Aquilino Gonell, Mitglied der Kapitol-Polizei, sitzt neben Kollegen in der ersten Anhörung des U-Ausschusses zum Sturm auf das Kapitol im Januar 2021. | AP

Sturm auf das US-Kapitol Die schwierige Suche nach dem Warum

Stand: 27.07.2021 19:39 Uhr

Die erste Anhörung im U-Ausschuss zum Sturm auf das US-Kapitol im Januar ist geprägt von Bildern und Erinnerungen an einen Tag der Gewalt. Doch ob die Hintergründe wirklich klar werden, bleibt fraglich.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

"Hängt Mike Pence", schallte es aus dem Mob, der am 6. Januar das Kapitol stürmte. Die zum Teil schwer bewaffneten Angreifer suchten nach dem Vizepräsidenten, der sich zu diesem Zeitpunkt aber schon in Sicherheit befand. Und sie prügelten auf jeden ein, der sich ihnen in den Weg stellte.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Das konnten die Ausschuss-Mitglieder in den Videos der Polizei sehen, und das hörten sie aus erster Hand. Aquilino Gonell, Mitglied des Kapitol-Polizei, berichtete:

Ich konnte fühlen, wie mir der Sauerstoff ausging - und ich erinnere mich, wie ich dachte: So werde ich sterben, wie ich diesen Eingang verteidige.

Hand in Hand und Zentimeter für Zentimeter gekämpft

Sichtlich bewegt, manchmal unter Tränen, schilderte Gonell einen langes, verzweifeltes, beinahe mittelalterliches Gefecht. Sie hätten Hand in Hand, Zentimeter für Zentimeter gekämpft, um die Invasion durch den gewalttätigen Mob zu verhindern. Und, so erzählten Gonell und drei weitere Polizisten es heute Vormittag auch: Viele der Angreifer hätten sich auf Donald Trump berufen, den früheren Präsidenten. Sie seien hier, um zu verhindern, dass die Wahl gestohlen werde.

 

Trumps Rolle im Fokus

An diesem 6. Januar sollten im Kongress die Wahlergebnisse bestätigt werden. Ein formaler Vorgang, doch Trump hatte immer wieder behauptet, Vizepräsident Pence könne diesen Prozess stoppen. Bei einer Rede am selben Vormittag hatte Trump seine zigtausend versammelten Anhänger aufgefordert, zum Kapitol zu gehen.

Was wirklich an diesem Tag geschah und welche Rolle der damalige Präsident spielte, das will der Untersuchungsausschuss des Abgeordnetenhauses aufklären. In dieser Untersuchung sei kein Platz für Politik oder Parteilichkeit, sagte der Vorsitzende Bernie Thompson zum Auftakt.

Bitterer Streit um Besetzung des Ausschusses

Doch genau das ist das Problem. Denn Republikaner und Demokraten sind über den Auftrag und die Besetzung des Ausschusses tief zerstritten. Nancy Pelosi, die Demokratin und Präsidentin des Abgeordnetenhauses, lehnte zwei der Abgeordneten ab, die die Republikaner nominiert hatten. Und sie berief zwei Trump-kritische Republikaner in den Ausschuss.

Die Fraktion verweigerte daraufhin die Zusammenarbeit. Die Republikaner behaupten außerdem, dass die Demokraten die entscheidende Frage nicht beantworten wollten. Warum habe es an dem Tag keine bessere Sicherheitslage gegeben?, fragte Jim Jordan, ein Republikaner. Er wirft den Demokraten vor, sie hätten zu spät reagiert und hätten außerdem politische Gewalt normalisiert. Damit meint er die Anti-Rassismus-Proteste des vorigen Sommers, bei denen es zu Ausschreitungen gekommen war.

Welche Ergebnisse der Ausschuss unter diesen Vorzeichen liefern kann, ist offen.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 27. Juli 2021 um 22:15 Uhr.

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Moderation 27.07.2021 • 21:40 Uhr

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