US-Präsident Joe Biden redet bei der Klimakonferenz  | AP

Biden auf UN-Klimagipfel "Wir können das gemeinsam schaffen"

Stand: 11.11.2022 17:45 Uhr

US-Präsident Biden sieht sein Land als Vorkämpfer für den Klimaschutz. Bei der COP27 versprach er, die Klimaschutzziele zu halten - und rief zu gemeinsamen Anstrengungen auf, den Planeten zu retten.

US-Präsident Joe Biden hat beim Weltklimagipfel in Sharm El-Sheikh dazu aufgerufen, den Planeten mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung zu retten. Angesichts der voranschreitenden Erderwärmung und den weltweit spürbaren Folgen der Klimakrise sagte er: "Es geht um die Sicherheit der Menschen, wirtschaftliche Sicherheit, Umweltsicherheit, nationale Sicherheit und das Überleben auf dem Planeten."

Die USA spielen als größte Volkswirtschaft und zweitgrößter Treibhausgasemittent der Welt eine entscheidende Rolle im Kampf gegen die Erderhitzung. Entsprechend groß waren die Erwartungen an Bidens Rede. Die USA erkennen die Dringlichkeit, betonte der Präsident. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse seien eindeutig.

Die USA wollen vorangehen

Biden sieht sein Land beim Klimaschutz in einer führenden Rolle. Er wolle dazu beitragen, einen Übergang zu ermöglichen und die nun anstehenden einschneidenden Veränderungen auf den Weg bringen. In seinem Land sei in den vergangenen zwei Jahren viel auf den Weg gebracht worden, "beispiellose Schritte" seien gegangen worden, etwa im Bereich der Infrastruktur, bei Ladestationen, in der Landwirtschaft sowie bei der Dekarbonisierung.

Biden stellte insbesondere das "Inflationsbekämpfungsgesetz" heraus, das der US-Kongress im August beschlossen hatte. Damit sollen für den Klimaschutz in den kommenden zehn Jahren rund 370 Milliarden Dollar (358 Mrd. Euro) investiert werden, um etwa die Herstellung von Solarzellen und Windturbinen zu fördern. Finanzielle Anreize sind auch für den Bau von Werken für Elektroautos vorgesehen.

Zugleich verwies der Präsident auf die US-Unterstützung etwa beim G7-Projekt "Global Shield", das Mittel zur Finanzierung von Versicherungen und Katastrophenschutzmaßnahmen in 58 von der Klimakrise besonders stark betroffenen Ländern bereitstellt. Die USA wollten in den kommenden Jahren mehr als 150 Millionen Dollar für Anpasungsmaßnahmen in den Ländern bereitstellen, die aus eigener Kraft die Folgen der Klimakrise nicht bewältigen können, so Biden.

"Wir müssen ehrgeiziger werden und schneller arbeiten", sagte Biden. "Wir können nicht am Rande stehen und zusehen, wie wir scheitern." Gewaltige Aufgaben lägen vor den Staaten, aber es gebe große Fähigkeiten, den Planeten zu erhalten. "Wir können das gemeinsam schaffen".

Bei der Klimapolitik gehe es auch um Sicherheit, betonte Biden. So erhöhten der Ukraine-Krieg und die daraus folgende Energiekrise "nur die Dringlichkeit, dass die Welt ihre Abhängigkeit von fossilen Energien aufgibt".

"Erreichen Klimaschutzziel bis 2030"

Biden bekräftigte, die USA würden ihre Emissionsziele bis 2030 erreichen. Die Vereinigten Staaten seien auf gutem Weg, bis 2030 die Treibhausgasemissionen um 50 bis 52 Prozent unter das Niveau von 2005 zu senken. "Wir eilen voran, um unseren Teil dazu beizutragen, die Klimahölle abzuwenden, vor der der UN-Generalsekretär Anfang dieser Woche so leidenschaftlich gewarnt hat."

Und er bat um Entschuldigung, dass die Vereinigten Staaten unter seinem Amtsvorgänger Donald Trump dem Pariser Klimaabkommen den Rücken gekehrt hatten.

Staatenbündnis will besonders Methan-Ausstoß verringern

Kur vor Bidens Rede hatten die USA, die EU, Japan und Kanada sowie weitere Partner bekannt gegeben, dass sie sich dazu verpflichten, den Ausstoß von Treibhausgasen bei der Öl- und Gasförderung "dramatisch" zu reduzieren. Insbesondere der Ausstoß des hochwirksamen Treibhausgases Methan ist dabei im Fokus. Reduziert werden soll unter anderem das bisher routinemäßige Abfackeln. Auch Lecks in den Förder- und Produktionsanlagen sollen aufgespürt und gestopft werden. Ziel sei es, auf diese Weise die Erderhitzung bis Mitte des Jahrhunderts um ein Zehntelgrad abzumildern.

Das Bündnis, zu dem auch Norwegen, Großbritannien und Singapur gehören, betonte zudem die Notwendigkeit, den Übergang zu einer "sauberen" Energieerzeugung zu beschleunigen. Denn eine Abhängigkeit von fossilen Energieträgern wie Öl, Gas und Kohle mache die Staaten verletzlich für Marktschwankungen und geopolitische Herausforderungen, hieß es - wohl mit Blick auf die Energiekrise und ausbleibende Kohle- und Gaslieferungen aus Russland infolge des Ukraine-Kriegs.

Studie zu Öl- und Gasproduktion

Erst am Mittwoch hatte ein neuer Datenreport aufgedeckt, dass bei der Förderung und Produktion von Öl und Gas drei Mal mehr klimaschädliche Gase freigesetzt werden, als die Staaten bisher offiziell an die Vereinten Nationen berichten. Dies zeigen Messungen der Non-Profit-Initiative Trace, an der Datenanalytiker, Forscher und Nichtregierungsorganisationen mitarbeiten. Die Hälfte der weltweit größten Quellen klimaschädlicher Treibhausgase sind demnach Produktionsstätten für Öl und Gas und zugehörige Anlagen.

Beteiligt ist auch der ehemalige US-Vizepräsident Al Gore, der die Daten auf der Weltklimakonferenz vorstellte. Der Friedensnobelpreisträger sagte, dass der Ausstoß von Methan in den Anlagen für fossile Energien besonders unterschätzt sei.

Das Mammuttreffen im Badeort Sharm El-Sheikh, zu dem etwa 45.000 Teilnehmer registriert sind, geht Ende kommender Woche zu Ende. Viele Staats- und Regierungschefs waren schon zu Gast - auch Bundeskanzler Olaf Scholz. Er hatte für den von ihm initiierten "Klimaclub" geworben, ein Forum, das allen Ländern offensteht.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. November 2022 um 17:00 Uhr.