"Free the Americans" (Befreit die Amerikaner), steht auf dem Plakat, das ein Junge während einer Kundgebung nach der Entführung von Missionaren hoch hält. | dpa

Entführte Missionare in Haiti 17 Millionen Dollar Lösegeld gefordert

Stand: 20.10.2021 10:53 Uhr

Für die Freilassung der auf Haiti entführten Missionare und deren Familienangehörige haben die Kidnapper 17 Millionen US-Dollar Lösegeld gefordert. Unter den Geiseln sind auch Kleinkinder und ein Säugling.

Nach der Entführung von christlichen Missionaren und Familienangehörigen in Haiti hat die verantwortliche Entführerbande 17 Millionen US-Dollar (umgerechnet 14,6 Millionen Euro) Lösegeld gefordert. Die Entführer wollten je eine Million Dollar für die 17 Verschleppten, hieß es aus Regierungskreisen in Haiti. Das berichtete das "Wall Street Journal".

Der haitianische Justizminister Liszt Quitel bestätigte, dass die Bande 400 Mawozo hinter der Entführung steckt. Er erklärte laut "Washington Post", dass die Entführer normalerweise hohe Summen fordern, die bei Verhandlungen reduziert werden.

Bei den Geiseln handelt es sich laut der christlichen Organisation Christian Aid Ministries um fünf Männer und sieben Frauen im Alter zwischen 18 bis 48 Jahren. Auch Kinder im Alter von acht Monaten, drei, sechs, 13 und 15 Jahren seien unter den Verschleppten. 16 von ihnen haben demnach die US-Staatsbürgerschaft, einer ist Kanadier. Die Gruppe war am Samstag auf dem Rückweg von einem Waisenhaus außerhalb der Hauptstadt Port-au-Prince entführt worden.

Zahl der Entführungen stark gestiegen

Am Montag hatte das US-Außenministerium ein kleines Ermittlerteam nach Haiti entsandt, das die haitianischen Behörden unterstützen soll. Die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, sagte am Dienstag, die US-Bundespolizei FBI beteilige sich an den Bemühungen der US-Regierung, die Entführungsopfer in Sicherheit zu bringen. Die US-Behörden stünden "in engem Kontakt mit den Familien" der Entführten.

Offenbar seien gezielt US-Staatsbürger ausgewählt worden, weil diese sich vermeintlich das Lösegeld leisten könnten, sagte Psaki. Sie verwies darauf, dass die USA von Reisen nach Haiti abraten.

Die Entführung ist die größte bekannte dieser Art in den vergangenen Jahren. Mindestens 328 Entführungen wurden der haitianischen Polizei in den ersten acht Monaten des Jahres 2021 schon gemeldet, verglichen mit 234 im gesamten Jahr 2020, wie aus einem Bericht des UN-Büros in Haiti vom September hervorgeht.

Proteste gegen Bandenkriminalität

Unterdessen protestierten am Dienstag in Port-au-Prince zahlreiche Menschen mit einem Generalstreik gegen die anhaltende Bandenkriminalität in dem Karibikstaat. In der Hauptstadt waren die Straßen menschenleer, Läden, Schulen und Regierungsgebäude waren geschlossen. Bei einer Straßenblockade brannten Reifen.

Das von großer Armut geprägte Haiti kämpft seit Jahren mit Naturkatastrophen und politischen Krisen, die den Staat und die Wirtschaft lähmen. Die bis heute nicht aufgearbeitete Ermordung von Präsident Jovenel Moïse im Juli sowie ein schweres Erdbeben einen Monat später im Südwesten des Landes haben die Probleme des Landes verschärft.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Oktober 2021 um 03:45 Uhr.