Bundeskanzler Olaf Scholz spricht bei der Nebenveranstaltung "Accelerating Adaption in Africa" bei der UN-Weltklimakonferenz | dpa

Scholz beim Klimagipfel Klimaclub statt echtes Machtwort?

Stand: 08.11.2022 18:41 Uhr

Kanzler Scholz will mit einem Abkommen und Milliardenbeträgen die Erderwärmung abschwächen. Auf der Klimakonferenz warb er deshalb für einen globalen Klimaclub. Bei Umweltschützern fällt das Echo darauf geteilt aus.

Von Nina Amin, ARD-Hauptstadtstudio, zzt. Sharm el-Sheikh

Fünf Tage hat Luisa Neubauer von Fridays for Future von Deutschland nach Sharm el Sheikh in Ägypten gebraucht, wo die UN-Klimakonferenz COP27 tagt. Die weite Strecke legte sie möglichst klimaschonend mit dem Zug zurück. Nur das letzte Stück ist sie geflogen. Vor ihrer Reise sagte die Klimaaktivistin, sie erwarte kaum Fortschritte gegen die Erderwärmung auf der Klimakonferenz.

Nina Amin ARD-Hauptstadtstudio

"Das ist der Bundeskanzler. Wie wir nicht zuletzt in der Atomdebatte gesehen haben, kann er ja ein Machtwort sprechen und wir fragen uns: Wo ist das Machtwort für erneuerbare Energie, wo gegen neue fossile Abhängigkeiten?", sagte die 26-Jährige auf dem Klimagipfel.

Appell an China und Indien

Kanzler Olaf Scholz zeigte sich hingegen zufrieden nach seinem kurzen Aufenthalt in Sharm el Sheikh. Am zweiten Tag auf der UN-Klimakonferenz warb der SPD-Politiker für sein Lieblingsprojekt: einen globalen Klimaclub. Eine Art Handelsabkommen, dass verhindern soll, dass Industrien abwandern, wenn die Klimastandards in einigen Ländern hochgesetzt werden.

Mit dabei sein kann jedes Land, dass auf erneuerbare Energie setzt: "Ich finde es notwendig, dass alle Länder für sich entscheiden, dabei zu sein", stellte der deutsche Regierungschef klar. "Große Länder wie Indien und China sind da ganz bedeutsam. Sie werden einen großen Anteil der Weltwirtschaft ausmachen, sogar einen wachsenden."

"Die Industrie spielt eine Schlüsselrolle"

Die Staatsoberhäupter von Indien und China waren allerdings nicht dabei während Scholz zweitägiger Anwesenheit auf der Klimakonferenz. Andere Staaten wie Norwegen, Australien oder die Vereinten Arabischen Emiraten zeigten Interesse an dem Klimaclub. Für David Ryfish von der Umweltorganisation Germanwatch könnte so ein internationaler Zusammenschluss funktionieren. Unter bestimmten Bestimmungen.

"Die Industrie spielt eine Schlüsselrolle, wenn wir das 1,5-Grad-Limit einhalten wollen. Sie ist ein großer Emittent", sagt er. Gerade auch für die deutsche Industrie sei die Dekarbonisierung eine Überlebensfrage. "Da kann der Klimaclub wirklich helfen - wenn er grüne Standards setzt."

Kohle und Gas statt erneuerbare Energien

Scholz will den Klimaclub möglichst bis Ende des Jahres konkretisieren. Fakt ist aber auch: Wenn der Kanzler wieder in Deutschland landet, erwartet ihn der Winter und damit die alten Probleme. Angesichts der Energiekrise setzt die Bundesregierung erstmal wieder verstärkt auf Kohle und Gas - also das Gegenteil von erneuerbaren Energien.