Der mutmaßliche Angreifer bei seiner Anhörung vor Gericht

Nach Angriff auf Autor Rushdie auf dem Weg der Besserung

Stand: 14.08.2022 11:11 Uhr

Nach der Messerattacke auf den Autor Rushdie hat sich dessen Gesundheitszustand verbessert. Das Motiv des Angreifers ist weiter unklar. Vor Gericht bekannte er sich als nicht schuldig.

Der bei einem Angriff schwer verletzte Autor Salman Rushdie ist nach Angaben seines Agenten Andre Wylie nicht mehr an ein Beatmungsgerät angeschlossen und spricht wieder. Rushdie war am Freitag bei einer Veranstaltung in Chautauqua im Westen New Yorks attackiert worden.

Wenige Minute zuvor hatte er die Bühne betreten, um über verfolgte Künstler zu sprechen. Wylie hatte angegeben, der 75-jährige Rushdie sei an der Leber und an Nerven in einem Arm verletzt worden. Zudem werde er ein verletztes Auge wahrscheinlich verlieren.

Rushdie wird seit Jahrzehnten von religiösen Fanatikern verfolgt. Wegen seines Werks "Die satanischen Verse" aus dem Jahr 1988 hatte der damalige iranische Revolutionsführer Ajatollah Chomeini zur Tötung des Autors aufgefordert. Er warf Rushdie vor, in seinem Roman den Islam, den Propheten und den Koran beleidigt zu haben. In dem Buch kommt unter anderem eine Figur vor, die dem Propheten Mohammed ähnelt.

Die Kritik lautet, dass Rushdie den göttlichen Ursprung des Koran infrage stellte. Auf das Todesurteil folgten damals eine dramatische Flucht Rushdies und jahrelanges Verstecken. Seit mehr als 20 Jahren lebt er nun in New York.

Angreifer bekennt sich nicht schuldig

Gegen den Angreifer wird wegen versuchten Mordes zweiten Grades und Körperverletzung zweiten Grades ermittelt. Der 24 Jahre alte mutmaßliche Täter sitzt laut Polizeiangaben in Untersuchungshaft, ohne dass derzeit eine Möglichkeit zur Freilassung gegen Kaution besteht. Zu einem Tatmotiv gab es weiter keine Angaben.

Mord zweiten Grades ist ein eigenständiger Tatbestand im US-Rechtssystem zum Tod eines Menschen. Er kann im Bundesstaat New York mit jahrelangen Haftstrafen belegt werden. Vor Gericht plädierte der Anwalt des Mannes in dessen Namen auf nicht schuldig.

Politiker verurteilen Tat

Außenministerin Annalena Baerbock verurteilte den Messerangriff auf Rushdie. Sie bange "wie Millionen Menschen auf der Welt" um das Leben Rushdies, schrieb sie auf Twitter. Wer den "Mordanschlag" auch noch rechtfertige, verbreite "nichts anderes als Hass und Extremismus". Zuvor hatten unter anderem mehrere Medien im Iran den Angriff auf Rushdie gefeiert. Wer an "ein friedliches Zusammenleben" glaube, müsse sich dem "klar und konsequent entgegenstellen", schrieb Baerbock weiter. 

Der EU-Außenbeauftragte Josep Borrell wünschte Rushdie eine schnelle Genesung. "Eine internationale Ablehnung solcher krimineller Handlungen, die Grundrechte und Freiheiten verletzen, ist der einzige Weg zu einer besseren und friedlicheren Welt", schrieb Borrell auf Twitter.

Der israelische Regierungschef Jair Lapid bezeichnete die Tat als "Attacke auf unsere Freiheiten und Werte". Der Vorfall sei "das Resultat von Jahrzehnten der Aufwiegelung, angeführt durch das extremistische Regime in Teheran", schrieb Lapid auf Twitter. Stellvertretend für die Menschen in Israel wünsche er dem Schriftsteller eine vollständige und schnelle Genesung.

Ehrenmitglied bei PEN in Deutschland

Der Schriftstellerverband PEN in Deutschland bekundete erneut seine Solidarität mit dem angegriffenen Autor. "Als Zeichen unserer Solidarität mit diesem mutigen Kämpfer für die Freiheit des Wortes ernennt das Präsidium des PEN-Zentrums Deutschland Salman Rushdie zum Ehrenmitglied", sagte Claudia Guderian, Generalsekretärin des PEN Deutschland.

Über dieses Thema berichtete am 14. August 2022 Inforadio um 06:00 Uhr und tagesschau24 um 09:00 Uhr.