebäude Union Station in Los Angeles diente als Hauptschauplatz der Oscar-Show und nicht das große Dolby Theatre in Hollywood. Trotzdem gab es einen roten Teppich mit Stars und Glamour. Allerdings mit strikten Social-Distancing-Regeln. 

Vielleicht noch eines: Wer die Show heute Morgen um zwei Uhr deutscher Zeit nicht gesehen hat, der hat überhaupt nichts verpasst.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 26. April 2021 um 07:25 Uhr.