Alaa Abdel Fattah während seines Prozesses am 23. Mai 2015  | AFP

Nach sieben Monaten Aktivist Fattah beendet Hungerstreik

Stand: 15.11.2022 16:12 Uhr

Seit 2013 sitzt der Menschenrechtsaktivist Alaa Abdel Fattah im ägyptischen Gefängnis. Vor über einem halben Jahr trat er aus Protest gegen seine Haft in den Hungerstreik. Zuletzt fürchtete seine Familie um sein Leben.

Der britisch-ägyptische Menschenrechtsaktivist Alaa Abdel Fattah hat nach sieben Monaten seinen Hungerstreik beendet. Der 40-Jährige erklärte in einem Brief an seine Familie: "Ich habe meinen Streik abgebrochen."

Seine Schwester Sanaa Seif veröffentlichte den Brief auf Twitter. Zum nächsten Besuch am Donnerstag solle die Familie Kuchen mitbringen. "Ich will am Donnerstag meinen Geburtstag mit euch feiern, bringt normale Verpflegung mit.", so Fattah in dem Schreiben.

Sanaa Seif | AFP

Sanaa Seif, Schwester von Alaa Abdel Fattah, veröffentlichte seinen Brief am Dienstag auf Twitter. Bild: AFP

Führungsfigur der Revolution

Fattah zählte zu den Führungsfiguren in der Revolution des arabischen Frühlings 2011. Dabei wurde Ägyptens Langzeitherrscher Hosni Mubarak zu Fall gebracht. 2013 wurde er beim Protest gegen ein verschärftes Demonstrationsgesetz festgenommen. Seitdem sitzt er fast durchgehend im Gefängnis.

Nach seinem langen Hungerstreik und dem Verzicht auf Wasser seit Beginn der Weltklimakonferenz im Land hatte die Gefängnisbehörde nach Angaben der Familie "medizinisch interveniert". Laut Staatsanwaltschaft ist er "wohlauf". Ohne Wasser kann der Körper nur drei bis vier Tage überleben. Ob Fattah zwangsernährt wurde oder wird, ist noch unklar.

In seinem Brief schreibt Fattah lediglich, dass er seinen Streik gebrochen habe, die Hintergründe wolle er persönlich besprechen.

Nur 100 Kalorien pro Tag

Während des Streiks nahm Fattah aus Protest gegen seine Inhaftierung nicht mehr als 100 Kalorien pro Tag zu sich. Anfang November stellte er dann die Nahrungsaufnahme ganz ein, kurz danach auch das Trinken.

Die Weltklimakonferenz nutzen Fattah und seine Unterstützerinnen und Unterstützer dazu, auf seine Lage aufmerksam zu machen. Mit Erfolg: Bundeskanzler Olaf Scholz machte sich zu Beginn der Konferenz in Sharm El-Sheikh für die Freilassung des Menschenrechtsaktivisten stark.

Bei der zweiwöchigen Klimakonferenz verhandeln Vertreter aus fast 200 Ländern darüber, wie sie den Kampf gegen die Erderwärmung stärker vorantreiben können. Die Konferenz läuft bis Ende dieser Woche.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 15. November 2022 um 16:00 Uhr in den Nachrichten.