US-Präsident Biden spricht im Weißen Haus. | AP

Biden zur Corona-Pandemie "Die Geduld geht uns aus"

Stand: 10.09.2021 01:59 Uhr

Angesichts vieler Corona-Infektionen hat die US-Regierung neue Maßnahmen erlassen. Präsident Biden forderte in sehr klaren Worten schnelle Fortschritte in der Impfkampagne. Für Staatsbedienstete gilt eine Impfpflicht.

"Viele von uns sind frustriert angesichts der fast 80 Millionen Amerikaner, die immer noch nicht geimpft sind, obwohl Impfungen sicher, wirksam und kostenlos sind", sagte US-Präsident Joe Biden und will damit offenbar den Druck auf die Ungeimpften im Land erhöhen. "Wir sind geduldig gewesen, aber die Geduld geht uns aus", betonte er am Abend im Weißen Haus.

"Lassen Sie sich impfen", forderte Biden. "Eine bestimmte Minderheit von Amerikanern, die von einer bestimmten Minderheit von gewählten Volksvertretern unterstützt wird, verhindert, dass wir über den Berg kommen", so Biden.

Nur rund 53 Prozent vollständig geimpft

Die Impfkampagne in den USA macht trotz vieler Anreize kaum noch Fortschritte. Bislang sind 53,4 Prozent der ungefähr 330 Millionen Menschen im Land vollständig gegen das Coronavirus geimpft. Etwa 63 Prozent haben die erste Spritze bekommen. Die Corona-Impfungen sind für Jugendliche ab zwölf Jahren und Erwachsene freigegeben. In der Bevölkerungsgruppe ab zwölf Jahren sind 62,5 Prozent voll geimpft.

Impfpflicht für Staatsbedienstete

Biden stellte im Weißen Haus eine "Sechs-Punkte-Strategie" gegen die Corona-Pandemie vor. Diese beinhaltet verschärfte Impfvorgaben für Bundesangestellte. Fortan gilt eine Impfpflicht für alle Mitarbeiter von Bundesbehörden sowie für Mitarbeiter von Auftragnehmern der Regierung.

Ausnahmen für die Impfpflicht gibt es nur aus religiösen und medizinischen Gründen, erklärte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki.

Außerdem werden Unternehmen mit mehr als 100 Angestellten sicherstellen müssen, dass ihre Mitarbeiter geimpft sind oder ein Mal pro Woche getestet werden. Die Vorgabe soll über eine Notverordnung des Arbeitsministeriums eingeführt werden, wie Biden sagte. "Wir werden geimpfte Arbeiter vor ungeimpften Kollegen schützen." Die neuen Regelungen gelten laut Biden für etwa 100 Millionen Menschen.

Höhere Strafen für Maskenverstöße

Zudem verdoppelt die US-Regierung die Bußgelder für Maskenverweigerer an Flughäfen, Bahnhöfen sowie beim Reisen in Flugzeugen, Zügen und Bussen. Ein erstmaliger Verstoß gegen die Maskenpflicht kann ab Freitag mit einem Bußgeld von 500 bis 1000 Dollar (420 bis 840 Euro) geahndet werden, wie das Heimatschutzministerium mitteilte. Wiederholungstäter müssten nun mit Bußgeldern von 1000 bis 3000 Dollar rechnen.

Die Regel gilt demnach vor allem für Reisen zwischen Bundesstaaten, die unter die Aufsicht der Transportsicherheitsbehörde (TSA) fallen. Die TSA hatte die Vorschrift zur Maskenpflicht im Reiseverkehr jüngst bis Mitte Januar kommenden Jahres verlängert.

Verschlechterung vor allem im Süden

Künftig sollen alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Krankenhäusern und Einrichtungen des Gesundheitswesens, die Zahlungen der staatlichen Krankenversicherungen annehmen, gegen Corona geimpft sein müssen.

Die USA haben in den vergangenen Wochen einen dramatischer Anstieg der Infektionszahlen erlebt, der vor allem auf die Ausbreitung der Delta-Variante zurückgeht. Die Gesundheitsbehörde CDC meldete im Wochendurchschnitt pro Tag fast 140.000 Neuinfektionen und ungefähr 1100 Todesfälle.

Stark betroffen sind von Republikanern regierte Bundesstaaten im Süden der USA wie Florida, Texas und Mississippi, wo Krankenhäuser wieder zunehmend überlastet sind.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 10. September 2021 um 09:00 Uhr.