New Yorks Feuerwehr-Verbandschef Andrew Ansbro spricht vor einer Wache. | REUTERS

Proteste in New York Feuerwehrleute gegen Corona-Impfpflicht

Stand: 30.10.2021 01:16 Uhr

New Yorks Bürgermeister hat Feuerwehrleuten und Polizisten eine Frist gesetzt: Bis Montag müssen sie gegen Corona geimpft sein, sonst werden sie beurlaubt. Hunderte Impfverweigerer warnen nun vor Chaos in der Stadt.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Es brennt. Vor der Residenz des New Yorker Bürgermeisters Bill de Blasio ziehen Hunderte demonstrierende Feuerwehrleute in die Entscheidungsschlacht. "Wir werden das durchziehen", sagt einer von ihnen. "Leute werden sterben und es wird nicht unser Fehler sein. Schuld ist der Bürgermeister." Bürgermeister Bill de Blasio hat ihnen eine Frist bis Montag gesetzt: Corona-Impfung oder unbezahlter Zwangsurlaub.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Feuerwehr-Verbandschef Andrew Ansbro beschwört deshalb Schlimmes herauf: "Wir sorgen uns darum, dass die Feuerwachen leer bleiben und dass die Wartezeiten im Ernstfall länger werden. Und das ist eine Sache von Leben und Tod." Er warnt: Wenn alle Impfverweigerer zu Hause blieben, könne fast ein Viertel der Wachen in der größten Stadt der USA dicht machen. Eng werde es dann nicht nur, wenn es brennt: Rettungswagen würden gar nicht oder später kommen. Wer im Fahrstuhl feststecke, könne lange auf Hilfe warten.

Gut ein Drittel der Einsatzkräfte in New York ist nicht geimpft: Insgesamt 3500 Feuerwehrmänner und -frauen weigern sich. "Weil wir gezwungen werden sollen, eine Substanz in unseren Körper spritzen zu lassen", sagt ein Demonstrant. Es sei nicht die Impfung, es sei der Druck, der sie wütend mache. "Er setzt uns die Pistole an den Kopf", sagt der Demonstrant über De Blasio. "Und wenn wir nicht einlenken, verlieren wir unsern Job."

Andrew Ansbro | REUTERS

New Yorks Feuerwehr-Verbandschef Andrew Ansbro: "Das ist eine Sache von Leben und Tod." Bild: REUTERS

"Sie konnten lange genug darüber nachdenken"

Doch der Chef der Feuerwehr denkt anders. Commissioner Daniel Nigro steht hinter dem Impfmandat: Es werde Zeit, dass sich alle aus Solidarität und zu ihrem eigenen Schutz impfen ließen. "Die Leute konnte lange genug darüber nachdenken", sagt er. "Sie kommen da draußen immer mit Menschen zusammen. Ihre Familien haben es verdient. Sie selbst haben es verdient."

Schützenhilfe bekommt Nigro von Polizeichef Dermot Shea. Denn auch für die Polizisten gilt die Impffrist, auch aus ihren Reihen gibt es Drohungen. Werden die Impfgegner nach Hause geschickt, werden die New Yorker die Cops auf ihren Straßen vermissen, heißt es. Eine Lokalzeitung beschwört bereits das "Vax-Armageddon" herauf - das Impf-Armageddon, mit dem der Metropole der Untergang drohe. Sie könnte auch im Müll versinken, denn aus Protest gegen das Impfmandat für die städtischen Angestellten lassen Abfallentsorger schon jetzt Tüten auf den Gehwegen stehen.

Fast 70 Prozent der New Yorker geimpft

Bürgermeister de Blasio bleibt cool: "Wir sind alle damit aufgewachsen, geimpft zu werden", sagt er. "Und keiner hat darüber nachgedacht." In seiner Stadt sind bereits fast 70 Prozent der Menschen komplett gegen Covid-19 geimpft. Für die Feuerwehrleute, die gerade hier nach den Anschlägen des 11. September 2001 als Helden verehrt werden, haben viele New Yorker diesmal kein Verständnis. Doch der Bürgermeister ist sich sicher: Wenn der Lohn fehlt, gehen die Leute zum Impfen.

Das haben Lehrkräfte und Krankenhauspersonal bereits gezeigt. Ihre Impffrist lief schon vor Wochen ab. Es gab Proteste, es gab Drohungen. Aber die befürchteten Ausfälle gab es nicht. Die meisten New Yorker bleiben deshalb auch diesmal gelassen. Spannend könnte es dennoch bald werden: Zum 1. Dezember gilt das Impfmandat für die städtisch angestellten Gefängniswärter.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 30. Oktober 2021 um 16:22 Uhr.