Äthiopiens Ministerpräsident Abiy Ahmed | AFP

Konflikt in Äthiopien Abiy ruft Bevölkerung zur Gewalt auf

Stand: 01.11.2021 14:26 Uhr

In Äthiopien verschärft sich der Konflikt um die Region Tigray. Ministerpräsident Abiy rief die Bevölkerung zur Gewalt gegen die Rebellen auf. Zugleich beschuldigt die Regierung die Kämpfer, in der Stadt Kombolcha mehr als 100 Jugendliche getötet zu haben.

Der äthiopische Ministerpräsident Abiy Ahmed hat die Bevölkerung aufgerufen, im Konflikt mit Kämpfern aus der Region Tigray zu den Waffen zu greifen. Es sei die Verpflichtung der Bürger, die Truppen der Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) zu "stoppen, vernichten und zu begraben", schrieb Abiy laut Berichten des Senders BBC auf Facebook.

Die äthiopische Regierung erhob schwere Vorwürfe gegen die Rebellen. Die TPLF habe mehr als 100 Jugendliche in der Stadt Kombolcha hingerichtet, erklärte die Pressestelle der Regierung auf Twitter. Details wurden nicht genannt. Unklar blieb etwa, ob es sich bei den Getöteten um Kämpfer oder Zivilisten handelte. Die TPLF äußerte sich zunächst nicht.

Blinken fordert Verhandlungen über Waffenruhe

US-Außenminister Antony Blinken rief alle Seiten dazu auf, militärische Aktionen zu beenden und ohne Vorbedingungen Verhandlungen über eine Waffenruhe aufzunehmen. Blinken warnte, dass die anhaltenden Kämpfe die humanitäre Krise im Norden Äthiopiens verschärften. Seit Kriegsausbruch wurden Tausende Zivilisten getötet, mehr als 2,5 Millionen Menschen gaben ihre Wohnungen und Häuser auf, um vor der Gewalt zu fliehen.

Seit einem Jahr kämpfen Truppen der Zentralregierung und der gestürzten Regionalregierung um die Macht in der nordäthiopischen Region. Der Konflikt weitete sich seither auf andere Regionen aus. Eigenen Angaben zufolge eroberte die TPLF in den vergangenen Tagen mehrere Orte in der an Tigray grenzenden Region Amhara. Ein TPLF-Sprecher erklärte, die Städte Kombolcha und Dessie rund 350 Kilometer nördlich der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba seien eingenommen worden. Eine unabhängige Bestätigung gab es jedoch nicht.

Die Konfliktgebiete sind von der Außenwelt nahezu abgeschnitten, Internet und Hilfslieferungen werden von der Zentralregierung blockiert. Die TPLF erklärte, sie kämpfe gegen die Belagerung der Region. Die Regierung von Ministerpräsident Abiy bestritt, die TPLF habe die Städte erobert.

Konflikt seit November 2020

Auslöser der Gewalt im langanhaltenden Machtstreit zwischen Zentral- und Regionalregierung war Anfang November 2020 ein Angriff auf eine Militärbasis, für den Abiy die TPLF verantwortlich machte. Regierungstruppen marschierten in Tigray ein. Nach einem schnellen Vormarsch der Streitkräfte eroberten Truppen aus Tigray in den vergangenen Monaten jedoch viele Gebiete wieder zurück.

Der Konflikt hat eine humanitäre Krise ausgelöst, durch die UN-Schätzungen zufolge 400.000 Menschen in Tigray im Zustand einer Hungersnot leben. Rund 5,2 Millionen Menschen brauchen humanitäre Hilfe, um zu überleben. In den Regionen Afar und Amhara haben demnach 1,7 Millionen Menschen nicht genug zu essen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 24. August 2021 um 18:30 Uhr.