Flugzeuge starten synchron auf parallelen Startbahnen des Flughafens London Heathrow in Richtung New York. | picture alliance/dpa/PA Wire

Ende des "Travel Ban" Wirtschaft hofft auf Schub für USA-Geschäft

Stand: 08.11.2021 18:08 Uhr

Vor allem Mittelständler freuen sich, dass sie seit heute wieder in die USA reisen dürfen. Sie hoffen auf neue Geschäfte in der weltgrößten Volkswirtschaft.

Von Bianca von der Au, ARD-Börsenstudio

Nicht nur die großen Fluglinien wie die Lufthansa atmen auf. Sie dürfen seit heute wieder Passagiere über den Atlantik fliegen und damit einen der wichtigsten Langstreckenmärkte bedienen. Auch deutsche Unternehmen sind über die Öffnung der Vereinigten Staaten sehr erleichtert. "Damit kehrt der Geschäftsreiseverkehr wieder zum Normalstatus zurück", sagt Ulrich Ackermann, Leiter Außenwirtschaft beim Verband deutscher Maschinen- und Anlagebauer (VDMA). "Maschinen und Anlagen montieren, Tochterunternehmen besuchen, an Messen und Kongressen teilnehmen oder auch eine amerikanische Firma übernehmen - das war in der Zwischenzeit, wenn überhaupt, nur mit großem Aufwand möglich."

Kontakt zu Geschäftspartnern

Insbesondere für Mittelständler war das laut Branchenverband VDMA ein Problem. "Gerade kleine und mittlere Unternehmen, die keine eigenen Strukturen in Form von Tochtergesellschaften oder Produktionsstätten in den USA haben, die sind darauf angewiesen, dass sie von hier aus in die USA reisen können, um ihre Kontakte zu Geschäftspartnern zu pflegen und neue Geschäftspartner zu finden", so Ackermann. Das ist seit heute wieder möglich - zumindest für doppelt geimpfte und getestete Passagiere. Ein Wermutstropfen ist laut VDMA, dass Genesene bislang außen vor sind.

Der Nachholbedarf der Unternehmen, die für ihre Geschäfte wieder in die USA reisen, ist enorm. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass aufgrund des Einreisestopps allein im Jahr 2020 Exporte und Investitionen in Höhe eines zweistelligen Milliardenbetrags verloren gegangen sind. Ein Teil davon konnte dieses Jahr wieder aufgeholt werden.

DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier glaubt, dass es nun zu einer neuen Blüte in den Geschäftsbeziehungen mit den Vereinigten Staaten kommen wird. "Etliche deutsche Industrieunternehmen nehmen die USA wieder in den Blick und wollen dort investieren und Beschäftigung aufbauen", sagt Treier. "Und dazu gehört, dass Reiseerleichterungen die Mobilität von Menschen möglich machen. In den USA muss man vor Ort sein, um diesen großen und weiterhin wachsenden Markt zu erschließen."

Langstrecken-Flüge wohl noch länger unter Vorkrisenniveau

Große Hoffnung haben auch Fluglinien wie die Lufthansa, dass die Öffnung der wichtigen Transatlantik-Route das Geschäft weiter belebt. Doch Branchenanalyst Patrick Schuchter vom genossenschaftlichen Vermögensverwalter Union Investment dämpft die Euphorie. "Die Erholung im Langstreckengeschäft wird noch etwas auf sich warten lassen, insbesondere weil viele Business-Kunden nicht sofort mitfliegen oder aufgrund von CO2-Richtlinien in den Unternehmen weniger Flugreisen gebucht werden in Zukunft. All das wird dazu führen, dass die Langstrecken-Flüge noch mehrere Jahre unter den Vorkrisen-Niveaus bleiben."

Dazu kommt: Auch wenn der wichtige US-Markt nun wieder für einen Großteil der Fluggäste geöffnet ist - China bleibt für Europäer weiterhin nahezu unerreichbar. Und laut DIHK-Umfrage bereiten den Unternehmen - neben steigenden Preisen und Lieferengpässen - die Reisebeschränkungen aktuell noch die größten Sorgen.

Dieser Beitrag lief am 08. November 2021 um 17:24 Uhr im Deutschlandfunk.