Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am 15. Juli 2021 an der Johns-Hopkins-Universität mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet. | AP

Kanzlerin Merkel in den USA Zum Abschied ein Blick in die Zukunft

Stand: 15.07.2021 20:20 Uhr

Bundeskanzlerin Merkel ist in den USA mit der Ehrendoktorwürde der Johns-Hopkins-Universität ausgezeichnet worden. Ihre Rede nutzte sie für einen Blick auf künftige Politik und ihre eigene Zeit nach dem Kanzleramt.

Auf ihrem wohl letzten Staatsbesuch als Bundeskanzlerin in den USA ist Angela Merkel mit der Ehrendoktorwürde der Johns-Hopkins-Universität ausgezeichnet worden. Für die CDU-Politikerin ist es der 18. Ehrentitel dieser Art.

In ihrer Rede in der 1876 in Baltimore gegründeten Universität ging Merkel auf verschiedene aktuelle Probleme ein, die aus ihrer Sicht die zentralen Schwerpunkte der künftigen Politik bleiben werden. Ein Punkt dabei: die Auswirkungen des Klimawandels. Extremwetterereignisse würden immer mehr zunehmen, warnte Merkel. Das zeige sich auch an den schweren Schäden, die heftige Unwetter und Starkregen in weiten Teilen Deutschlands hinterlassen hätten:

Die Fluten, die einige Teile Deutschlands im Augenblick erleben und die wirklich dramatisch sind mit vielen tragischen Todesfällen auch, sind ein Beispiel dafür.

"Die Häufung macht einfach Sorge"

"Wenn wir uns über die Jahreszahlen das anschauen, dann hat es immer mal einen Sturm und eine Flut gegeben", sagte Merkel. "Aber die Häufung macht einfach Sorge und fordert uns zum Handeln auf", fuhr Merkel fort. Sie nannte auch andere Beispiele, anhand derer die Folgen des Klimawandels deutlich würden, etwa die schweren Waldbrände im US-Bundesstaat Kalifornien.

Merkel hofft auf Klimazeichen aus Glasgow

Die Kanzlerin unterstrich das Ziel der Klimaneutralität, dass sich die EU und auch Deutschland bereits gesetzt habe. Sie erhofft sich auch von anderen Staaten eine noch stärkere Selbstverpflichtung für mehr Klimaschutz und setzt dafür auf die geplante Klimakonferenz der Vereinten Nationen, die im November im schottischen Glasgow stattfinden soll.

Dabei lobte sie ausdrücklich, dass sich auch die USA unter der Präsidentschaft von Joe Biden wieder stärker dem Klimaschutz verschrieben hätten und bei der UN-Konferenz mit dabei seien. "Das verändert die Welt natürlich vollkommen, weil wieder einer der großen Emittenten jetzt auch mitmacht und weil das natürlich auch andere Länder, auch Europa, auch China, auch andere entwickelte Staaten wie Japan zum Beispiel unter Druck setzt", so Merkel.

Kampf gegen Corona funktioniert nur gemeinsam

Die UN müssten aus Merkels Sicht in Zukunft eine noch wesentlichere Rolle spielen und darum handlungsfähiger und stärker werden. "Denn unverändert bieten sie die beste Chance, um globale Antworten auf globale Fragen zu finden", so Merkel. "Das Gebot in unserer vielfach vernetzten, aber auch so verletzlichen Welt ist es, unsere Kräfte zu bündeln."

Das zeige sich auch im internationalen Kampf gegen die Corona-Pandemie. Nur gemeinsam könne diese Krise überwunden werden. Dabei dankte sie auch den Forschern und Mitgliedern der Johns-Hopkins-Universität, die durch das Erheben von Daten zur weltweiten Verbreitung des Virus einen wesentlichen Beitrag in der Pandemie-Bekämpfung geleistet hätten. Seit den frühen Tagen der Pandemie "geben die Forscher den Politikern ein Werkzeug an die Hand", sagte Merkel. Sie selbst habe davon stark profitiert.

Erst einmal Pause machen

Mit Blick auf ihre ganz persönliche Zukunft strebt Merkel nach 16 Jahren Amtszeit als Kanzlerin vor allem erst einmal eines an - etwas mehr Ruhe. Sie wolle eine Pause einlegen, so Merkel, und nachdenken, "was mich so eigentlich interessiert".

Und dann werde ich vielleicht versuchen, was zu lesen, dann werden mir die Augen zufallen, weil ich müde bin, dann werde ich ein bisschen schlafen, und dann schauen wir mal.

Ganz abstellen können werde sie die Gedanken um anstehende Entscheidungen wohl auch nach ihrem Abschied als Kanzlerin nicht, so Merkel. Aber "dann wird mir ganz schnell einfallen, dass das jetzt ein anderer macht. Und ich glaube, das wird mir sehr gut gefallen".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 15. Juli 2021 um 20:00 Uhr.