Ein Kinder- und Jugendarzt impft einen Jugendlichen mit dem Corona-Impfstoff Comirnaty von BioNTech/Pfizer.  | dpa

US-Experten prüfen Herzmuskelentzündung wegen Corona-Impfung?

Stand: 23.06.2021 20:02 Uhr

300 Jugendliche und junge Männer mit Herzentzündungen nach einer Corona-Impfung: Nach dieser statistischen Auffälligkeit geht in den USA nun ein Expertengremium der Frage nach, ob ein Zusammenhang mit mRNA-Impfstoffen besteht.

Nach dem Auftreten Hunderter Fälle von Herzmuskelentzündungen nach einer Corona-Impfung mit einem mRNA-Vakzin prüft ein Expertengremium in den USA die möglichen Zusammenhänge.

Die Experten der Arbeitsgruppe für Covid-19-Impfsicherheit, die von der US-Gesundheitsbehörde CDC eingesetzt wurde, gehen dem Verdacht nach, dass die mRNA-Vakzine von BioNTech/Pfizer und Moderna bei jungen Menschen vereinzelt eine Entzündung des Herzmuskels (Myokarditis) oder des Herzbeutels (Perikarditis) verursachen können.

Junge Männer nach zweiter mRNA-Impfung betroffen

Dazu werten sie Daten von 300 bestätigten Myokarditis-Fällen bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen aus, die kurz zuvor mit einem mRNA-Vakzin gegen Corona geimpft worden waren. Bei einem Treffen der US-Arzneimittelbehörde FDA zu dem Thema war vor knapp zwei Wochen festgestellt worden, dass die meisten Fälle bei jungen Männern und binnen einer Woche nach der zweiten Impfdosis aufgetreten waren. Dem Expertengremium der CDC liegen nun noch aktuellere Daten vor. Außerdem wurden die Angaben unabhängig überprüft.

Als erstes Land hatte zuvor Israel einen möglichen Zusammenhang zwischen den Herzentzündungen und der Impfung festgestellt. Auch dort wird den Vorfällen nachgegangen.

300 Fälle unter 20 Millionen Geimpften

Gut 300 solcher Fälle bei rund 20 Millionen geimpften Jugendlichen und jungen Erwachsenen in den USA ist vergleichsweise keine hohe Zahl - aber wohl höher, als bei dieser Altersgruppe zu erwarten wäre. Vergangene Woche hatte CDC-Chefin Rochelle Walensky erklärt, diese Fälle seien "selten" und "die große Mehrheit" der Betroffenen habe sich "mit Ruhe und unterstützender Behandlung wieder vollständig erholt".

Das berichtet auch der Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten bei Kindern am Cohen Children's Medical Center, Lorry Rubin, der Nachrichtenagentur AFP. Seine Klinik in New York habe auch ein paar Fälle von jungen männlichen Patienten behandelt, die einen oder zwei Tage nach einer mRNA-Impfung Brustschmerzen entwickelt hätten. Die Infektionen seien aber "relativ leicht" gewesen und schon nach wenigen Tagen mit Medikamenten wie Ibuprofen überwunden worden. "Ich bin besorgt, aber ich betone, dass Ursache und Wirkung noch nicht festgestellt wurden", so der Arzt.

Jugendliche ab 12 Jahren können in den USA bislang nur mit dem Vakzin von BioNTech/Pfizer geimpft werden. Der Impfstoff von Moderna ist für Menschen ab 18 Jahren zugelassen.

Über dieses Thema berichtete Bayern2 in der Sendung "IQ - Wissenschaft und Forschung" am 11. Juni 2021 um 18:05 Uhr.