Das Mississippi-Delta vom Flugzeug aus: Immer mehr Land versinkt im Wasser.

Klimawandel in den USA Landunter im Mississippi-Delta

Stand: 23.04.2021 00:11 Uhr

An der Küste von Louisiana ist der Klimawandel schon zu spüren: Der Wasserspiegel steigt, Wirbelstürme nehmen zu. Schreitet der Landverlust voran, müssen immer mehr Familien umziehen.

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

Eine kleine Propellermaschine holpert in Richtung Startbahn. Ein kurzer Halt, dann zieht der Pilot den Steuerknüppel zu sich. Wenige Sekunden später schwebt die Cessna schwerelos über dem Mississippi-Delta von Louisiana. Pilot Lyle Panepinto sieht das Delta mit seinen tausenden Flüssen und Inseln jeden Tag von oben - und jeden Tag sieht er mehr und mehr Land untergehen. "Seit 1973 haben wir wahrscheinlich so um die 30 Prozent des Marschlands verloren", erzählt der 67-Jährige.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Das riesige Sumpfgebiet im Süden der USA ist ein einzigartiges Ökosystem mit seltenen Fisch-, Amphibien- und Vogelarten. Doch der Klimawandel setzt dem Marschland am Golf von Mexiko mächtig zu. Die steigenden Meeresspiegel fressen die Sumpfgebiete auf, erklärt Umweltschützerin Cynthia Sarthou. Die 65-Jährige leitet die Umweltorganisation "Healthy Gulf" in New Orleans, die sich für die Rettung der Küstenlandschaft einsetzt. "Wir verlieren alle eineinhalb Tage Sumpfland in der Größe eines Fußballfeldes", warnt sie. "Was heute noch Sumpf ist, könnte nächste Woche schon offenes Wasser sein. Viele Gemeinden sind auf das Marschland angewiesen - als Schutz vor einer Sturmflut."

Pilot Lyle Panepinto vor seiner Cessna.

Pilot Lyle Panepinto vor seiner Cessna.

Immer mehr Bewohner verlassen die Küste

Der Klimawandel verursacht immer heftigere und häufigere Hurricanes und Sturmfluten. Auch deswegen haben viele Bewohner bereits die Küsten von Louisiana verlassen. Auf der Isle de Jean Charles, einer Insel mitten im Delta, wohnen mittlerweile nur noch vier indigene Familien. Auch die vorgelagerte Düneninsel Grand Isle mit ihrem langen Sandstrand wird es wohl in einigen Jahrzehnte nicht mehr geben, fürchtet Inselbewohner Tim Bradbury.

Eine Lösung sind Renaturierungs-Projekte, die den Sedimentnachschub aus dem Mississippi sichern und damit peu a peu wieder Land aufschütten. Die Regierung Louisianas hat bereits zwei solcher Renaturierungs-Projekte ins Leben gerufen - bislang mit mäßigem Erfolg.

Künftige Generationen müssen umdenken

Mit Geruckel landet die Cessna von ihrem Flug über das Mississippi auf der holprigen Landepiste. Panepinto klettert aus dem Flieger. Allen Untergangsszenarien zum Trotz, sagt er, werden Alteingesessene bleiben: "Ich glaube die meisten Leute, die hier geboren und aufgewachsen sind, lieben das Leben hier. Sie werden für immer hier sein."

Die Menschen in den Siedlungen des Mississippi-Deltas hoffen, dass ihr Überleben zumindest noch für die nächsten 50 bis 100 Jahre gesichert ist. Zukünftige Generationen werden umdenken müssen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 23. April 2021 um 08:55 Uhr.