US-Präsident Joe Biden | AP

Afghanistan Biden ruft Taliban zur Kooperation auf

Stand: 24.08.2021 23:40 Uhr

US-Präsident Biden hält weiterhin am 31. August als Termin für das Ende der Rettungsmission fest - trotz Bitten der G7, den Einsatz zu verlängern. Er rief die Taliban auf, den Menschen vor Ort weiterhin den Zugang zum Flughafen zu ermöglichen.

US-Präsident Joe Biden will die Evakuierungen von amerikanischen Staatsbürgern und Ortskräften aus Afghanistan bis zum 31. August abschließen und keine Verlängerung der Frist anstreben. "Der Präsident hat übermittelt, dass unsere Mission in Kabul basierend auf dem Erreichen unserer Ziele enden wird", teilte das Weiße Haus mit Blick auf einen Gipfel der G7-Länder mit.

USA arbeiten an Notfallplänen

Bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus teilte Biden mit, der Abschluss des Einsatzes hänge aber auch von der Kooperation der radikalislamischen Taliban ab. Seine Sprecherin Jen Psaki hatte zuvor gesagt, die Taliban müssten den fortgesetzten Zugang für zu Evakuierende zum Flughafen sicherstellen.

Biden teilte mit, er habe das Pentagon und das Außenministerium beauftragt, Notfallpläne zu erstellen, um den Zeitplan anzupassen, sollte dies notwendig werden.

Biden sagte auch, das Risiko für einen Anschlag durch den Islamischen Staat oder andere Terrorgruppen nehme zu, je länger US-Soldaten am Flughafen blieben.

Warnung vor islamistischen Anschlägen

Die Frist für den Abschluss des Abzugs der US-Soldaten vom Hindukusch hatte Biden lange vor der am 15. August erfolgten Machtübernahme der Taliban festgelegt. Bei einem Treffen der G7 hatte es Unmut wegen der Frist gegeben.

Es wurde als enttäuschend aufgefasst, dass Biden nicht dazu gebracht werden konnte, den Evakuierungseinsatz am Flughafen von Kabul zu verlängern. Die EU sei weiterhin besorgt, dass europäische Staatsbürger und Afghanen, die mit ihnen zusammengearbeitet hätten, nicht sicher zum Flughafen gelangen könnten, sagte EU-Ratspräsident Charles Michel, der an dem Gipfel der G7 teilnahm.

Das Treffen der Staats- und Regierungschefs von Großbritannien, Kanada, Frankreich, Deutschland, Italien, Japan und den USA fand virtuell statt. Die G7-Länder einigten sich auf die Bedingungen dafür, eine künftige Taliban-Regierung in Afghanistan anzuerkennen. "Die Legitimität jeder zukünftigen Regierung hängt vom Ansatz ab, den sie jetzt ergreift, um ihre internationalen Verpflichtungen und Zusagen aufrechtzuerhalten, für ein stabiles Afghanistan zu sorgen", teilten sie in einer Stellungnahme mit.

Die USA hätten bei Afghanistan die leitende Funktion, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel nach dem Gipfel. Ohne das Land könnten andere Länder nicht mit den Evakuierungen weiter machen, sagte sie. Der britische Premierminister Boris Johnson hatte sich dafür eingesetzt, die Frist zu verlängern. "Aber Sie haben gehört, was der Präsident der Vereinigten Staaten zu sagen hatte, Sie haben gehört, was die Taliban gesagt haben", sagte Johnson.

Die G7-Staaten beschlossen bei ihren Beratungen auch, ihre Afghanistan-Politik mit anderen Staaten abzustimmen. Deshalb solle auch mit den G20 zusammengearbeitet werden. In dieser Staatengruppe sind auch Russland und China Mitglieder. Der italienische Ministerpräsident Mario Draghi forderte auch eine gemeinsame Immigrationspolitik Europas für Menschen aus Afghanistan.

Taliban wollen Abzug bis 31. August

Vor Bekanntwerden von Bidens Entscheidung hatten die Taliban erneut betont, eine Fortführung der Evakuierungsflüge über den 31. August hinaus nicht zu dulden. Das Leben in Afghanistan kehre zur Normalität zurück, doch sei Chaos am Flughafen in Kabul ein anhaltendes Problem, sagte der Sprecher der militant-islamistischen Gruppe, Sabihullah Mudschahid.

Daher würden die Taliban "keine Verlängerungen" der Frist für den Abschluss der Evakuierungen akzeptieren. Vor allem Afghanen, die für die NATO gearbeitet hatten oder die frühere Regierung unterstützten, fürchten die Rache der Taliban.

In Kabul und vielen anderen Regionen Afghanistans warten Tausende ehemalige Ortskräfte auf eine sichere Ausreise. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass alle das Land verlassen können.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. August um 02:55 Uhr sowie Deutschlandfunk am 24. August 2021 um 19:00 Uhr.