Ex-Polizistin Kim Potter und ihre Anwälte nach der Urteilsverkündung | via REUTERS

Nach Schuss auf Schwarzen in den USA Polizistin des Totschlags schuldig

Stand: 23.12.2021 21:51 Uhr

Nach der Tötung des Schwarzen Daunte Wright in Brooklyn Center in den USA ist die verantwortliche Polizistin für schuldig befunden worden. Das Strafmaß soll zu einem späteren Zeitpunkt verkündet werden.

Im Fall der Tötung des Afroamerikaners Daunte Wright in den USA ist die angeklagte weiße Ex-Polizistin Kim Potter für schuldig befunden worden. Die Geschworenen sahen die Tatbestände des Totschlags ersten und zweiten Grades erfüllt.

Der Tod des Mannes hatte massiven Proteste ausgelöst. Wright starb nur wenige Kilometer entfernt von jenem Verhandlungssaal in Minneapolis, in dem der Prozess um den brutalen Tod von George Floyd lief. Floyd war ebenfalls bei einem Polizeieinsatz getötet worden.

Polizistin sprach von tragischem Irrtum

Der 20-jährige Wright war im April nördlich von Minneapolis bei einem Polizeieinsatz erschossen worden. Die ehemalige Polizistin Kim Potter hatte während der Verhandlung ausgesagt, Wright bei der Verkehrskontrolle versehentlich angeschossen habe.

Die Ex-Beamtin hatte behauptet, dass sie statt eines Elektroschockers (Taser) irrtümlich ihre Pistole gezogen habe. Wright habe versucht, den Beamten zu entkommen, als diese versucht hätten, ihm Handschellen anzulegen, weil gegen ihn ein Haftbefehl wegen Waffenbesitzes vorgelegen hätte. Sie hatte nach dem Vorfall ihre Kündigung eingereicht. Es handle sich um einen bedauerlichen Fehler, kein Verbrechen, sagte ihr Anwalt.

Die Staatsanwaltschaft argumentierte, dass die Angeklagte fahrlässig und rücksichtlos gehandelt habe. Wrights Tod sei vermeidbar gewesen. Die Angeklagte war während der Verhandlung in Tränen ausgebrochen und hatte sich entschuldigt. Das Urteil nahm sie äußerlich gelassen entgegen. Auf Totschlag ersten Grades stehen bis zu 15 Jahre Haft. Die Justiz in Minnesota hält sich jedoch an Richtlinien, die in der Regel ein geringeres Strafmaß vorsehen.

Im deutschen Rechtsgebrauch entspricht Totschlag ersten Grades wohl am ehesten dem des Totschlags. Totschlag zweiten Grades entspricht hingegen eher der fahrlässigen Tötung. Die Richterin gab einem Antrag nicht statt, die 49-Jährige bis zur Verkündung des Strafmaßes auf freiem Fuß zu lassen.

Über dieses Thema berichtete am 24. Dezember 2021 die tagesschau um 04:49 Uhr und MDR Aktuell um 08:38 Uhr.