AstraZeneca Impffläschchen in einem Impfzentrum in Thüringen | dpa

Rückschlag für AstraZeneca US-Experten zweifeln Studiendaten an

Stand: 23.03.2021 15:04 Uhr

Eine neue Studie bescheinigte dem Vakzin von AstraZeneca eine hohe Wirksamkeit bei alten Menschen. US-Experten melden aber Bedenken an: Die Firma könnte veraltete Daten genutzt haben. Chefvirologe Fauci kündigte eine unabhängige Studie an.

AstraZeneca droht im Zusammenhang mit seinem Covid-19-Impfstoff neues Ungemach. US-Experten ziehen die Aussagekraft von Daten in Zweifel, die das Unternehmen nutzte, um in einer neuen Studie die Wirksamkeit und Verträglichkeit seines Corona-Vakzins nachzuweisen.

Das vom US-Seuchenexperten Anthony Fauci geführte Nationale Institut für Allergien und Infektionskrankheiten (NIAID) erklärte, ein unabhängiges Kontrollgremium habe Bedenken geäußert. Die Experten seien darüber besorgt, dass durch das Einbeziehen von "veralteten Informationen" ein "unvollständiges Bild der Wirksamkeit vermittelt" worden sein könnte, teilte die Behörde mit.

Frühere Untersuchungen, die ebenfalls für eine gute Wirksamkeit des Präparats sprechen, zweifelte die NIAID in ihrem Statement nicht an. Der Impfstoff sei mit hoher Wahrscheinlichkeit sehr gut, sagte Fauci in einem Interview mit dem Sender ABC. Allerdings sei die Studie nicht präzise genug gewesen. Fauci kündigte an, dass die Arzneimittelbehörde FDA das Vakzin begutachten werde - unabhängig von AstraZeneca.

Firma muss neue Daten liefern

Die NIAID forderte den britisch-schwedische Pharmakonzern nun auf, mit dem Data and Safety Monitoring Board (DSMB) zusammenzuarbeiten, um die Wirksamkeitsdaten zu überprüfen und sicherzustellen, dass "die genauesten, aktuellsten Wirksamkeitsdaten so schnell wie möglich veröffentlicht werden".

Eigentlich wollte das Unternehmen so schnell wie möglich eine Notfallzulassung in den USA für seinen Impfstoff beantragen. Die Bedenken des NIAID stellen nun das Vorhaben in Frage.

Hersteller verteidigt sich

AstraZeneca rechtfertigte sich in einer Stellungnahme. Die am Montag gelieferten Daten umfassten Fälle bis zum 17. Februar, wie es den Richtlinien der Studie entspreche. Man prüfe weiterhin Fälle, die seitdem hinzugekommen seien. Eine vorläufige Analyse der Daten, die noch hereinkämen, passe aber zum bisherigen Bericht. Binnen 48 Stunden werde es eine Aktualisierung geben, versprach das Unternehmen.

Der Konzern hatte am Montag das Ergebnis einer Phase-III-Studie in den USA bekanntgegeben. So schütze das Vakzin zu 79 Prozent vor einer Corona-Infektion mit Symptomen und zu 100 Prozent vor einem schweren Krankheitsverlauf, der einen Krankenhausaufenthalt erforderlich macht. Der Impfstoff wirke in allen Altersgruppen.

Ein erhöhtes Thrombose-Risiko wurde bei den 21.583 Probanden, die mindestens eine Impfdosis erhielten, nicht festgestellt. Auch die konkrete Suche nach Blutgerinnseln im Gehirn, sogenannten Sinusthrombosen, habe keinen Treffer ergeben.

Massiver Einsatz in Großbritannien

Mehrere Länder, darunter auch Deutschland, hatten das Präparat zuletzt ausgesetzt, weil in wenigen Fällen nach der Impfung Thrombosen, also Blutgerinnsel, in Hirnvenen aufgetreten waren. In Deutschland kann das Mittel mittlerweile wieder gespritzt werden.

Der Impfstoff namens AZD1222 wurde von AstraZeneca zusammen mit der Universität Oxford entwickelt. Er wird seit Januar in Großbritannien in großem Stil eingesetzt.  

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 23. März 2021 um 10:00 Uhr.