Ein verlassener Klassenraum an der wissenschaftliche Oberschule in Kankara im Bundesstaat Katsina. | REUTERS

Nigeria Erneut Hunderte Mädchen verschleppt

Stand: 26.02.2021 16:51 Uhr

Bewaffnete Angreifer haben eine Schule im nigerianischen Bundesstaat Zamfara gestürmt. 317 Mädchen sind nach Polizeiangaben verschleppt worden. Erst vor einer Woche waren nach einem Angriff Dutzende Kinder verschwunden.

Es ist der zweite Angriff dieser Art innerhalb einer Woche. Nach Behördenangaben hat eine große Gruppe bewaffneter Männer die Jangebe-Schule im nördlichen Bundesstaat Zamfara gestürmt. 317 Schülerinnen eines Internats seien verschleppt worden, teilte ein Sprecher der Polizei vor Ort mit. Polizisten und das Militär versuchten gemeinsam, die Mädchen zu retten

Die Angreifer hatten sich Augenzeugen zufolge als Bewacher ausgegeben. So sei es ihnen gelungen, in die Schlafsäle des staatlichen Mädcheninternats einzudringen.

"Wütend und traurig"

Ein Anwohner berichtete, Bewaffnete hätten zudem ein Militärlager und einen Kontrollpunkt in der Nähe angegriffen. Das habe das Militär am Eingreifen gehindert, während die Schule stundenlang besetzt gewesen sei. Unklar blieb zunächst, ob es Tote oder Verletzte geben hat.

"Wir sind wütend und traurig über diese weitere brutale Attacke auf Schulkinder in Nigeria", sagte UNICEF-Vertreter Peter Hawkins. Das Vorgehen sei ein grober Verstoß gegen Kinderrechte, und es sei für Kinder fürchterlich, eine solche Erfahrung zu durchleben. Hawkins forderte, dass sie sofort freigelassen werden.

Mehrere Angriffe in den vergangenen Monaten

Die Attacke kommt gut eine Woche nach dem Angriff auf eine Schule in Kagara, bei der mehrere Dutzend Menschen verschleppt wurden, darunter fast 30 Kinder. Eines davon wurde bei dem Angriff getötet. Über das Schicksal der Geiseln herrscht noch Unklarheit.

Bereits vor zwei Monaten hatte die islamistische Terrorgruppe Boko Haram im nördlich gelegenen nigerianischen Bundesstaat Katsina Hunderte Schulkinder entführt, sie eine Woche später aber wieder freigelassen. Ob damals Lösegeld gezahlt wurde, ist nicht bekannt.

Bekanntes Muster

Boko Haram terrorisiert seit Jahren die Bevölkerung in Nordnigeria. 2014 hatten sie aus der Schule in Chibok 276 Mädchen entführt. Die Tat hatte international für Entsetzen gesorgt und eine von Prominenten unterstützte Solidaritätskampagne ausgelöst. Trotz diverser Freilassungsaktionen werden immer noch viele Mädchen vermisst.

Im Norden Nigerias kommt es immer wieder zu Überfällen durch Banden, die Bewohner töten, ausrauben oder verschleppen. Häufig wird Lösegeld gefordert.

Über dieses Thema berichtete N-Joy am 26. Februar 2021 um 13:00 Uhr in den Nachrichten.