US-Präsident Biden gedenkt in Tulsa dem Massaker an Schwarzen vor 100 Jahren. | AFP

Gedenken an Massaker von Tulsa USA sollen "dunkle Seiten" aufarbeiten

Stand: 02.06.2021 04:59 Uhr

Als erster US-Präsident erinnert Joe Biden in Tulsa an das rassistische Massaker an Schwarzen in der Stadt im Jahr 1921. Bei seiner Ansprache warnt er auch vor aktuellen Bedrohungen für die amerikanische Demokratie. Die größte komme von rechts.

US-Präsident Joe Biden hat die Amerikaner 100 Jahre nach einem Massaker an Schwarzen in der Stadt Tulsa zur Auseinandersetzung mit dem Rassismus in der Geschichte ihres Landes aufgerufen. "Das ist es, was große Nationen tun. Sie arbeiten ihre dunklen Seiten auf", sagte Biden bei einem Besuch in Tulsa im Bundesstaat Oklahoma.

Rassistischer Hass habe die Gesetze und die Kultur in den USA mitgeprägt. "Wir tun uns keinen Gefallen, wenn wir so tun, als wäre das alles nie passiert und als hätte das keine Auswirkungen auf uns heute." Biden betonte, nach Einschätzung der amerikanischen Geheimdienste gehe die größte Gefahr für die USA von rechtsextremistischem Terrorismus aus.

Biden war in Tulsa mit den letzten drei noch lebenden Zeitzeugen des Massakers vom 1. Juni 1921 zusammengekommen, die heute nach Angaben des Weißen Hauses zwischen 101 und 107 Jahre alt sind. Damals hatte ein weißer Mob das Viertel Greenwood angegriffen und nach Schätzungen rund 300 Schwarze getötet. Zudem plünderten sie das Viertel und brannten mehr als 1200 Häuser nieder, außerdem Kirchen, Schulen und Geschäfte. Ausgangspunkt der Gewalt waren Vorwürfe gegen einen Schwarzen, er habe sich an einer weißen Frau vergangen.

"Das schlimmste Massaker unserer Geschichte"

Biden bemängelte, der rassistische Angriff in Tulsa sei viel zu lange "in Dunkelheit gehüllt" und verschwiegen worden. "Meine amerikanischen Mitbürger, das war kein Aufstand. Das war ein Massaker. Eines der schlimmsten in unserer Geschichte", sagte er. "Dunkelheit kann zwar viel verbergen, aber nichts auslöschen."

Nach dem Massaker habe es das klare Bestreben gegeben, es aus dem kollektiven Gedächtnis zu löschen. "Lange Zeit wurde es in den Schulen in Tulsa nicht einmal unterrichtet, geschweige denn in Schulen andernorts", so der US-Präsident.

Biden sagte, er sei der erste Präsident, der Tulsa besucht habe, um des rassistischen Angriffs vor 100 Jahren zu gedenken. "Ich bin hierher gekommen, um dazu beizutragen, das Schweigen zu brechen, denn das Schweigen vertieft die Wunden." An die Opfer erinnerte der Präsident mit einer Schweigeminute, an deren Ende er sich bekreuzigte.

Bidens Regierung kündigt Maßnahmenpaket an

Greenwood war trotz der damals in den USA noch gesetzlich verankerten Diskriminierung Schwarzer ein Ort gewesen, an dem eine sehr erfolgreiche schwarze Gemeinschaft gewachsen war. Das Viertel wurde daher häufig als "Schwarze Wall Street" bezeichnet. Heute besteht in Tulsa ein deutliches Ungleichgewicht zwischen dem überwiegend von Schwarzen bewohnten nördlichen und dem von Weißen bewohnten südlichen Teil der Stadt.

Biden kündigte Maßnahmen an, um die Wohlstandslücke zwischen Weißen und ethnischen Minderheiten in den USA zu verkleinern. Seine Regierung teilte mit, unter anderem solle der Kampf gegen Diskriminierung auf dem Immobilienmarkt verstärkt werden. Die Bundesregierung werde außerdem die Auftragsvergabe an kleine Unternehmen, die im Besitz von Angehörigen von Minderheiten sind, um 50 Prozent erhöhen.

Überlebende fordern Anerkennung

Das Massaker von Tulsa wurde 2001 von einer Kommission untersucht, die zu dem Schluss kam, dass viele der weißen Angreifer von der Polizei mit Waffen ausgestattet und beauftragt worden waren, die Polizisten zu unterstützen - und so die Gewalt anheizten. Der Bürgermeister von Tulsa hatte diese Woche für das Versagen der Stadtverwaltung, die Menschen zu beschützen, um Verzeihung gebeten.

Im April hatten einige der letzten Überlebenden des Verbrechens vor dem US-Kongress gesprochen und Anerkennung für das erlittene Leid gefordert. Die Kommission hatte 2001 empfohlen, den Bewohnern von Greenwood eine Entschädigung zu zahlen. Bislang ist dies jedoch nicht geschehen, und auch Biden sprach das Thema in seiner Rede nicht an.

In den USA ist die Rassismus-Debatte in den vergangenen Jahren neu entbrannt. Auslöser war die Tötung des Afroamerikaners George Floyd durch einen weißen Polizisten in Minneapolis. In der Folge kam es zu landesweiten heftigen Anti-Rassismus-Protesten. Biden hatte den Kampf gegen Rassismus zu einem der zentralen Ziele seiner Präsidentschaft erklärt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Juni 2021 um 06:12 Uhr.

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KOMMENTARE

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Sisyphos3 02.06.2021 • 11:10 Uhr

10:41 von fathaland slim

warum drehen sie mir meine Worte im Mund herum ich äußere mich klar und deutlich über zum beispiel Islam, Mohamed oder seinen Jungfrauen das mache ich hierzulande das würde ich aus 'Gründen der Höflichkeit nicht außerhalb meines Landes machen und wenn sich einer glaubt hierzulande über unsere Politik auszulassen ist das vielleicht teilweise gedeckt dass Kritik zu unserer Lebensart gehört ansonsten hat er sich an unsere Gepflogenheiten bezüglich Höflichkeit zu halten