Einer Tüte mit der Aufschrift "Sorry out of service" ist über einen Zapfhahn an einer Tankstelle in Atlanta (Georgia, USA) gezogen.

US-Pipeline Benzin-Engpässe nach Hackerangriff

Stand: 13.05.2021 17:45 Uhr

Viele Tankstellen im Osten der USA haben kein Benzin mehr, an anderen bilden sich lange Schlangen. Wer noch Benzin bekommt, tankt - auch in Plastiktüten. Hintergrund ist die Hacker-Sabotage einer wichtigen Pipeline.

Nach dem Cyberangriff auf die größte Benzin-Pipeline in den USA gibt es Versorgungsengpässe. Tausende Tankstellen im Osten des Landes haben kein Benzin mehr, an funktionierenden Zapfsäulen bildeten sich lange Schlangen.

In einigen Gebieten ging nach Angaben der spezialisierten Website GasBuddy in 70 Prozent der Tankstellen das Benzin aus. In Virginia seien 53 Prozent der Tankstellen betroffen, in South Carolina und in Georgia sei es jeweils knapp jede zweite. Auch in der Region um Washington berichteten Autofahrer von langen Schlangen an den Zapfsäulen.

Die Benzinpreise sind auf den höchsten Stand seit dem Jahr 2014 angestiegen. Rund ein Dutzend Bundesstaaten haben den Notstand ausgerufen - was viele Autofahrer zu Hamsterkäufen zu veranlassen scheint.

Pipeline läuft wieder - Normalversorgung dauert aber

Der Pipeline-Betreiber war vergangene Woche Ziel eines Angriffs mit einem Erpressungstrojaner geworden. Die vom Volumen her größte Pipeline der USA, die von Houston bis in den Großraum New York führt, wurde deswegen vorübergehend stillgelegt.

Inzwischen nahm die Colonial Pipeline den Betrieb wieder auf. Der Betreiber warnte jedoch, es werde "mehrere Tage" dauern, bis die Kraftstoffversorgung wieder normal sei.

Autos stehen vor einer Tankstelle in Charlotte (North Carolina, USA) in einer Schlange.

Dort, wo es geht, wird getankt: An vielen Tankstellen im Osten der USA gibt es lange Schlangen.

Minister Buttigieg: "Hamstern macht es nicht besser"

Die Behörden warnten Autofahrer sogar davor, Benzin in Mülltüten zu füllen, nachdem entsprechende Bilder auf Online-Plattformen zirkulierten. Verkehrsminister Pete Buttigieg sagte angesichts der Hamsterkäufe, Treibstoff dürfe nur direkt in den Tank oder in zugelassene Behälter gefüllt werden. "Jetzt ist der Moment, vorsichtig und vernünftig zu sein." Die Verbraucherschutzbehörde CPSC warnte vor potenziell "tödlichen Konsequenzen": "Füllen Sie keine Plastiktüten mit Benzin. Wir wissen, das klingt einfach, aber wenn Menschen verzweifelt sind, denken sie nicht mehr klar."

Buttigieg rief die Bevölkerung grundsätzlich zur Ruhe auf. Die Regierung verstehe zwar die Sorgen der Menschen. "Aber Hamstern macht es nicht besser."

Hintergründe des Hackerangriffs unklar

Viele Hintergründe des Cyberangriffs sind unklar. So ist etwa unbekannt, wie viel Geld die Hackergruppe DarkSide, die als verantwortlich für die Attacke gilt, von Colonial erpressen wollte.

Das Unternehmen hielt sich bislang auch bedeckt dazu, ob überhaupt Geld gezahlt wurde. Die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet allerdings, Colonial habe den Hackern wenige Stunden nach dem Angriff fünf Millionen US-Dollar in einer nicht zurückverfolgbaren Kryptowährung gezahlt.

Eine stellvertretende Nationale Sicherheitsberaterin hatte am Montag im Weißen Haus erklärt, die Regierung habe dazu auch keine Informationen. Momentan sei von einem "kriminellen Akt" auszugehen. Es würden aber alle Hinweise geprüft, auch mit Blick auf eine mögliche Verwicklung staatlicher Akteure.

Biden will besseren Schutz vor Hackerangriffen

Als Reaktion auf die jüngsten Cyberangriffe will die US-Regierung den Schutz vor Hackern verbessern. US-Präsident Joe Biden unterzeichnete am Mittwoch eine entsprechende Verfügung. Damit sollten unter anderem IT-Dienstleister verpflichtet werden, Informationen über ein Eindringen in ihre Netzwerke mit den Behörden zu teilen. Standards für stärkere Cyber-Schutzmaßnahmen in der Bundesregierung sollten modernisiert werden.

Auch bei der Entwicklung von Software für die Bundesregierung sollen künftig höhere Sicherheitsmaßstäbe gelten, wie das Weiße Haus weiter mitteilte. Für die Reaktion der Behörden auf Cyberangriffe soll ein Drehbuch entworfen werden. Die Verfügung sieht auch die Einrichtung eines Gremiums mit Vertretern der Regierung und der Privatwirtschaft vor, das nach Cyberangriffen konkrete Empfehlungen zur Verbesserung der Sicherheitsmaßnahmen geben kann.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. Mai 2021 um 11:00 Uhr.