Abzeichen auf der Uniform eines Bundeswehrsoldaten der "European Union Training Mission Mali" (EUTM). | dpa

Debatte über UN-Einsatz Die Zukunft Malis - mit oder ohne Bundeswehr?

Stand: 11.05.2022 03:41 Uhr

Die Franzosen ziehen sich aus Mali zurück, die Deutschen wollen vorerst bleiben. Was sagen die Malier zur UN-Mission? Und was würde passieren, wenn auch Deutschland sein Militär abzieht? 

Von Carla Reitter, ARD-Studio Nordwestafrika

Über 10.000 internationale Soldaten sollen fast ein Jahrzehnt in Mali schon für Sicherheit sorgen - die Terroristen sind aber nicht besiegt, die Sicherheitslage hat sich sogar verschlechtert.

Viele Malier machen die Ex-Kolonialmacht Frankreich und die ausländischen Akteure in Mali dafür verantwortlich. So auch Soumana Ahmadou Maiga aus der Region Gao im unsicheren Nordosten des Landes - dort ist auch die Bundeswehr bislang stationiert.

“Was den Rückzug der Deutschen betrifft: Ich finde, dass es wirklich ein falscher Krieg ist, den die Deutschen in Mali führen. Die Situation ist kompliziert. Ich glaube, dass die Deutschen sich zurückziehen müssen.

Menschen in Mali uneinig

Raus mit den internationalen Militärmissionen oder doch mehr Engagement an der Front gegen Terroristen? Darüber sind sich die Menschen in Mali uneinig. Immerhin kämpfen deutsche Soldatinnen und Soldaten nicht aktiv gegen Terroristen, sondern beteiligen sich an der Stabilisierungsmission MINUSMA und bilden im Rahmen einer EU-Mission malische Sicherheitskräfte aus. Und auch das mit wenig Erfolg: Die malische Armee schafft es bis heute nicht, alleine Herr der Lage zu werden.

Die Studentin Massaran Traoré macht sich Sorgen, dass die Franzosen gehen. Die hätten zumindest für ein bisschen Stabilität gesorgt.

Wir müssen daran denken, was Frankreich für Mali 2012 getan hat. Der Abzug von Frankreich, von den Deutschen, von den Nichtregierungsorganisationen: Das wiegt schwer. Auch die Deutschen haben viel beigetragen - informell und militärisch. Die Nichtregierungsorganisationen haben die Arbeitslosigkeit verringert. Der Abzug beunruhigt mich sehr.

Frankreich zieht im Sommer ab

Die Franzosen gehen bis zum Sommer - gehen die Deutschen jetzt auch? Diese Frage raube ihm den Schlaf, sagt der malische Sicherheitsexperte Daouda Kinda:

Es versteht sich von selbst, dass der deutsche Rückzug einen großen Einfluss auf die Situation hier haben wird. Momentan wird die Ausbildungsmission zu einem großen Teil, um nicht zu sagen exklusiv, von der Europäischen Union bezahlt. Das Ende davon wird sicher eine Auswirkung auf die taktische Ausgangslage und die Koordination der malischen Armee gegen die terroristischen Gruppen haben.

Die malische Militärjunta setzt seit Ende 2021 unterdessen offenbar auf die russische Söldner Gruppe Wagner - berüchtigt für Menschenrechtsverletzungen und einen kurzen Draht zu Präsident Putin. Unter anderem deswegen zieht sich Frankreich aus Mali zurück - und für andere internationale Partner sind die Söldner eigentlich auch ein No-Go.

Was, wenn auch die Russen gehen?

Sicherheitsexperte Kinda sagt: Sie werden aber nicht die Lücke füllen können, die durch den Abzug der Franzosen und möglicherweise auch der Deutschen entstehen würde. Das könnte gefährlich werden, sagt Ulf Laessing von der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung in Bamako.

Also die Franzosen gehen weg, das ist sicherheitspolitisch ein großer Schlag, auch wenn man das in Mali nicht unbedingt so sehen will. Aber das wird zur Destabilisierung beitragen. Und bei den Russen - ja die investieren jetzt, aber man weiß auch nicht, wie sich die Situation in der Ukraine entwickeln wird. Vielleicht werden die Kommandos da auch bald gebraucht. Und wenn die dann abziehen würden, dann wäre Mali wirklich sehr, sehr geschwächt, das muss man wirklich sagen - dann hätte sich die Regierung sprichwörtlich verzockt.

Und wenn sich die Lage in Mali weiter destabilisiert, könnte das gravierende sicherheitspolitische Folgen für die gesamte Sahel-Region haben. Schon jetzt sind in Mali tausende Menschen durch Terror und Gewalt gestorben, Hunderttausende befinden sich im eigenen Land auf der Flucht - und der Terror breitet sich aus, über Landesgrenzen hinweg.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Mai 2022 um 05:55 Uhr.