Israels Ministerpräsident Naftali Bennett (links) neben dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi. | EPA

Erstmals seit zehn Jahren Israels Regierungschef besucht Ägypten

Stand: 13.09.2021 19:36 Uhr

Als erster israelischer Regierungschef seit 2011 hat Naftali Bennett Ägypten besucht. Beim Treffen mit Präsident al-Sisi ging um die Wiederbelebung des Friedensprozesses mit den Palästinensern.

Von Jürgen Stryjak, ARD-Studio Kairo

Am Nachmittag ist Naftali Bennett im ägyptischen Badeort Scharm El-Scheich am Roten Meer eingetroffen. Es war das erste Mal seit mehr als zehn Jahren, dass ein israelischer Ministerpräsident offiziell Ägypten besuchte. Bei den Gesprächen zwischen Bennett und dem ägyptischen Präsidenten Abdel Fattah al-Sisi soll es vor allem um die Wiederbelebung des Friedensprozesses zwischen Israel und Palästinensern gegangen sein.

Jürgen Stryjak ARD-Studio Kairo

Ägypten als Vermittler zwischen Israel und der Hamas

Ägypten hatte im Mai eine Waffenruhe zwischen Israel und der islamistischen Hamas vermittelt, die den Gazastreifen kontrolliert. Diese Waffenruhe beendete die militärischen Angriffe beider Seiten, die elf Tage lang gedauert hatten. Sie hielt allerdings nicht. Militante Palästinenser aus dem Gazastreifen starteten in den vergangenen Wochen Brandballons, die Buschfeuer auf israelischem Territorium verursachten, und feuerten zuletzt mehrere Tage lang Raketen auf Israel ab. Das israelische Militär beschoss Ziele im Gazastreifen.

Medienberichten zufolge will die ägyptische Regierung auch bei indirekten Verhandlungen zwischen Israel und der Hamas über einen Gefangenenaustausch vermitteln.

Al-Sisi hatte Bennett im August eingeladen. Bei den Gesprächen in Scharm El-Scheich soll es auch um den Einfluss des Iran in der Region gegangen sein und um die Krise im Libanon.

Zusammenarbeit bei Sicherheit und Wirtschaft

Die Beziehungen zwischen Israel und Ägypten sind auf pragmatischer Ebene eng - vor allem bei den Themen Sicherheit und Wirtschaft. Das israelische Militär griff in den vergangenen Jahren Stellungen von IS-Terroristen im Nordsinai an, auf ägyptischem Gebiet, mit dem Einverständnis Kairos. Dabei kamen Kampfjets, Hubschrauber und Drohnen zum Einsatz.

Außerdem gewährte Israel Ägypten größere Freiheiten bei der Bekämpfung von Terroristen auf der Sinai-Halbinsel. Verträge schränken dort den Handlungsspielraum des ägyptischen Militärs eigentlich ein.

Entsprechend eines Vertrages, der eine Laufzeit von 15 Jahren hat, begann Ägypten im Januar 2020 mit dem Import von israelischem Erdgas.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. September 2021 um 20:00 Uhr.