Ghislaine Maxwell (Archivbild: 25. Juni 2013) | AP

Prozess gegen Epstein-Vertraute Maxwell "Sie ist ein Monster, teuflisch und böse"

Stand: 29.11.2021 15:32 Uhr

Ghislaine Maxwell war die Vertraute des gestorbenen Multimillionärs Epstein. Sie soll ihm beim Missbrauch von Minderjährigen geholfen haben. Nun startete der Prozess gegen Maxwell.

Von Peter Mücke, ARD-Studio New York

Es ist gar nicht lange her, da war Ghislaine Maxwell eine feste Größe in der Luxus-Party-Szene Manhattans. "Vanity Fair" schwärmte noch vor einigen Jahren von ihr als der "interessanteste, temperamentvollste und ungewöhnlichste Mensch" bei diesen Festen der Reichen und Schönen. Doch diese Zeiten sind vorbei. Seit Sommer 2020 sitzt Maxwell in Brooklyn im Gefängnis.

Peter Mücke ARD-Studio New York

"Schwierige Verhältnisse für Ghislaine im Gefängnis"

Viermal scheiterte ihr Anwalt David Markus damit, sie auf Kaution freizubekommen: "Es sind sehr sehr schwierige Verhältnisse für Ghislaine im Gefängnis. Bedingungen, die man nicht mal seinem ärgsten Feind wünscht. Sie wird furchtbar behandelt dort. Wegen der Nachlässigkeiten bei Jeffrey Epstein. Das ist nicht richtig und nicht fair. Das ist alles nur wegen dieses schrecklichen Epstein-Effekts."

Epstein war im August 2019 erhängt in seiner Gefängniszelle aufgefunden worden - kurz bevor er sich vor Gericht verantworten sollte. Über Jahrzehnte soll der schwerreiche New Yorker Investmentbanker minderjährige Mädchen missbraucht und einen Prostitutionsring auf seinen diversen Anwesen in den USA betrieben haben. Und dabei, so der Vorwurf, soll seine Partnerin und rechte Hand Maxwell eine zentrale Rollen gespielt haben.

Sie sollen Mädchen in eine Falle gelockt haben

Die zuständige New Yorker Staatsanwältin Strauss sagt: "Maxwell war eine der engsten Vertrauten und hat Epstein geholfen, Mädchen zu missbrauchen, die zum Teil erst 14 Jahre alt waren. Sie hat ihm geholfen, diese Mädchen anzuwerben und gefügig zu machen. In manchen Fällen hat sie sogar am Missbrauch teilgenommen."

Die Vorwürfe beziehen sich auf die Jahre 1994 bis 2004. In diesem Zeitraum hätten Maxwell und Epstein systematisch Minderjährige in die Falle gelockt: "Sie haben sich mit den jungen Frauen angefreundet, sie ins Kino oder zu Shopping-Trips eingeladen," so Strauss. Maxwell habe sie überredet, Epsteins Geschenke anzunehmen, damit sie sich ihm verpflichtet fühlten. Und dann habe sie so lange auf die Mädchen eingewirkt, bis ihnen der sexuelle Missbrauch normal vorgekommen sei. Dieses Vorgehen sei als "grooming" bekannt.

Vier Schlüssel-Zeuginnen vor Gericht

Maxwell bestreitet, etwas Illegales getan zu haben. Um das Gegenteil zu beweisen, hat die Staatsanwaltschaft vier Schlüssel-Zeuginnen aufgeboten. Sie und die anderen mutmaßlichen Opfer dürften den Prozess als letzte Chance auf Gerechtigkeit sehen.

Wie etwa Maria Farmer, die 1996 die erste Strafanzeige gegen Epstein eingereicht hatte: "Einige Male war ich mit Ghislaine im Auto unterwegs", erzählt Farmer. "Sie hat gesagt, sie ist auf der Suche nach Models. Der Fahrer musste dann immer wieder abrupt halten an Schulen oder Parks. Dann ist sie zu Mädchen hingelaufen und hat mit ihnen Telefonnummern ausgetauscht. Und ein paar Tage später habe ich diese Mädchen dann in ihrem Haus gesehen."

Hoffnung, dass Maxwell verurteilt wird

Doch es dauerte bis 2008, bis Epstein sich erstmals vor Gericht verantworten musste: Damals ging es um die Anschuldigungen von 24 Minderjährigen. Der Prozess endete mit einem Deal, der bis heute Fragen aufwirft: Nach 13 Monaten, in denen er tagsüber auf freiem Fuß war, wurde Epstein wieder freigelassen.

Bis Ermittler in New York den Fall erneut aufrollten und ihn 2019 festnahmen. Zu einem Prozess kam es nicht mehr. Weshalb auch Virginia Giuffre jetzt darauf hofft, dass wenigstens Maxwell verurteilt wird: "Sie ist ein Monster. Sie ist schlimmer als Epstein. Sie war teuflisch und böse. Und sie ist eine Frau."

Giuffre wirft zudem dem britischen Prinz Andrew vor, sie als Minderjährige missbraucht zu haben und hat eine Zivilklage angestrengt. Sie sei als 17-jährige von Epstein an Prinz Andrew "ausgeliehen" worden. Zu den Freunden Epsteins sollen unter anderem auch die Ex-US-Präsidenten Donald Trump und Bill Clinton sowie Microsoft-Gründer Bill Gates gehört haben. Konkrete Vorwürfe gegen sie sind in diesem Zusammenhang aber nicht bekannt.

Über dieses Thema berichtete MDR Aktuell am 29. November 2021 um 13:25 Uhr.