Trägerrakete der "Artemis"-Mission in Cape Canaveral | AP

Start der "Artemis"-Mission Zum Mond, zum Mars

Stand: 28.08.2022 19:44 Uhr

Die NASA will heute mit "Artemis 1" zum ersten Mal seit fast 50 Jahren wieder eine Rakete zum Mond schicken. Es könnte die amerikanische Raumfahrt ins tiefe Weltall befeuern - doch was, wenn die Mission misslingt?

Von Kerstin Klein, ARD-Studio Washington

An Superlativen mangelt es nicht bei dieser Mission: die stärkste Rakete der Welt, der weiteste Flug, den Menschen je unternehmen werden, der längste Aufenthalt einer Raumkapsel im All ohne anzudocken. In Tests hat die NASA bewiesen, dass sie bereit ist für die Rückkehr zum Mond - aber nun muss sie zeigen, dass das, was sie entwickelt und gebaut hat, auch in der harschen Realität des Weltalls funktioniert.

Kerstin Klein ARD-Studio Washington

Gegen 14:30 Uhr deutscher Zeit öffnet sich ein zweistündiges Startfenster. Dann soll die eigens für diese Mission gebaute Trägerrakete namens "Space Launch System", kurz SLS, abheben und die Orion-Raumkapsel, die an ihrer Spitze sitzt, ins All bringen.

Hält der Hitzeschild?

Das Raumschiff soll in rund zwei Wochen zum Mond fliegen, ihn rund zwei Wochen lang mehrfach umkreisen, schließlich zur Erde zurückkehren und am 10. Oktober im Pazifik landen. 42 Tage sind die Mission geplant.

Die NASA will dabei nicht nur testen, ob es gelingt, die Rakete erfolgreich zu starten und das Raumschiff erfolgreich zum Mond zu bringen. Vor allem der letzte Teil ist wichtig: Kommt die Orion-Kapsel heil zurück? Hält der Hitzeschild beim Eintritt in die Erdatmosphäre? Denn in der Orion-Kapsel sollen schon bei der nächsten Mission Menschen sitzen.

Mit "Artemis 2" sollen 2024 zum ersten Mal seit 1972 Astronauten wieder in der Mondumlaufbahn kreisen. Mit "Artemis 3" sollen frühestens 2025 wieder Menschen den Mond betreten - unter ihnen die erste Frau und die erste Person of Colour. Zwölf Menschen waren bisher auf dem Mond. Alle Amerikaner, alle weiße Männer.

Eine "Mond-zu-Mars-Mission"

Und die Amerikaner wollen nicht nur einfach zurück zum Mond - sie nennen das "Artemis"-Programm eine "Moon to Mars mission", eine "Mond-zu-Mars-Mission". Gemeinsam mit europäischen und weiteren Partnern wird bereits an einer Raumstation gebaut, die in wenigen Jahren dauerhaft den Mond umkreisen soll. "Gateway" heißt das Projekt und ist eine Art ISS, nur kleiner. Dort sollen Raumfähren andocken und Crews einen Zwischenstopp auf dem Weg zum Mond einlegen können.

"Gateway" soll perspektivisch auch ein Zwischenstopp sein auf dem Weg der USA zum Mars. Raumfahrzeuge für die Reise zum Mars könnten hier, in relativer Nähe zur Erde, getestet werden, bevor man sie tiefer ins All schickt. Denn die Mondanziehungskraft ist wesentlich geringer als die der Erde - ihr kann man leichter entkommen. Auch die Auswirkung der kosmischen Strahlung auf den menschlichen Körper soll hier genauer erforscht werden, bevor Menschen zum Mars geschickt werden. In den späten 2030er- oder frühen 2040er-Jahren soll es frühestens zum Mars gehen. Ziel: schneller sein als China.

Umstrittene Mission

Die "Artemis"-Mission ist nicht unumstritten. Vor allem die Entwicklung der Trägerrakete hat sich mehrfach verzögert, die Kosten sind explodiert. Insgesamt werden die Kosten der Mission bis 2025 auf 93 Milliarden Dollar geschätzt. Ein einziger "Artemis"-Start kostet laut NASA 4,1 Milliarden US-Dollar. Schon allein damit wird klar: Der Start von "Artemis 1" darf auf keinen Fall schief gehen.

Gelingt er, könnte das die amerikanische Raumfahrt ins tiefe Weltall befeuern - misslingt er, könnte das das Ende der NASA-Ambitionen für lange Zeit sein. Daraus folgt, dass die NASA keinerlei Risiko eingehen wird. Sollten bis zum avisierten Start am Montag um 14:33 Uhr deutscher Zeit irgendwelche Probleme auftauchen oder das Wetter nicht mitspielen, wird der Start vertagt. Weitere mögliche Start-Tage sind der 2. und 5. September.

Andererseits bereitet die NASA nun den ganz großen Bahnhof vor. Die US-Vizepräsidentin Kamala Harris wird anreisen und eine Rede halten. Herbie Hancock wird die Nationalhymne spielen und der Star-Cellist Yo-Yo Ma mit dem Philadelphia Orchestra "America the Beautiful" performen.

Bisher laufe alles nach Plan, so die NASA. Aber am Ende wird sie Vorsicht vor Schnelligkeit setzen. Denn eines kann sie sich nicht leisten: Dass bei einem Start nicht alles funktioniert.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. August 2022 um 20:00 Uhr.