Paul Rusesabagina (M),  auf dem Weg zum Gericht in Kigali, begleitet von zwei Gefängniswärtern (Archivbild 2020). | AFP

Vorwurf des Terrorismus 25 Jahre Haft für "Hotel Ruanda"-Helden

Stand: 20.09.2021 16:51 Uhr

In Ruanda ist der Regierungskritiker und Held des international beachteten Films "Hotel Ruanda", Rusesabagina, wegen Terrorvorwürfen zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Seine Anhänger hatten den Prozess als politisch motiviert angeprangert.

Der als "Hotel Ruanda"-Held bekannte ruandische Regierungskritiker Paul Rusesabagina ist zu einer Gefängnisstrafe in Höhe von 25 Jahren verurteilt worden. Der 67-Jährige habe unter anderem finanzielle Unterstützung für terroristische Aktivitäten geboten, erklärte die Strafkammer für internationale Verbrechen am Obersten Gericht in Kigali in einer online übertragenen Urteilsverkündung. Menschenrechtler zweifelten an der Fairness des Prozesses, der im Februar begonnen hatte.

Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Rusesabagina Unterstützung an eine bewaffnete Gruppe gegeben hat, die 2018 und 2019 in Ruanda mehrere Zivilisten getötet hatte. Rusesabaginas Anwälte bestritten die Anschuldigungen und erklärten, der Prozess sei ein Vorwand, um einen bekannten Kritiker von Präsident Paul Kagame einzusperren. Rusesabagina war während der Urteilsverkündung nicht anwesend.

Prozessbeobachter der US-Rechtsanwaltskammer hatten in einem Bericht im Juni mehrere Verfahrensfehler kritisiert. Rusesabagina hatte im März erklärt, nicht länger an dem Prozess teilzunehmen. Neben ihm waren 20 weitere Personen angeklagt worden. Rusesabaginas Anhänger hatten den Prozess als politisch motiviert angeprangert. 

Rusesabagina rettete Hunderten Tutsi das Leben

Rusesabagina, ein Hutu, erlangte weltweite Bekanntheit, weil er als Manager während des Völkermords 1994 Hunderten Tutsi in seinem Hotel Unterschlupf gewährt haben soll. Die Geschehnisse dienten im Jahr 2004 als Vorlage für den Hollywood-Film "Hotel Ruanda".

Bei dem Völkermord in Ruanda töteten Extremisten der Hutu-Mehrheit zwischen April und Juli 1994 rund 800.000 Angehörige der Tutsi-Minderheit und moderate Hutu. Paul Kagame entmachtete mit seiner Rebellengruppe RPF das Regime der Hutu-Extremisten und beendete den Völkermord. Er regiert das Land bis heute zunehmend autokratisch.

Ein scharfer Kritiker Kagames

Menschenrechtlern zufolge werden Oppositionelle, Journalisten und Regierungskritiker in Ruanda festgenommen, schikaniert, verfolgt und getötet. Rusesabagina ist ein scharfer Kritiker Kagames und lebte bis zu seiner Festnahme im Exil, unter anderem in den USA.

Im August 2020 wurde er festgenommen. Seine Familie erklärte, er sei in Dubai entführt worden, laut den Behörden wurde er hingegen bei seiner Einreise nach Ruanda inhaftiert.

Rusesabagina hatte der RPF vorgeworfen, bei den Kämpfen schwere Verbrechen an der Hutu-Bevölkerung begangen zu haben. Er nannte die Kagame-Regierung eine Diktatur. Bereits 2011 wurde er beschuldigt, die Regierung stürzen zu wollen.