Unterstützerinnen und Unterstützer von Julius Jones feiern in Oklahoma City die Entscheidung von Gouverneur Kevin Stitt. | AP

Oklahoma Hinrichtung in letzter Minute gestoppt

Stand: 18.11.2021 20:54 Uhr

Nur Stunden bevor er hingerichtet werden sollte, wurde die Exekution eines 41-Jährigen in Oklahoma gestoppt. Der Gouverneur des Bundesstaates hatte sich lange geweigert - obwohl Zweifel an der Schuld des ehemaligen Todeskandidaten bestehen.

Im US-Bundesstaat Oklahoma ist eine geplante umstrittene Hinrichtung in letzter Minute gestoppt worden. Der konservative Gouverneur Kevin Stitt wandelte das Todesurteil gegen den Afroamerikaner Julius Jones in eine lebenslange Haftstrafe um. Stitt legte aber fest, dass Jones keine Aussichten auf eine vorzeitige Haftentlassung hat.

Die Entscheidung fiel laut örtlichen Medien rund vier Stunden vor der im Hochsicherheitsgefängnis von McAlester vorgesehenen Hinrichtung. Millionen Menschen, unter ihnen Prominente wie Reality-TV-Star Kim Kardashian, hatten sich im Netz für den Todeskandidaten eingesetzt, an dessen Schuld erhebliche Zweifel bestehen.

Jones beteuerte stets seine Unschuld

Laut Todesurteil hatte der heute 41-jährige Jones 1999 bei einem Raubüberfall den weißen Geschäftsmann Paul Howell erschossen. Ein angeblicher Mittäter sagte als Kronzeuge gegen Jones aus. Er wurde zu einer Haftstrafe verurteilt.

Jones hat die Tat stets bestritten und erklärt, er sei vom wahren Täter in eine Falle gelockt worden. Er selbst sei in der Mordnacht zu Hause bei seinen Eltern gewesen. Jones beklagte auch, von seinen ersten Anwälten schlecht verteidigt und während des Prozesses diskriminiert worden zu sein.

Fall erregte nationales Aufsehen in USA

Eine TV-Dokumentation befasste sich später mit Verfahrensfehlern in dem Fall, der nationales Aufsehen in den USA erregte. Der Verband "Justice for Julius“ sammelte mehr als sechs Millionen Unterschriften für Jones.

Der offizielle Gnadenausschuss von Oklahoma hatte dem Gouverneur empfohlen, Jones' Todesstrafe in lebenslange Haft umzuwandeln. Der Ausschussvorsitzende sagte, er befürworte im Prinzip die Todesstrafe, habe aber bei diesem Fall Zweifel an der Schuld des Verurteilten.

In den Tagen vor der geplanten Hinrichtung protestierten Geistliche und Familienangehörige vor Stitts Amtssitz. Hinterbliebene des Mordopfers erklärten in Fernsehinterviews indes, sie seien restlos von Jones' Schuld überzeugt.

Unterstützerinnen und Unterstützer von Julius Jones liegen sich in den Armen. | AP

Unterstützerinnen und Unterstützer von Julius Jones reagieren auf die Entscheidung von Gouverneur Kevin Stitt. Bild: AP

Probleme beim Einsatz von Giftspritzen

Umstritten war die geplante Hinrichtung auch, weil sie per Giftspritze vollzogen werden sollte und es in Oklahoma dabei immer wieder schwerwiegende Probleme gab. Als möglicher Faktor wurde die Verwendung des Beruhigungsmittels Midazolam in der Giftspritze identifiziert. 2015 wurde die Vollstreckung von Todesurteilen in dem konservativ geprägten Bundesstaat deswegen ausgesetzt.

Die Hinrichtungen wurden Ende Oktober 2021 wieder aufgenommen. Als am 28. Oktober der wegen Mordes zum Tode verurteilte John Grant hingerichtet wurde, erbrach er sich nach Angaben von anwesenden Journalisten und erlitt Krämpfe. Die Gefängnisbehörden erklärten dagegen, die Hinrichtung sei ohne "Komplikationen" über die Bühne gegangen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. November 2021 um 03:00 Uhr.