Am Korle Gono Strans bei Accra (Ghana) sammeln Männer Plastikmüll | picture alliance/dpa/EPA

Welttag der Ozeane Ghanas Kampf mit der Plastikflut

Stand: 08.06.2021 03:29 Uhr

Ein sauberer Strand und ein Meer ohne Plastikmüll - manche Kinder in Ghana können sich das nicht vorstellen. Doch private Initiativen im Land entwickeln Konzepte für mehr Recycling und mehr Vermeidung von Plastik.

Von Norbert Hahn, ARD-Studio Nairobi

Einst hat Richmond Kennedy Quarcoo an der Regionalen Maritimen Hochschule in Accra studiert. Nun räumt er hinter dem Gelände, am nahen Strand, Berge von Plastikmüll weg. "Das ist unser kleines Paradies, das wollen wir behalten", sagt er. Mehr als tausend Mal ist er mit ein paar Dutzend Gleichgesinnten schon ausgerückt, um diesen und andere Strände wieder auf Vordermann zu bringen. "Gemeinsam und verantwortungsvoll sollte die Welt nach anderen Verpackungslösungen als Plastik suchen", meint er.

Norbert Hahn ARD-Studio Nairobi

Seine Organisation "Plastic Punch" hat es in den drei Jahren ihres Bestehens zu viel Anerkennung gebracht: Durch Sammeln und Weiterleiten von Plastik, aber auch durch mehr als 400 Aufklärungsveranstaltungen. Die EU unterstützen die Organisation mit etwas Geld und kann doch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie beim Verbot von Einwegplastik hinter so manchem afrikanischen Land hinterherhinkt. Immerhin: Gemeinsam mit "Plastic Punch" wurde eine Kampagne entwickelt, wie sich Plastikflut und Covid-Pandemie gemeinsam bekämpfen lassen. "Es geht etwa um Mehrweg-Gesichtsmasken und die Benutzung von Seife anstelle von Plastikflaschen mit Handdesinfektionsmittel", erklärt Quarcoo.

Das klingt banal, ist es aber nicht: Medizinische Produkte zur Pandemiebekämpfung sind inzwischen überall am Strand zu finden. Spritzen oder Einweg-Kunststoffmasken - von denen China im vergangenen Jahr geschätzte 100 Milliarden produziert hat - sind am Strand vor der Hochschule überall zu finden. "Es sind neue Abfallströme, die zu einer Pandemie innerhalb der Pandemie werden", klagt der Aktivist.

Plastikmüll sammeln hilft beim Mietezahlen

Ein paar Kilometer weiter Richtung Innenstadt sammelt Vida Akoto Plastik-Müll, als Nebenjob. Der normale Monatsverdienst sei so gering, dass er nicht reiche, die Familie durchzubringen. "Ich bin alleinerziehend", sagt sie. "Ich habe fünf Kinder und zwei Enkel. Mit dem Gewinn aus dem Sammeln des Plastikmülls kann ich die Kinder unterstützen und die Miete zahlen."

Dass sich das Müllsammeln rechnet, ist auch ein Erfolg von "Environment360". Gründerin Cordie Aziz war 2011 aus den USA gekommen. In Ghana begann sie, ein Sammelsystem für Plastik-Müll aufzubauen, von dem auch Vida Akoto profitiert. "Unsere Sammler verdienen mit diesem System 30 bis 40 Prozent mehr", sagt Aziz. Das geht so: Der Müll wird an zentralen Sammelstellen angenommen. Geregelt wird vor Ort alles von "Environment360" und einem Vertreter der Gemeinde. Dann wird der Müll zum Recycling gefahren. Nordrhein-Westfalen habe den Aufbau des Systems und die Ausbildung von mehr als 300 Sammlern mit 300.000 Euro unterstützt, sagt Aziz.

"Als ich nach Ghana kam, sah ich Kinder aus dem mit Plastik vermüllten Wasser kommen. Ich frage sie, wie das sei, dort zu baden. Sie wussten nichts zu sagen - sie lebten ja direkt am Strand und kannten es nicht anders", erzählt Aziz. "Als wir ihnen Fotos von sauberen Stränden zeigten, waren sie total erstaunt. Da wusste ich: Ich muss etwas tun."

Noch kann nicht alles recycelt werden

Noch kann ein Teil des Plastiks nicht in Ghana recycelt werden. Das soll sich ändern, auch wenn hier um den richtigen Weg gestritten wird: Quarcoo setzt auf möglichst schnelle Vermeidung von jeder Art von Plastik, Aziz auf ein Stufenmodell, damit nicht alle Arbeitsplätze in der Industrie sofort verloren gehen und gleichzeitig saubere Jobs als Ersatz geschaffen werden können. Vorzeigeunternehmen mit Recyclingbereich gibt es durchaus schon.

In drei Monaten wollen die Umweltminister aus Ghana, Deutschland, Ecuador und Vietnam beraten, wie die Welt die Plastikschwemme in den Meeren mit internationalen Verträgen stoppen kann.

Ob das reicht? Schon 2050 könnte der Plastikmüll in den Meeren mehr wiegen, als alle Fische in den Ozeanen zusammen.