Bauarbeiten an einer Schnellstraße im US-Bundesstaat Michigan (Archivbild). | AP

Zwei-Billionen-Dollar-Plan Biden will Infrastruktur modernisieren

Stand: 31.03.2021 04:22 Uhr

Die Infrastruktur in den USA ist in marodem Zustand. Präsident Biden will nun eine astronomische Summe in die Hand nehmen, um das Problem anzugehen. Doch das wird nicht einfach.

Von Katrin Brand, ARD-Studio Washington

Wann immer Melodie Roberts Anfang März ins College ging, fühlte sie sich nicht wohl in ihrer Haut. Sie fühle sich nicht so selbstsicher wie sie eigentlich sei. Sie sei sauber, "aber was, wenn ich doch rieche, weil ich kein Wasser zu Hause habe?", erzählte die junge Frau dem Radiosender NPR.

Katrin Brand ARD-Studio Washington

Melodie Roberts und ihre Mutter Marion leben in Jackson, Mississippi. Nach einem Wintereinbruch Mitte Februar fiel die Wasserversorgung aus, einen Monat lang kam aus den Leitungen ihres Zuhauses - nichts. Sie mussten ihr Wasser zentral bei der Stadtverwaltung holen oder kaufen. Irgendwann kam keine Hilfe mehr, sagte Marion Roberts, die Mutter. Sie habe das Gefühl, das liege an ihrer Hautfarbe, und das hasse sie. Marion Roberts ist schwarz, so wie die große Mehrheit der Bürger ihrer Stadt.

Die USA haben ein Trinkwasserproblem

Jackson ist überall. Ob Großstadt oder Dorf, die USA haben ein Trinkwasserproblem. Mal ist es nicht sicher, mal fließt es nicht verlässlich, mal gibt es gar keins. Und besonders an der Ostküste sind die Netze uralt. In Chicago werde immer noch die Wasserzufuhr vom Lake Michigan aus den 1860er Jahren benutzt, sagt Aaron Packman, Professor für Bauingenieurwesen in Chicago, bei NPR, in Philadelphia sei die Wasserinfrastruktur circa 200 Jahre alt.

Und natürlich hat die Versorgung eine soziale Dimension. In den ärmeren Stadtteilen ist das Netz oft in einem besonders schlechten Zustand. Wo Schwarze und Latinos wohnen, fehlt es zudem nicht nur an Trinkwasser, sondern auch an einer funktionierenden Kanalisation.

Jahrzehntelange Vernachlässigung

Die ASCE, die Vereinigung amerikanischer Bauingenieure, benotet die Trinkwasserversorgung in den USA mit einem "C minus", die Abwasserentsorgung bekommt sogar nur ein "D plus". Während der Bedarf an Trinkwasser in den vergangenen Jahrzehnten stieg, seien die Investitionen der Bundesregierung ins Leistungsnetz dramatisch zurückgegangen, schreiben die Ingenieure.

Die anderen Bereiche der amerikanischen Infrastruktur stehen ähnlich schlecht da, ob Wasserwege, Straßen, Dämme, Schulen oder Energieversorgung. Den Rückstau aufzuarbeiten, der durch jahrzehntelange Vernachlässigung entstanden ist, könnte weit über 2 Billionen Dollar kosten, schätzt die ASCE.

Biden will über 2 Billionen Dollar investieren

Dass die USA weltweit bei der Infrastruktur auf Platz 13 stehen, sagte auch Präsident Joe Biden vorige Woche. Bei den wichtigen Straßen und Autobahnen sei jede fünfte Meile in schlechtem Zustand, listete Biden auf, jede dritte Brücke sei reparaturbedürftig, 20 Prozent der Flüge seien unpünktlich, in bis zu zehn Millionen Häusern gebe es noch Bleirohre, und in noch mehr Gebäuden werde eine Unmenge an Energie durch schlechte Isolierung verschwendet.

Er sei gewählt worden, um Probleme zu lösen, sagte Biden, und dafür will er tatsächlich über zwei Billionen Dollar (das entspricht 1,7 Billionen Euro) mobilisieren. In Straßen, Brücken und Häfen werden allein 650 Milliarden Dollar verbaut, berichten US-Medien. Die Wasserversorgung und schnelles Internet werden mit je 100 Milliarden gefördert.

Mehr Details sollen heute vorgestellt werden

Aber Bidens Wiederaufbauplan "Build Back Better" ist eben kein reines Infrastrukturpaket, sondern soll auch soziale Gerechtigkeit schaffen. Es gebe eine Verpflichtung, sagte Verkehrsminister Pete Buttigieg neulich, eine widerstandsfähige Infrastruktur zu schaffen und die Ungleichheiten anzugehen, die die Kommunen verwüstet haben.

Details über Bidens Pläne sind bisher nicht bekannt, heute will er in Pittsburgh mehr dazu erzählen. Doch schon gibt es Bedenken, auch im eigenen Lager: Sollen die Demokraten versuchen, möglichst viele Republikaner mit ins Boot zu holen oder sollen sie möglichst viele ihrer Kernthemen wie etwa den Klimaschutz durchdrücken? Beides gleichzeitig geht nicht.

Steuern für Reiche sollen erhöht werden

Die Republikaner in der Opposition werden es ihnen nicht leicht machen. "Dieser sogenannte Infrastruktur-Plan könnte ein trojanisches Pferd sein", sagte Mitch McConnell, der Chef der Republikaner im Senat, voller Steuererhöhungen und anderer "linker Jobkiller". Darunter verstehen die Republikaner unter anderem Investitionen in den Klimaschutz und das Streichen von Subventionen für die Öl- und Gasindustrie.

Joe Biden wird versuchen, das Gegenteil herauszuheben. Sein Plan werde sehr viele gutbezahlte Arbeitsplätze schaffen, verspricht er. Aber er plant tatsächlich höhere Steuern, unter anderem für reiche Investoren und Firmen. "Arbeit belohnen, nicht Wohlstand", nennt er das. Klingt nicht wie etwas, das die Republikaner unterschreiben werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 31. März 2021 um 05:44 Uhr.