Der französische Präsident Emmanuel Macron und US-Präsident Joe Biden in der französischen Botschaft im Vatikan in Rom.  | AFP

Treffen in Rom Biden und Macron entschärfen U-Boot-Streit

Stand: 29.10.2021 20:38 Uhr

Die NATO-Partner USA und Frankreich wollen ihren jüngsten Streit über U-Boote beilegen. US-Präsident Biden räumte beim Treffen mit Staatschef Macron "ungeschicktes" Vorgehen ein. Beide Atommächte wollen künftig noch enger zusammenarbeiten.

Es war keine Entschuldigung - aber fast. US-Präsident Joe Biden hat im U-Boot-Streit mit Frankreich versöhnlich Töne angeschlagen. Er räumte bei einem Treffen mit Präsident Emmanuel Macron in Rom ein, die USA hätten sich in der Affäre unbeholfen verhalten. "Das wurde nicht sehr galant gemacht", sagte er

Die Art und Weise, wie ein neues Sicherheitsbündnis mit Australien eingefädelt worden sei, sei "ungeschickt" gewesen. Er habe damals den Eindruck gehabt, dass Paris schon lange vor der Ankündigung des Paktes informiert worden sei, sagte Biden. Frankreich sei aber ein "extrem, extrem geschätzter Partner", betonte der US-Präsident in der Villa Bonaparte. Das Land teile die "gleichen Werte" wie die USA. 

"In die Zukunft blicken"

Macron schien ebenfalls sehr bemüht, den Streit nun hinter sich zu lassen. Man müsse ganz sicherstellen, dass sich solch eine diplomatische Verstimmung nicht wiederholt, sagte er. "Wir haben geklärt, was wir klären mussten. Jetzt geht es darum, in die Zukunft zu blicken“. Die Zusammenarbeit müsse stärker werden.

Europa sei auch bereit, bei der Sicherheit des Indopazifiks mit den USA zu kooperieren. Der französische Präsident erklärte, er habe mit Biden über die Strategie der Europäer in dieser Region gesprochen.

56-Milliarden-Deal geplatzt

Der U-Boot-Streit hatte die Beziehungen der historischen Verbündeten schwer belastet. Die USA, Großbritannien und Australien hatten Mitte September ein Indopazifik-Bündnis namens AUKUS angekündigt. Australien soll in diesem Rahmen Zugang zur US-Technik für Bau und Betrieb von Atom-U-Booten erhalten. Die australische Regierung ließ daraufhin ein U-Boot-Geschäft mit Frankreich platzen. Die Franzosen wollten eigentlich für 56 Milliarden Euro U-Boote mit Dieselantrieb liefern.

Das führte in Paris zu wütenden Reaktionen und näherte Zweifel an der Verlässlichkeit der transatlantischen Partnerschaft. Paris zog zwischenzeitlich seine Botschafter aus Washington und Canberra ab. Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian warf den Verbündeten vor, Paris "in den Rücken gefallen" zu sein. In dem Streit stellten sich auch die EU-Spitzen und Deutschland hinter Frankreich.

Erste Telefonate

Die USA versuchten umgehend, die Wogen zu glätten. Biden und Macron telefonierten in den vergangenen Wochen zwei Mal. Bei ihrem ersten Telefonat vereinbarten sie unter anderem "vertiefte Konsultationen" und für Ende Oktober ein Treffen in Europa. Dieses fand nun vor Beginn des G20-Gipfels in Rom statt. 

Macron und Biden werden in Rom noch ein weiteres Mal aufeinandertreffen. Am Samstag wollen beide Staatsmänner mit Deutschland und Großbritannien über eine Wiederaufnahme der Atomverhandlungen mit dem Iran beraten.

Mit Informationen von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington, zzt. Rom

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Oktober 2021 um 20:00 Uhr.