Anhänger von Lula da Silva feiern in Sao Paulo. | AFP

Neuer Präsident in Brasilien Glückwünsche für Lula aus aller Welt

Stand: 31.10.2022 10:37 Uhr

Die Reaktionen auf Lulas Erfolg in Brasilien fallen international positiv aus. Aus dem Weißen Haus gingen bereits weniger als 40 Minuten nach dessen Wahlsieg Glückwünsche ein. Kanzler Scholz setzt auf enge Zusammenarbeit mit Lula.

Nach dem Wahlsieg von Luiz Inácio Lula da Silva in Brasilien haben Politiker weltweit Glückwünsche gesendet. Bundeskanzler Olaf Scholz schrieb auf Twitter, dass er sich auf die Zusammenarbeit freue, besonders bei den Themen Handel und Klimaschutz.

Bundesaußenministerin Annalena Baerbock sagte bei einem Besuch in Kasachstan, die Wahl in Brasilien habe einen Sieger, aber mehrere Gewinner. Größter Gewinner sei die brasilianische Demokratie. "Denn die Wahlen, die ja sehr knapp waren, sind transparent und fair abgelaufen. Gerade in diesen Zeiten ist das so, so wichtig für unser Vertrauen in Demokratie und Rechtsstaatlichkeit."

Ein anderer großer Gewinner sei das Weltklima, sagte Baerbock. "Damit wir alle und unsere Kinder in Zukunft in Sicherheit leben, ist klar, dass wir gerade die letzten großen Wälder, die letzten großen Regenwälder erhalten müssen." Der Ausgang der Wahl gebe Hoffnung, "dass die ungebändigte Abholzung des Regenwaldes in Brasilien bald ein Ende hat und dass Brasilien wieder ein Antreiber in unserem gemeinsamen Kampf gegen die Klimakrise wird".

Reaktionen aus Europa, den USA und Russland

Der neue britische Premierminister Rishi Sunak twitterte, er freue sich darauf, an Themen zu arbeiten, die Großbritannien und Brasilien wichtig seien - wie das Wachstum der weltweiten Wirtschaft, der Schutz von Ressourcen des Planeten und demokratische Werte.

US-Präsident Joe Biden gratulierte weniger als 40 Minuten nach Lulas Sieg, gefolgt von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron.

"Ich freue mich auf die Zusammenarbeit mit Ihnen bei der Bewältigung drängender globaler Herausforderungen, von der Ernährungssicherheit über den Handel bis hin zum Klimawandel", schrieb Kommissionschefin Ursula von der Leyen auf Twitter.

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell sprach den Wunsch aus, die eingefrorene strategische Partnerschaft mit Brasilien neu zu beleben. Ratspräsident Charles Michel nannte als Bereiche der Zusammenarbeit Frieden und Stabilität, Wohlstand sowie den Klimawandel.

Auch aus südamerikanischen Nachbarländern kamen Glückwünsche. Aus dem chinesischen Außenministerium hieß es, China sei bereit mit Lula zu arbeiten, um die gemeinsame strategische Partnerschaft auf ein neues Level zu heben.

Russlands Präsident Wladimir Putin schrieb nach Angaben des Kreml, die Ergebnisse der Abstimmung hätten Lulas hohe politische Autorität bestätigt. "Ich setze darauf, dass wir mit gemeinsamen Anstrengungen die weitere Entwicklung der konstruktiven russisch-brasilianischen Zusammenarbeit in alle Richtungen sichern."

Brasilien und Russland arbeiten auch in der Brics-Gruppe (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) zusammen. Russland sieht Brasilien als Partner, weil sich das Land den westlichen Sanktionen wegen Putins Angriffskrieg gegen die Ukraine nicht angeschlossen hat. Amtsinhaber Jair Bolsonaro hatte zuletzt vor allem um Lieferungen von Diesel und Düngemitteln aus Russland geworben.

Menschenrechtler fordern Kurskorrekturen

Human Rights Watch forderte Wahlsieger Lula auf, nun den Menschenrechten Vorrang einzuräumen und schwere Rückschläge während der Präsidentschaft Bolsonaros rückgängig zu machen - unter anderem in den Bereichen öffentliche Sicherheit, Umwelt, Frauen, LGBT und Rechte von Ureinwohnern. Bolsonaro sei "eine Katastrophe für die Menschenrechte im In- und Ausland" gewesen, sagte die Amerika-Direktorin der Organisation, Juanita Goebertus.

Bolsonaro erkennt Niederlage vorerst nicht an

Der Linkspolitiker Lula, der bereits von 2003 bis 2010 Präsident war, holte sich den Sieg in der Stichwahl am Sonntag nach amtlichen Angaben mit 50,9 Prozent. Der 77-Jährige tritt sein Amt voraussichtlich am 1. Januar an. Der rechte Amtsinhaber Bolsonaro erhielt demnach 49,1 Prozent.

Bolsonaro erkannte seine Niederlage in den ersten Stunden nicht an. Im Wahlkampf hatte er mehrfach Zweifel am Wahlsystem gestreut und angedeutet, das Ergebnis möglicherweise nicht zu akzeptieren.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 31. Oktober 2022 um 09:00 Uhr.