Joe Biden | REUTERS

US-Präsident in Ostasien Bidens China-Strategie

Stand: 20.05.2022 12:37 Uhr

Die US-Regierung verliert ihren Hauptkonkurrenten China nicht aus den Augen. US-Präsident Biden will auf seiner ersten Reise nach Ostasien eine indo-pazifische Strategie entwickeln. 

Von Claudia Sarre, ARD-Studio Washington

US-Präsident Joe Biden lässt sich nicht ablenken. Bei aller militärischer Unterstützung für die Ukraine im Krieg gegen Russland behält er China - den großen Rivalen der USA - fest im Blick.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

"China ist nicht der einzige, aber es ist der größte Wettbewerber, den wir haben. Und wenn wir nicht das Tempo erhöhen, dann sind wir raus", so Biden vor einigen Tagen bei einem Fabrikbesuch in Ohio.

Wirtschaftlich unabhängiger werden

Genau darin besteht ein Teil der Strategie der US-Regierung: Chinas wirtschaftlichen Einfluss in der Welt zu begrenzen, etwa durch Bidens "Build back better"-Agenda.

Die USA müssten wirtschaftlich unabhängiger werden, so Politikwissenschaftler Andrew Yeo vom Brookings Institut in Washington: "Wir verlassen uns auf China bei der Produktion von bestimmten Gütern. Falls China irgendwann mal verstimmt wäre, könnten sie die Lieferungen einschränken, sie könnten Boykotte durchsetzen - wie sie es schon mal gemacht haben. Wir wollen uns vor diesen Schwachstellen schützen."

Chinas militärische Dominanz

Tatsächlich drängen chinesische Unternehmen seit Jahren immer aggressiver auf den US-Markt. Doch noch mehr Sorge bereitet den Amerikanern die militärische Dominanz Chinas. "Für unser Ministerium ist China immer noch die Herausforderung Nummer 1. Auch, dass sie immer wieder ihre Nachbarn einschüchtern und tyrannisieren", so Pentagon-Sprecher John Kirby diese Woche.

"China ist viel selbstbewusster geworden, sie sind viel aggressiver zum Beispiel im Südchinesischen Meer", sagt auch Yeo. Tatsächlich dringen chinesische Kampfflugzeuge immer wieder in Taiwans Luftverteidigungszone ein.

Bündnis im indo-pazifischen Raum

Um Peking in die Schranken zu weisen, setzt Präsident Biden auf Verbündete. Die sogenannten QUAD-Staaten - die USA, Indien, Australien und Japan - sind ein Bündnis, das im indo-pazifischen Raum kooperiert.

"Auf der einen Seite versuchen die USA, Verbündete zu mobilisieren, um China davon abzuhalten, andere Länder einzuschüchtern", erklärt Politologe Yeo. "Auf der anderen Seite halten sie an ihrer eigenen Linie fest."

Partnerschaft mit Taiwan

Würde es zu einer chinesischen Aggression kommen, stünden die USA fest an der Seite Taiwans. Das hat Biden bereits vor einem Jahr deutlich gemacht. Ob es womöglich bald zu einer Invasion Taiwans kommt - darüber seien sich politische Beobachter uneinig, sagt Yeo.

"Wenn Xi Jinping auf Russland guckt, denkt er vielleicht zweimal nach, ob er in Taiwan einmarschieren soll. Und Taiwan hat eine Partnerschaft mit den USA und anderen Ländern", so Yeo.

Bleibt die politische Strategie der US-Regierung in Sachen China: Bidens erklärtes Ziel ist es, Autokratien wie China zu schwächen und Demokratie zu Hause und im Ausland zu stärken.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. März 2022 um 20:00 Uhr.