Alaa Abdel Fattah während seines Prozesses am 23. Mai 2015  | AFP

Hungerstreikender Aktivist in Ägypten Scholz fordert Fattahs Freilassung

Stand: 08.11.2022 16:05 Uhr

Der Menschenrechtsaktivist Fattah befindet sich seit sieben Monaten in Ägypten im Hungerstreik. Nun hat Kanzler Scholz auf der Weltklimakonferenz gefordert, dass der inhaftierte Aktivist freigelassen wird.

Bundeskanzler Olaf Scholz hat sich auf der Weltklimakonferenz in Ägypten für die Freilassung des inhaftierten Demokratieaktivisten Alaa Abdel Fattah eingesetzt. Der Kanzler sprach Fattahs Zustand nach Angaben eines deutschen Regierungssprechers in einem bilateralen Treffen mit Ägyptens Staatschef Abdel Fattah al-Sisi an.

Scholz: "Sehr bedrückend"

Scholz nannte die Situation des Aktivisten "sehr bedrückend". Sein Zustand sei so ernst, "dass wir alle befürchten müssen, dass es zu ganz furchtbaren Konsequenzen führt". Auch andere Staats- und Regierungschefs hätten sich deswegen an den Präsidenten gewandt, sagte der SPD-Politiker.

Gestern hatten sich Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und der britische Premierminister Rishi Sunak am Rande der Weltklimakonferenz für die Freilassung des Regierungskritikers eingesetzt.

Fattah befindet sich aus Protest gegen seine Haftbedingungen seit Monaten im Hungerstreik. Seit Sonntagfrüh - dem Beginn der Weltklimakonferenz in seinem Land - verzichtet er auch auf Wasser. Seitdem hängt sein Leben seiner Familie zufolge am seidenen Faden.

Fattah seit 2013 fast nur in Haft

Auch der UN-Menschenrechtskommissar Volker Türk forderte die sofortige Freilassung von Fattah. Türk habe sein "tiefes Bedauern" darüber ausgedrückt, dass die ägyptischen Behörden den Blogger und Aktivisten noch nicht freigelassen haben, erklärte die Sprecherin des UN-Menschenrechtsbüros, Ravina Shamdasani, in Genf. "Wir sind sehr besorgt um seine Gesundheit."

Fattah zählte 2011 während der ägyptischen Revolution zu den Führungsfiguren. Die Massenproteste gegen Langzeitherrscher Husni Mubarak hatte Fattah maßgeblich mitorganisiert. 2013 wurde er beim Protest gegen ein verschärftes Demonstrationsgesetz festgenommen und verurteilt. Seitdem saß er fast durchgehend im Gefängnis.

COP27-Präsident und Außenminister Samih Schukri sagte dem Sender CNBC, Fattahs Hungerstreik sei eine "persönliche Entscheidung". Ihm stehe gesundheitliche Versorgung zur Verfügung, wie allen anderen Häftlingen auch.