Christoph Schmidt | dpa

Wirtschaftliche Entwicklung "Wirtschaftsweisen"-Chef fordert Soli-Aus

Stand: 24.12.2018 04:18 Uhr

Der Chef der Wirtschaftsweisen, Schmidt, hat eine schnelle Abschaffung des Solidaritätszuschlags gefordert. Diese würde Investitionen erleichtern. Gleichzeitig warnte er vor einer Anhebung des Mindestlohns auf zwölf Euro.

Der Chef der "Wirtschaftsweisen", Christoph Schmidt, plädiert angesichts des internationalen Steuerwettbewerbs für eine vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags. "Im Gegensatz zur bislang geplanten Teilabschaffung würde damit auch unternehmerische Tätigkeit merklich entlastet", sagte der Vorsitzende des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung der "Rheinischen Post". Schon jetzt sei Deutschland als Investitionsstandort "weniger attraktiv, als es der Fall sein könnte".

Beim Solidaritätszuschlag planen Union und SPD für 2021 eine Entlastung um zehn Milliarden Euro, die 90 Prozent der Soli-Zahler befreien soll. Kurzfristig erwartet der Präsident des RWI - Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung zwar ein "vergleichsweise verhaltenes Wachstumstempo" der Wirtschaft "von etwa anderthalb Prozent". Doch er sieht große Risiken insbesondere bei einem "ungeordneten" Ausscheiden Großbritanniens aus der Europäischen Union oder einer erneuten Krise im Euro-Raum. Eine verantwortungsbewusste Wirtschaftspolitik müsse auf das Ende des Aufschwungs vorbereitet sein.

Solidaritätszuschlag

Die Wirtschaftsweisen fordern schon lange, den "Soli" komplett abzuschaffen - in der Koalition gibt es dafür aber keine Mehrheit.

Zu hoher Mindestlohn bei Abschwung gefährlich

In diesem Zusammenhang wandte sich Schmidt gegen den Vorschlag von Finanzminister Olaf Scholz und Arbeitsminister Hubertus Heil, den Mindestlohn auf zwölf Euro anzuheben. 2019 soll der Mindestlohn von 8,84 auf 9,19 Euro pro Stunde steigen. Es sei nicht ratsam, "den Mindestlohn auf ein Niveau zu heben, das in einem Abschwung die dann zwangsläufig zunehmenden Probleme auf dem Arbeitsmarkt drastisch verschärfen würde", sagte Schmidt. "Den Mindestlohn wegen einer Konjunkturflaute zurückzunehmen, würde ja niemals gelingen."

Den allgemeinen Lohnanstieg begrüßt Schmidt dagegen. "Angesichts der ausgelasteten Kapazitäten der Volkswirtschaft dürfte das die Stabilität der Beschäftigung nicht gefährden", sagte er.

Hubertus Heil | dpa

Plädiert für einen Mindestlohn von zwölf Euro: Arbeitsminister Heil Bild: dpa

Kahrs gegen Soli-Abschaffung

In der Debatte um den Solidaritätszuschlag sprach sich derweil der Chefhaushälter der SPD-Bundestagsfraktion, Johannes Kahrs, gegen eine vollständige Soli-Abschaffung aus. "Warum die SPD die Besserverdienenden entlasten sollte, erschließt sich mir nicht", sagte Kahrs dem "Handelsblatt". Es gelte der Koalitionsvertrag, der als Grundlage für die gemeinsame Zusammenarbeit beschlossen worden sei. Darin sei eine Entlastung kleiner und mittlerer Einkommen verabredet worden.

Bei einem vollständigen Aus des Soli würde außerdem Geld für Zukunftsinvestitionen, Bildung und Infrastruktur fehlen, sagte Kahrs. "Der Bundeshaushalt kommt derzeit ohne Neuverschuldung aus", sagte der SPD-Politiker. "Will die Union das jetzt aufgeben?"

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 24. Dezember 2018 um 07:04 Uhr.

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KOMMENTARE

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wenigfahrer 24.12.2018 • 11:11 Uhr

Am 24. Dezember 2018 um 10:17 von Gosbert

" Die meisten jedoch sind nach Berufsausbildung, Wehr- oder Zivildienst den riskanten Weg des Studiums gegangen, haben sich permanent, auch auf eigene Kosten, weitergebildet und dahin gearbeitet wo sie dann mit ca. Mitte 40 (und ca. 25 Jahren in Arbeit) sind, und tatsächlich brutto ein bisschen mehr als €61.000 im Jahr verdienen. " Die 61 000 im Jahr seien Ihnen gegönnt, wenn Sie das alles gemacht haben wie es in Ihrem Satz steht. Bei 70 Tausend würde ich auch die Grenze ziehen, und nicht bei 90 Tausend. Eins wäre aber mal eine Erklärung wert, Mitte 40 und nach alle diesen Dingen ( Wehrdienst - Studium und so weiter ), haben Sie 25 Jahre voll gearbeitet ???.