Ein Bundeswehr-Soldat der Mission MINUSMA in Mali | dpa

UN-Mission in Mali Russische Söldner könnten UN-Einsatz gefährden

Stand: 16.09.2021 07:08 Uhr

In Mali verhandelt die Militärjunta über den Einsatz russischer Söldner - die "Gruppe Wagner" gilt als Schattenarmee mit gutem Kontakt zu Putin. Frankreich und Deutschland stellen ihre Beteiligung am UN-Einsatz infrage.

Von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Rabat

Russische Fahnen - auf Demonstrationen in Mali. Das war in jüngster Vergangenheit immer wieder zu sehen. Die Militärpräsenz der Ex-Kolonialmacht Frankreich wurde angesichts einer sich zuspitzenden Sicherheitslage im Land immer unbeliebter. Jetzt soll die malische Militärjunta mit der sogenannten Wagner-Gruppe in Gesprächen sein. 1000 russische Söldner sollen demnach mit einem Neun-Millionen-Euro Vertrag nach Mali geholt werden. Zur Ausbildung der malischen Armee, zum Schutz von hochrangigen Militärs.

Dunja Sadaqi ARD-Studio Rabat

Am Mittwoch twitterte Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer dazu: "Sollte sich die Zusammenarbeit von #Mali mit russischen Söldnergruppen bestätigen, stellt das die Grundlagen des Mandats der #Bundeswehr für #MINUSMA und #EUTM in Frage und gemeinsam mit dem Bundestag müssten wir Konsequenzen ziehen. Wenn Malis Regierung mit Russland solche Vereinbarungen trifft, widerspricht das allem, was Deutschland, Frankreich, die #EU und die #UN in Mali seit 8 Jahren leisten."

Tags zuvor hatte die Ex-Kolonialmacht Frankreich, die militärisch stark in Mali vertreten ist, mit Abzug gedroht und vor den russischen Söldnern gewarnt. Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian sagte: "Sie haben sich in der Vergangenheit vor allem in Syrien, in der Zentralafrikanischen Republik, vielfach durch Erpressungen, Raubzüge, Verstöße aller Art ausgezeichnet und können keine Lösung sein. In der Zentralafrikanischen Republik hat es zu einer Verschlechterung der Sicherheitslage geführt."

Privates Sicherheitsunternehmen mit gutem Kontakt zu Putin

Die "Gruppe Wagner", um die sich die Diskussion dreht, ist ein privates russisches Sicherheits- und Militärunternehmen. Sie gilt als Schattenarmee, wo Russland nicht offiziell als Akteur auftreten möchte. Der Geschäftsmann, dem die "Gruppe Wagner" gehört, soll in engem Kontakt zu Wladimir Putin und zum russischen Militär stehen.

In Mali selbst komme die Nachricht nicht schlecht an, sagt ein Einwohner der Hauptstadt Bamako dem französischen Fernsehsender TV5 Monde: "Wir sehen jeden Tag, dass die Armee an Boden verliert. Das Leben der Malier ist mir mehr wert. Es sind sogar schon die Russen, die Glück nach Syrien und Zentralafrika gebracht haben. Also heißen wir diese russischen Soldaten willkommen, wir bitten darum. Wir werden sie bejubeln."

Terror breitet sich aus - trotz internationaler Einsätze

Schon lange wird über das internationale Militär-Engagement in Mali diskutiert. Mali gilt als Schlüsselstaat im Kampf gegen Terror in Westafrika. Die jahrelange UN-Stabilisierungsmission MINUSMA und die EU-Ausbildungsmission EUTM, an denen sich auch die Bundeswehr beteiligt, haben aber nicht die gewünschten Ergebnisse gebracht. Malische Sicherheitskräfte gelten bis heute als schlecht ausgebildet und ausgerüstet, werden regelmäßig Opfer von Anschlägen. Der Terror breitet sich in der Region über Landesgrenzen hinweg aus. Gleichzeitig haben Elite-Einheiten des Militärs gleich zweimal innerhalb von nur neun Monaten geputscht - auch politisch bleibt der Krisenstaat instabil.

Die Franzosen haben vor Kurzem angekündigt, ihre Anti-Terror-Einheit Barkhane aufzulösen und Militärbasen in der Sahelzone schließen zu wollen. Komme der Deal zwischen Mali und den russischen Söldnern zustande, zeige das auch wie neue Mächte in Afrika Einfluss gewinnen, sagen Sicherheitsanalysten wie Boubacar Salif Traoré im französischen Fernsehen.

"Frankreich versucht irgendwie aus diesem Sumpf herauszukommen. Seit fast einem Jahrzehnt beobachten wir, dass es keine Erfolge in Bezug auf diese Militäroperationen gibt. Die Übergangsregierung wird derzeit von der Bevölkerung unter Druck gesetzt, deutlichere Ergebnisse zu liefern. Denn die Unsicherheit hat nicht aufgehört."

Russland dementiert Verhandlungen

Dieser Druck könnte offenbar auch zu Verhandlungen mit anderen Partnern geführt haben. Malis Behörden haben zwar Gespräche mit der russischen "Wagner-Gruppe" bestätigt, es seien allerdings noch keine Verträge unterschrieben worden. Russland hat Verhandlungen über ein militärisches Engagement hingegen dementiert.

Dieser Beitrag lief am 16. September 2021 um 06:12 Uhr im Deutschlandfunk.