Polizisten und Rauchschwaden bei Demonstration von Indigenen in Chile | AFP

Demonstration von Indigenen Eine Tote bei Protesten in Chile

Stand: 11.10.2021 11:07 Uhr

Bei Zusammenstößen zwischen Polizei und indigenen Demonstranten in Chile ist eine Frau getötet worden. Nach Polizeiangaben wurden 17 Beamte verletzt und zehn Demonstranten festgenommen.

Bei einer Kundgebung am Sonntag in der chilenischen Hauptstadt Santiago haben etwa 1000 Angehörige des Volkes der Mapuche mehr Autonomie vom Staat gefordert. Dabei kam eine Frau ums Leben. Laut Polizei hatte eine Gruppe von Kapuzenträgern die Beamten mit Feuerwerkskörpern angegriffen und mit einem davon die Frau getroffen. Bei dem Todesopfer handelt es sich um eine Jurastudentin, die für eine Menschenrechtsorganisation die Demonstration beobachtete, wie die Organisation und die Universität mitteilten.

In sozialen Medien gab es Stimmen, die den Sicherheitskräften ein brutales Vorgehen gegen die Demonstranten vorwarfen. Die Nachrichtenagentur AFP meldete unter Berufung auf einen Journalisten, die Polizei sei mit Wasserwerfern und Tränengas gegen die Menge vorgegangen. Daraufhin hätten die Demonstranten die Polizisten mit Steinen und Stöcken angegriffen. Bei dem "Aufmarsch für den Mapuche-Widerstand und die Autonomie der Völker" seien 17 Beamte verletzt und zehn Personen festgenommen worden, hieß es von der Polizei.

Mapuche kämpfen für Rückgabe ihrer Ländereien

In der Heimatregion der Mapuche im Süden Chiles schwelt seit Jahrzehnten ein Konflikt um Land, das viele Ureinwohner als ihren angestammten Besitz betrachten. Ende 2019 waren in Chile heftige Proteste gegen die Regierung ausgebrochen. Die sogenannten Carabineros - die uniformierte Polizei - gerieten wegen ihres oft brutalen Vorgehens immer wieder in die Kritik. Mehr als 30 Menschen kamen bei den Demonstrationen ums Leben, Hunderte wurden verletzt.

Neue Verfassung in Arbeit

Als eine Reaktion auf die Proteste wird derzeit eine neue Verfassung ausgearbeitet. Im Juli nahm die verfassungsgebende Versammlung ihre Arbeit auf. Zu deren Vorsitzenden wurde zum ersten Mal eine Angehörige der Mapuche gewählt, was bei vielen Indigenen die Hoffnung auf eine stärkere Berücksichtigung ihrer Belange geweckt hatte.

2022 soll in einem Referendum über den neuen Verfassungstext abgestimmt werden. Die aktuelle Verfassung stammt noch aus dem Jahr 1980 und damit aus der Zeit der Militärdiktatur. Sie wird von vielen Chilenen für die tiefe Kluft zwischen Arm und Reich verantwortlich gemacht.