Die "Weltuntergangsuhr" zeigt 100 Sekunden vor Mitternacht | AFP

Weltuntergangsuhr Die "Doomsday Clock" steht still

Stand: 21.01.2022 10:24 Uhr

Seit 75 Jahren schätzen Wissenschaftler verschiedener Disziplinen die Gefahren für die Menschheit und den Planeten ein. Dafür stellen sie symbolisch die "Weltuntergangsuhr". Im Moment herrscht Stillstand.

Von Sebastian Hesse, ARD-Studio Washington

Im vergangenen Jahr ist die Welt weder sicherer noch unsicherer geworden. So schätzen es die Wissenschaftler ein, die alljährlich die sogenannte "Weltuntergangsuhr" neu stellen.

Sebastian Hesse ARD-Studio Washington

Deshalb wurde die "Doomsday Clock" weder vor- noch zurückgestellt: Sie bleibt auf 100 Sekunden vor Mitternacht.

Seit 1947 schätzen Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen die Gefahren für die Menschheit und den Planeten neu ein. Die Bedrohungsszenarien aus den beteiligten Forschungsfeldern werden dann von der Organisation "Bulletin of the Atomic Scientists" im symbolischen Uhrenindex gebündelt, wie die Präsidentin der Organisation, Rachel Bronson, erklärt.

Menschheit weiter in Gefahr

"Die Weltuntergangsuhr mag nur eine Metapher sein", sagt Bronson. "Aber die Herausforderungen, die sie aufzeigt, sind dagegen sehr, sehr real."

Was heißt das nun, dass die Uhr im dritten Jahr in Folge unverändert auf 100 Sekunden vor Mitternacht steht?

Das sei keine gute Nachricht, sagt Sharon Squassoni von der George Washington Uni. Die Menschheit befinde sich weiterhin in Gefahr. 2021 habe weder mehr Stabilität noch mehr Sicherheit gebracht.

Schadstoff-Emissionen nicht zurückgegangen

Das Jahr hätte so hoffnungsvoll begonnen, erinnert sich Raymond Pierrehumbert, der in Oxford lehrt. Nämlich mit dem Amtsantritt von US-Präsident Joe Biden und damit mit der Rückkehr der USA in das Pariser Klimaschutzabkommen. Doch real seien die klimaschädlichen Schadstoff-Emission nicht zurückgegangen - im Gegenteil.

Auch die Erholung von der Covid-Krise, in der Flugverkehr und Industrie-Emissionen zurückgegangen waren, hätte keinen Bewusstseinswandel mit sich gebracht, sagt Pierrehumbert.

Am sichersten war die Welt 1991

Der Gefahrenindex beurteile längst nicht mehr nur militärische Risiken wie noch in seinen Anfängen während des Kalten Krieges. "Und wenn, dann kommen sie in ganz neuen Gewändern daher", sagt Scott Sagan von der Stanford University. Etwa beim Sturm auf das Kapitol in Washington.

"Das war fraglos ein Angriff auf die Demokratie", sagt Sagan. Aber eben noch mehr: Vizepräsident Pence, auf den es die aufgebrachten Trump-Anhänger abgesehen hatten, sei immerhin die Nummer zwei in den USA, was den Zugang zu den Nuklear-Codes betrifft.

Am sichersten war die Welt übrigens 1991: Damals stand die "Doomsday Clock" auf 17 Minuten vor Mitternacht. Hoffnungslos sei die Lage aber auch heute nicht, so das Fazit von Pierrehumbert.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Januar 2020 um 16:52 Uhr.