Arbeiter bei der Cannabisernte | picture alliance / ASSOCIATED PR

Bundestagsabgeordnete in den USA Auf Cannabis-Reise in Kalifornien

Stand: 18.09.2022 09:58 Uhr

Cannabis soll in Deutschland legalisiert werden, doch noch gibt es viele Hürden. Mehrere Bundestagsabgeordnete wollen nun in Kalifornien lernen. Über einen amerikanischen Flickenteppich, Graswolken und "Edibles".

Von Nils Dampz, ARD-Studio Los Angeles

Der Frühstücksraum eines Hotels mitten in San Francisco. Es ist ein bisschen wie im Bundestag. Die drei Vertreterinnen von SPD, Grünen und FDP sitzen nebeneinander auf einer Couch. Das ist jetzt wohl eine Regierungs-Couch.

Nils Dampz

Die Stimmung ist gut. Interessant sei so eine Reise, aber auch stressig, sagt Grünen-Politikerin Kirsten Kappert-Gonther. "Dicht getaktet mit einer Vielzahl von Terminen". Allein an diesem Tag sind es sechs in drei Städten.

Kalifornien ist Flickenteppich

FDP-Frau Kristine Lütke hat einen Apfel in der Hand. Gestern wurde es so spät, es gab nur noch Chips zu essen. Das müsse jetzt ausgeglichen werden. Eine für sie wichtige Erkenntnis dieser Reise: "Wir werden uns wahrscheinlich für eine bundesweite Regelung entscheiden, damit wir einen guten Überblick haben."

In Kalifornien kann jede Stadt oder jeder Landkreis noch mal eigene Cannabis-Regeln machen. Das ist ein wahrer Flickenteppich. "So eine Delegationsreise ist gut, um zu checken, ob die Dinge, die wir gedacht haben, auch so angemessen sind und sich mit dem Erfahrungen vor Ort decken", sagt Kappert-Gonther. Überwiegend sei das der Fall.

Absage an "Edibles"

Ihr sind vor allem die sogenannten Edibles aufgefallen. Deren Verpackung sei anpreisend, sagt sie. "Edibles", das ist sozusagen Cannabis zum Essen. Es gibt sie zum Beispiel in Form von Butter, Honig oder Karamell-Bonbon. "Wir werden vermutlich keine bunten Verpackungen für 'Edibles' zulassen und auch kein Cannabis in Gummibärchenform", stellt Kappert-Gonther klar.

SPD-Frau Heike Engelhardt erzählt davon, wie es ist, wenn die Stadt immer wieder nach Gras riecht. "Das passiert uns an jeder Ecke", sagte sie. In San Francisco läuft man alle paar Minuten durch eine Graswolke, das passiere zum Beispiel in Stuttgart deutlich seltener.

Legaler Anbau lohnt sich kaum

Gegenüber der Regierungs-Couch sitzt die Opposition. Auf einem Hocker jeweils ein Vertreter von Linkspartei, AfD und CDU. Da ein Wettbewerb zwischen legalen und illegalen Markt bestehe, habe sich die Qualität der Ware auf dem Schwarzmarkt verbessert und damit auch der Gesundheitsschutz, lautet die Erkenntnis von CDU-Mann Erwin Rüddel.

Aber auch wichtig: Der illegale Markt, zumindest in Kalifornien, ist riesig. Ein Überangebot drückt die Preise auf dem Schwarzmarkt, weshalb sich legaler Anbau kaum lohnt. In manchen Teilen Kaliforniens gebe es zehnmal größere, illegale Anbauflächen als legale. Das hatte die "L.A.Times" mithilfe von Satellitenbildern recherchiert.

Entkriminalisierung zu Jahresanfang?

"Es gibt keinerlei Bestrebungen, das Rad wieder zurückzudrehen", meint der Vertreter der AfD, Jörg Schneider. Ates Gürpinar von den Linken eröffnet die Tipprunde. "Die Entkriminalisierung kommt Anfang nächsten Jahres und die Legalisierung im Laufe des Jahres", meint er. Da geht die Ampel-Couch mit. Der CDU-Abgeordnete Rüddel glaubt hingegen nicht, dass dieser Schritt noch in dieser Legislaturperiode auf den Weg gebracht wird.

Bleibt noch eine letzte Frage offen: Wer hat hier am Tisch noch nie gekifft? Vor dem Mikrofon will sich niemand direkt äußern.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 18. September 2022 um 09:04 Uhr.