Annegret Kramp-Karrenbauer, Verteidigungsministerin (CDU) bei deutschen Soldaten der Bundeswehr in Masar-i-Sharif.

Afghanistan-Einsatz Kramp-Karrenbauer rechnet mit Truppenabzug

Stand: 14.04.2021 15:58 Uhr

Verteidigungsministerin Kramp-Karrenbauer rechnet damit, dass sich die NATO heute auf einen Truppenabzug aus Afghanistan einigt. Zuvor hatten die USA angekündigt, ihre Truppen bis zum 11. September vom Hindukusch abzuziehen.

Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer geht davon aus, dass die NATO-Staaten den gemeinsamen Abzug aus Afghanistan zum 11. September beschließen werden. "Wir haben immer gesagt, wir gehen gemeinsam rein, wir gehen gemeinsam raus", sagte sie im gemeinsamen Morgenmagazin von ARD und ZDF. "Ich stehe für einen geordneten Abzug. Und deswegen gehe ich davon aus, dass wir das heute so beschließen werden."

Kramp-Karrenbauer machte klar, dass der Abzug der US-Soldaten auch den Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan mit sich bringe. "Das würde bedeuten, dass wir unsere Planungen auch in der NATO mit den Planungen der USA synchronisieren." Zu einem konkreten Datum für den Abzug der letzten deutschen Soldaten aus Afghanistan äußerte sie sich nicht. Zuletzt hatte der Bundestag eine Verlängerung des Afghanistan-Einsatzes der Bundeswehr bis zum 31. Januar 2022 beschlossen.

USA plant Truppenabzug bis 11. September

Am Dienstag war aus US-Regierungskreisen allerdings bekannt geworden, dass die USA als größter Truppensteller ihre Soldaten aus Afghanistan nach 20 Jahren zum 11. September abziehen wollen - dem 20. Jahrestag der Terroranschläge von New York und Washington. Ein hochrangiger US-Regierungsvertreter sagte nach übereinstimmenden Agenturberichten, der Abzug solle noch vor dem 1. Mai beginnen und spätestens bis zum 11. September abgeschlossen sein. Heute wollen die Außen- und Verteidigungsminister der NATO-Staaten darüber beraten.

Die Anschläge vom 11. September 2001, für die das Terrornetz Al-Kaida verantwortlich gemacht wurde, hatten den Einmarsch der US-geführten Truppen in Afghanistan ausgelöst. Der internationale Militäreinsatz führte zum Sturz des Taliban-Regimes. Es hatte sich geweigert, Al-Kaida-Chef Osama bin Laden auszuliefern.

Ex-US-Präsident Donald Trump hatte mit den Taliban einen Abzug bis zum 1. Mai vereinbart. Im Gegenzug gingen die Taliban mit der Regierung in Kabul direkte Friedensgespräche ein, die seit September im Golfemirat Katar laufen. Bisher gab es dabei allerdings kaum Fortschritte. Die Bundesregierung hatte sich zuletzt dafür ausgesprochen, das Ende des Afghanistan-Einsatzes vom Erfolg der Friedensverhandlungen abhängig zu machen.

Taliban bestehen auf Abzug aller Truppen bis zum 1. Mai

US-Präsident Joe Biden hatte bereits deutlich gemacht, dass er die von Trump vereinbarte Frist verstreichen lassen würde. Zuletzt war der Termin so nahe gerückt, dass ein geordneter Abzug der 2500 US-Soldaten noch in Afghanistan stationierten Soldaten kaum noch möglich gewesen wäre. Biden will sich am Mittwoch zu seinen Plänen für den Abzug äußern. Dieser sei laut eines hochrangigen Regierungsvertreters nicht an Bedingungen geknüpft.

Die militant-islamistischen Taliban bestehen allerdings weiterhin auf dem Abzug aller US- und NATO-Truppen aus Afghanistan bis zum 1. Mai. Man strebe den Abzug aller ausländischen Streitkräfte zum per "USA-Taliban-Abkommen" festgelegten Datum an, schrieb Taliban-Sprecher Sabiullah Mudschahid auf Twitter. Falls die Vereinbarung gebrochen werde, würden sich die "Probleme verschärfen". Mit Blick auf die USA und andere Truppensteller fügte er hinzu, dafür seien dann jene haftbar, die sie nicht eingehalten hätten. Auch die Bundeswehr ist am Hindukusch im Einsatz.

Als Reaktion auf die neuen Pläne der USA hatten die Taliban bereits gestern ihre Teilnahme an einer geplanten Friedenskonferenz vor einem vollständigen Abzug der internationalen Truppen ausgeschlossen. Die von den USA initiierte Konferenz in Istanbul Ende des Monats soll den afghanischen Friedensprozess beschleunigen.

10.000 NATO-Soldaten in Afghanistan

Zurzeit sind etwa 10.000 Soldaten aus NATO-Ländern und Partnernationen in Afghanistan. Sie sollen die demokratisch gewählte Regierung durch die Ausbildung und Beratung von Sicherheitskräften in ihrem Kampf gegen islamistische Extremisten wie die Taliban unterstützen. Deutschland hat zurzeit rund 1000 Soldaten vor Ort.

Mit dem Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan steht damit der verlustreichste Einsatz ihrer Geschichte vor dem Ende. 59 deutsche Soldaten ließen in Afghanistan ihr Leben, davon wurden 35 in Gefechten oder bei Anschlägen getötet. Afghanistan ist zudem der zweitlängste Auslandseinsatz der Bundeswehr nach der Kosovo-Mission, die bereits 1999 begann.

Über dieses Thema berichtete das Morgenmagazin am 14. April 2021 um 08:45 Uhr.