Keita 2020 in Nouakchott | REUTERS

2020 entmachtet Malis Ex-Präsident Keita gestorben

Stand: 16.01.2022 19:40 Uhr

Malis Ex-Präsident Keita ist tot. Das ehemalige Staatsoberhaupt starb im Alter von 76 Jahren in seinem Anwesen in Bamako. Keita regierte das Land ab 2013, ehe er im August 2020 durch einen Putsch entmachtet wurde.

Der ehemalige malische Präsident Ibrahim Boubacar Keita ist tot. Das frühere Staatsoberhaupt starb im Alter von 76 Jahren in seinem Haus in Bamako, wie die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf die Familie berichtete. Sie machte demnach keine Angaben zur Todesursache. Malis Übergangsregierung erklärte, Keita sei nach "langer Krankheit" gestorben. Weiter hieß es, Informationen zur Beerdigung des Ex-Präsidenten würden zu einem späteren Zeitpunkt bekannt gegeben.

Malis Außenminister Abdoulaye Diop äußerte sich betrübt über Keitas Tod. "Ich verneige mich mit großer Betroffenheit vor seinem Andenken", erklärte er. Auch Senegals Präsident Macky Sall und Nigers Ex-Präsident Mahamadou Issoufou bekundeten ihre Anteilnahme. Vor Keitas Haus versammelten sich zahlreiche Politiker und andere Trauernde.

Erst Ministerpräsident, dann Staatsoberhaupt

Keita war zwischen 1994 und 2000 Ministerpräsident Mails unter dem ersten demokratisch gewählten Präsidenten Alpha Oumar Konaré (1992-2002). 2013 gewann Keita die historischen Präsidentschaftswahl, die nach einem Putsch 2012 zur Wiederherstellung der Demokratie angesetzt wurde. Er regierte das Land bis 2020. Bei einem neuerlichen Putsch im Jahr 2020 wurde Keita entmachtet: Nach monatelangen Demonstrationen gegen seine Präsidentschaft wurde er vom Militär abgesetzt, das die Macht übernahm.

Keita wurde im August 2020 von Soldaten in seiner Residenz festgenommen. Stunden später erklärte er in einer Fernsehansprache, er trete umgehend zurück. Sein Gesundheitszustand hatte sich dem erzwungenen Rücktritt stetig verschlechtert. Kurz nach seiner Entlassung aus dem Gewahrsam der Militärjunta ließ er sich in den Vereinigten Arabischen Emiraten medizinisch behandeln.

Keita war in die Kritik geraten, weil es ihm unter anderem nicht gelungen war, die seit 2012 andauernden Angriffe von Islamisten vor allem im Norden des Landes unter Kontrolle zu bringen. Auch verschleppte er politische Reformen; eine schwächelnde Wirtschaft und Korruptionsvorwürfe hatten Zehntausende auf die Straße getrieben. 

Sanktionen gegen Mali

Im Mai 2021 putschte die Militärjunta erneut. Oberst Assimi Goita, der bereits Keita gestürzt hatte, setzte die zivile Spitze einer Übergangsregierung ab und ernannte sich selbst zum Übergangspräsidenten. Beide Umstürze wurden international scharf kritisiert. Nach dem Putsch von August 2020 schloss die westafrikanischen Staatengemeinschaft ECOWAS unter anderem die Grenzen zu Mali und kappte quasi alle Handelsbeziehungen.

Westafrikanische Staaten verhängten Anfang des Monats strenge Wirtschaftssanktionen, nachdem Goita angedeutet hatte, dass die nächsten Präsidentschaftswahlen nicht vor 2026 stattfinden werden. Ursprünglich hatte er einer Wahl bis Ende des kommenden Monats zugestimmt.

Die politische Situation in Mali ist seit 2012 von starker Instabilität geprägt. Zum Teil wird sie von dschihadistisch motivierter Gewalt verursacht. Deutschland ist mit der Bundeswehr im Rahmen von Missionen der EU und der UN in Mali im Einsatz, um zur Stabilisierung des Landes beizutragen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Januar 2022 um 18:00 Uhr.