Bolsonaro mit seiner Ehefrau nach seiner Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten | dpa

Auch Bolsonaro nominiert Brasilien steht vor Richtungswahl

Stand: 24.07.2022 21:40 Uhr

Im Oktober wird in Brasilien gewählt. Nun stehen beide Kandidaten offiziell fest - und damit ist klar, dass es eine echte Richtungswahl wird: Der linke Ex-Präsident Lula gegen den rechtspopulistischen Amtsinhaber Bolsonaro.

Brasiliens Staatschef Jair Bolsonaro tritt bei den Präsidentenwahlen in Brasilien im Herbst erneut an. Er wurde offiziell zum Kandidaten der Liberalen Partei gekürt. Damit kommt es in Brasilien im Herbst zu einem Duell zwischen dem rechtspopulistischen Bolsonaro und dem linken Ex-Präsidenten Luiz Inácio Lula da Silva.

Lula war am Donnerstag von seiner Arbeiterpartei PT nominiert worden. In Umfragen liegt Lula derzeit weit vor Bolsonaro.

Angst vor Gewalt im Wahlkampf

Gewählt wird in Brasilien am 2. Oktober, offizieller Start des Wahlkampfs ist der 16. August. Nachdem ein mutmaßlicher Anhänger Bolsonaros kürzlich einen Funktionär der Arbeiterpartei erschoss, ist die Sorge vor zunehmender Gewalt im Wahlkampf gewachsen.

Außerdem gibt es die Befürchtung, dass Bolsonaro das Wahlergebnis nicht anerkennen könnte. Hintergrund sind unter anderem Äußerungen von ihm, mit denen er das elektronische Wahlsystem in Brasilien infrage gestellt hatte. Kritiker werfen ihm vor, mit aufrührerischen Äußerungen und Falschbehauptungen im Stil des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump die Polarisierung in Brasilien verstärkt zu haben.

Urteil gegen Lula aufgehoben

Für Lula ist es das sechste Rennen um die Präsidentschaft. Zweimal gewann er und regierte Brasilien von Anfang 2003 bis Ende 2010. Mit Sozialprogrammen holte Lula Millionen Menschen aus der Armut. Auch wirtschaftlich boomte Brasilien während seiner Amtszeit. Allerdings verbreitete sich in der größten Volkswirtschaft der Region auch die Korruption weiter.

2018 wurde Lula selbst wegen Korruption und Geldwäsche zu einer Haftstrafe verurteilt. Der populäre Politiker konnte deshalb 2018 nicht an der Präsidentenwahl teilnehmen, die Bolsonaro gewann. Im vergangenen Jahr hob der Oberste Gerichtshof das Urteil auf. Lula erhielt seine politischen Rechte zurück - und kehrte bald darauf auch auf die politische Bühne zurück.

Neunte Partei, der Bolsonaro angehört

Bolsonaro hofft auf Rückenwind, nachdem der Kongress der Regierung im Wahljahr mehr Sozialausgaben gestattet hat. 2018 hatte Bolsonaro im Wahlkampf erfolgreich darauf gesetzt, sich als Außenseiter auf einem Kreuzzug für Recht, Ordnung und konservative Werte darzustellen.

Um diesmal bei der Wahl überhaupt antreten zu können, war Bolsonaro im November der Liberalen Partei beigetreten, nachdem er erfolglos versucht hatte, eine eigene Partei zu gründen. Es ist die neunte Partei, der Bolsonaros in seiner Karriere als Politiker seit 1988 angehört. Ein Kandidat für das Präsidentenamt darf im größten Land in Lateinamerika nicht ohne Partei antreten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Juli 2022 um 23:00 Uhr.