Liz Cheney. | AFP

US-Bundesstaat Wyoming Trump-Kritikerin Cheney verliert Vorwahl

Stand: 17.08.2022 10:26 Uhr

Kaum jemand geht den früheren US-Präsidenten Trump schärfer an als die Kongressabgeordnete Cheney - auch wenn beide in derselben Partei sind. Trump versucht seit langem, Cheney zu entmachten. Jetzt hat er einen großen Erfolg erzielt.

Die wichtigste innerparteiliche Kritikerin des früheren US-Präsidenten Donald Trump, Liz Cheney, wird dem Repräsentantenhaus von Januar an nicht mehr angehören. Die Republikanerin verlor in ihrem Bundesstaat Wyoming die Vorwahlen gegen ihre parteiinterne Kontrahentin Harriet Hageman.

In einer Rede gestand Cheney ihre Niederlage am Abend ein, betonte aber, dass ihre politische Karriere nicht vorbei sei. Der Ausgang der Vorwahl sei "der erste Schritt in einem viel größeren Kampf", sagte sie. Eindringlich mahnte sie: "Lassen Sie uns entscheiden, dass wir zusammenstehen werden - Republikaner, Demokraten und Unabhängige - gegen diejenigen, die unsere Republik zerstören wollen." Das Überleben der Demokratie sei nicht garantiert, das liege an Trump und seinen Anhängern.

Eine erwartete Niederlage

Die Niederlage der 56-Jährigen war erwartet worden. In Wyoming hatte Trump bei der Wahl 2020 mit derart deutlichem Abstand vor dem letztlichen Wahlsieger Joe Biden gewonnen wie in keinem anderen Staat. Diesmal hatte er Hageman unterstützt und für die Abwahl Cheneys geworben. Hageman sät immer wieder Zweifel am Ergebnis der Präsidentenwahl 2020 und hilft so, Trumps Lüge vom Wahlbetrug am Leben zu halten.

Cheney hingegen hat mit der Niederlage den Preis bezahlt für ihre Kritik am Ex-Präsidenten. Immer wieder hatte sie die Machenschaften Trumps und seiner Vertrauten angeprangert. Sie ist auch Vizevorsitzende des Untersuchungsausschusses zum Angriff auf das US-Kapitol am 6. Januar 2021. Trump-Unterstützer wollten an diesem Tag nach einer aufrührerischen Rede des damaligen Präsidenten verhindern, dass der Kongress offiziell den Demokraten Joe Biden zum Sieger der Wahl vom November 2020 erklärt. Cheney sagte dem Sender CNN kürzlich, Trump habe sich "der schwersten Pflichtverletzung eines Präsidenten in der Geschichte unseres Landes" schuldig gemacht.

Tochter des ehemaligen Vizepräsidenten

Cheney gehörte zu den zehn republikanischen Kongressabgeordneten, die nach dem Angriff auf das Kapitol für die Eröffnung eines zweiten Amtsenthebungsverfahrens gegen Trump stimmten. Im Senat kam die notwendige Mehrheit für eine Verurteilung aber nicht zustande. Bald darauf wurde Cheney auf Trumps Druck hin aus einem Führungsamt in ihrer Fraktion abgewählt.

Liz Cheney ist die Tochter des früheren US-Vizepräsidenten Dick Cheney. Der 81-Jährige hatte kürzlich in einem Wahlwerbespot für seine Tochter scharf mit Trump abgerechnet. "In der 246-jährigen Geschichte unserer Nation hat es noch nie eine Person gegeben, die eine größere Bedrohung für unsere Republik darstellt als Donald Trump", sagte der Republikaner.

Dabei hatte seine Tochter lang als eine Hardlinerin gegolten. Sie stand hinter Trump und seiner Politik, als dieser noch im Weißen Haus saß. Cheney positionierte sich damals gegen die gleichgeschlechtliche Ehe und stritt darüber sogar öffentlich mit ihrer Schwester, die mit einer Frau verheiratet ist. Mittlerweile sagt sie, dass sie ihre Äußerungen von damals bereue. Erst mit dem Sturm aufs Kapitol stellte sich Cheney gegen Trump.

Trumps Einfluss in der Partei ist weiterhin sehr groß. Von den zehn Republikanern, die für ein zweites Amtsenthebungsverfahren gestimmt haben, haben nur zwei die Chance, wieder in den Kongress einzuziehen. Alle anderen haben bei den Vorwahlen verloren oder treten nicht nochmal an.

Weiterhin großer Einfluss Trumps

Bei den Vorwahlen in Alaska setzte sich unterdessen die Trump-Kritikerin Lisa Murkowski und ihre von Trump unterstützte Konkurrentin Kelly Tshibaka für die Abstimmung über den Senatssitz durch. Wer die anderen beiden Kandidaten bei der Hauptwahl im November sein werden, steht noch nicht fest. Um den einzigen Sitz Alaskas im US-Repräsentantenhaus werden die frühere Gouverneurin Sarah Palin, ihr republikanischer Parteikollege Nick Begich und die Demokratin Mary Peltola kämpfen.

Über dieses Thema berichtete am 17. August 2022 Inforadio um 06:09 Uhr und die tagesschau um 08:00 Uhr.