Teilnehmer des New-York-City-Marathons laufen über die Verrazzano-Narrows-Brücke. | AFP

Jubiläums-Marathon Ganz New York statt vier Runden im Park

Stand: 07.11.2021 05:08 Uhr

Als vor 50 Jahren der erste Marathon in New York stattfand, war vieles anders: Gut 100 Läufer kreisten im Central Park und ernteten Spott für ihre Höschen. Heute werden trotz Pandemie 30.000 Sportler erwartet.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Der größte Marathon der Welt begann mit einer fixen Idee. In den 1960er-Jahren hatten sich die New Yorker Laufenthusiasten noch in der Bronx getroffen. Doch irgendwann wurde es dort zu gefährlich - durch den Autoverkehr und Jugendliche, die Steine von Brücken schmissen.

Peter Mücke ARD-Studio New York

"Dann habe ich den Central Park entdeckt. 1969 war das", berichtet Fred Lebow, der "Vater" des New York City-Marathons. "Eines sonntags bin ich um das Wasser-Reservoir gelaufen. Und da kam mir die Idee: Am Wochenende fahren hier keine Autos. Warum machen wir nicht einen Marathon im Central Park?"

Doch bis es soweit war, musste Lebow eine Menge Überzeugungsarbeit leisten. Etwa bei Henry Stern, der in der Stadtverwaltung für die Parks zuständig war. "Der Central Park war nicht fürs Laufen gemacht, sondern für Pferde und Kutschen", sagt Stern. "Die Idee, dass da Leute mit kaum mehr als Unterwäsche rumlaufen, das war unvorstellbar. So ging man nicht mal aus dem Haus!"

"Ziemlich geschmacklose Pokale"

Trotzdem war es am 13. September 1970 soweit: Der erste New York-Marathon führte vier Runden durch den Central Park. "Die ganze Veranstaltung hat nicht mehr als 1000 Dollar gekostet", erzählt Lebow. "Ich habe 15 billige Uhren gekauft und ziemlich geschmacklose Pokale. Ich hatte keine Ahnung, wie man einen Marathon organisiert."

127 Läufer gingen an den Start - darunter gerade mal eine Frau. Zuschauer gab es praktisch keine. 55 Läufer kamen ins Ziel. Der schnellste: Der New Yorker Feuerwehrmann Gary Muhrcke in handgestoppten 2 Stunden, 31 Minuten und 39 Sekunden. "Wir sind einfach in den Central Park gegangen und haben das Startgeld bezahlt", sagt Muhrcke. "Einen Dollar oder 50 Cent. Im Ziel habe ich dann den Pokal bekommen und Fred sagte: Gib mir den mal zurück, den brauche ich noch für jemand anderen."

Teilnehmer des NYC Marathons 1973 (Archivbild) | imago images/PCN Photography

Ein Foto aus dem Jahr 1973: Der Marathon fand damals noch im Central Park statt. Bild: imago images/PCN Photography

1976 erstmals durch die ganze Stadt

In den folgenden Jahren meldeten sich zwar immer mehr Läufer an, aber der New York-Marathon blieb erstmal ein kleines Event im Central Park. Bis Fred Lebow wieder eine fixe Idee kam: Zum 200. Jubiläum der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung im Jahr 1976 sollte der Lauf durch die ganze Stadt gehen.

"Gary Muhrcke, der Gewinner des ersten Marathons, kam zu mir und sagte: Das wird ein Desaster! Wie kannst Du ein Läuferfeld mit Frauen und Männern durch so schreckliche Stadtteile wie Bedford-Stuyvesant oder Harlem schicken?", erzählt Lebow. "Ich habe versucht, es mir nicht anmerken zu lassen, aber ich war auch schon sehr nervös." 

In der Bronx wurde eine Telefonzelle umrundet

Norb Sander, der Gewinner von 1974 muss noch heute lachen, wenn er an die Zeit zurückdenkt: "Die Leute dachten, die sind verrückt geworden! Ein Marathon durch alle fünf Boroughs der Stadt. Das ist gefährlich und kann nicht funktionieren!"

In der Tat gab es Drohungen von Gangs, die die Straßen für sich beanspruchten - weshalb die Strecke in den ersten Jahren nur um eine Telefonzelle in der Bronx führte, damit man wenigstens symbolisch alle fünf Großstadtteile abgedeckt hatte.

Diesmal nur 30.000 Läufer zugelassen

Am 24. Oktober 1976 war beim NBC-Reporter Erleichterung zu hören: "Niemand wurde überfallen, keiner vom Taxi überfahren. Ein rauschender Erfolg für New York." Bis heute. Zweimal musste der Marathon abgesagt werden: 2012 wegen der Folgen des Hurrikans Sandy, im vergangenen Jahr wegen der Corona-Pandemie. Das ist auch der Grund, warum der 50. New York City-Marathon in diesem Jahr in einer abgespeckten Form stattfindet. Nur gut 30.000 Läufer sind zugelassen - sonst waren es zuletzt mehr als 50.000.

Am Start ist dann auch wieder der 67-jährige Larry Trachtenberg, der schon beim allerersten New York Marathon 1970 mit dabei war: "All die Jahre, in denen ich den Marathon im Fernsehen gesehen habe, habe ich mir immer gesagt: Ich muss da irgendwann wieder mitlaufen", sagt er. "Ich hatte richtig Heimweh. Ich hatte immer den Traum, wieder zurückzukommen."