Ein Flug nach Chicago O'Hare in den USA wird auf dem Flughafen Frankfurt auf einer Tafel angezeigt unter der Passagiere mit Koffern entlang gehen. | dpa

Mit Impfnachweis Ausländer dürfen wieder in die USA einreisen

Stand: 08.11.2021 11:02 Uhr

Im März 2020 ordnete der damalige US-Präsident Trump einen Einreisestopp für Reisende aus weiten Teilen Europas an. Seit heute dürfen geimpfte Ausländer wieder ins Land. Die Airlines hoffen auf hohe Umsatzzuwächse.

Ausländer dürfen nach einer vollständigen Impfung gegen das Coronavirus mit international anerkannten Präparaten ab sofort wieder in die USA einreisen. Die entsprechende Regelung trat nach einer Proklamation von US-Präsident Joe Biden heute in Kraft. Damit ist auch für vollständig geimpfte ausländische Reisende aus Deutschland und anderen Schengen-Staaten die direkte Einreise wieder möglich. Bislang war dafür eine Sondergenehmigung der US-Regierung notwendig.

Der damalige US-Präsident Donald Trump hatte im März 2020, zu Beginn der Corona-Pandemie, eine Einreisesperre für Ausländer aus weiten Teilen Europas angeordnet. Die Einreise aus dem Schengen-Raum, Großbritannien und Irland wurde bis auf wenige Ausnahmen untersagt. Auch für Ausländer aus Indien, China, Brasilien, Südafrika und dem Iran verhängten die USA wegen der Pandemie weitreichende Einreisesperren und hielten diese über viele Monate rigoros aufrecht.

Trumps Nachfolger Biden hielt am sogenannten Travel Ban fest, was in Deutschland und anderen EU-Staaten zunehmend auf Kritik stieß, da Reisen aus den USA in die EU schon deutlich früher wieder möglich waren. Auch in Mexiko und Kanada waren die Einreiseverbote zuletzt stark umstritten. Im September kündigte das Weiße Haus dann an, die Grenzen im November wieder für geimpfte Reisende zu öffnen.

Negativer Coronatest ist zusätzlich notwendig

Nach der Neuregelung werden Impfstoffe akzeptiert, die eine Zulassung oder Notfallzulassung der US-Arzneimittelbehörde FDA oder der Weltgesundheitsorganisation WHO bekommen haben. Dies gilt derzeit für die Präparate von BioNTech/Pfizer, AstraZeneca, Moderna, Johnson & Johnson, Sinopharm und Sinovac. Eine Kombination von zwei dieser Präparate ist ebenfalls möglich.

Reisende müssen ihren Impfstatus der jeweiligen Airline nachweisen, bevor sie ein Flugzeug in die USA besteigen, wie das Weiße Haus mitteilte. Zusätzlich zum Impf-Nachweis müssen sie einen maximal drei Tage alten negativen Corona-Test vorlegen. Außerdem sind persönliche Angaben notwendig, damit sie für Behörden erreichbar bleiben.

Es gelten nur wenige Ausnahmen von der Impfpflicht für internationale Reisende, zum Beispiel für Kinder oder Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen nicht geimpft werden können. US-Bürger sind ohnehin von den Impf-Vorgaben für eine Einreise ausgenommen.

Airlines erhoffen sich Umsatzzuwächse

Vom größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main starteten am Vormittag eine ganze Flotte Passagierflugzeuge über den Atlantik. Laut Flugplan werden bis zum Mittag 19 Direktflüge in die USA angeboten, von denen allein die Lufthansa zwölf bestreitet. Den Auftakt machte um 8.20 Uhr Singapore Airlines. Nach Angaben der Airline war die Boeing 777 mit 264 Sitzplätzen nahezu komplett ausgelastet. Weitere Anbieter sind die US-Gesellschaften United, American und Delta sowie der deutsche Ferienflieger Condor.

Die Airlines erhoffen sich von der zusätzlichen Marktöffnung für EU-Bürger starke Umsatzzuwächse. Daten der Reise- und Analysefirma Cirium zeigten, dass Fluggesellschaften die Flüge zwischen Großbritannien und den USA in diesem Monat im Vergleich zum Vormonat um 21 Prozent steigerten. Delta-Chef Ed Bastian hatte berichtet, dass die internationalen Flüge seiner Gesellschaft in die USA nahezu komplett ausgelastet seien. Trotz des Einreiseverbots durften schon bislang Personengruppen wie beispielsweise US-Bürger, Diplomaten und Menschen aus verschiedenen Nicht-EU-Nationen fliegen.

In Deutschland begrüßte der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau den Schritt. "Damit kehrt der Geschäftsreiseverkehr zwischen Europa und den USA zum Normalmodus zurück", erklärte Ulrich Ackermann vom VDMA. Der Verband verwies darauf, dass die USA "der größte Exportmarkt und Investitionsstandort" für die Branche sei. "Deshalb waren die Reiseverbote für viele Geschäftsreisende aus Deutschland und anderen Schengen-Ländern eine besondere Herausforderung."

Lange Schlangen an Grenzübergängen erwartet

Besonders bedeutend ist auch die Öffnung der Landgrenzen zu Mexiko und Kanada. Entlang der südlichen Grenze haben viele Städte in den US-Bundesstaaten Texas und Kalifornien aufgrund von Handelsbarrieren im Zuge der Grenzschließungen und anderer Corona-Maßnahmen mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen.

Auf mexikanischer Seite warnten die Behörden nun vor langen Schlangen an den Grenzübergängen. Die bevorstehende Grenzöffnung führte auch zu einer Dollar-Knappheit in den Wechselstuben in Ciudad Juárez. Die Behörden der Grenzstadt führten eigens ein System zur Lenkung des Verkehrs ein und stellten tragbare Toiletten auf den Brücken auf, die in die USA führen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 08. November 2021 um 11:00 Uhr.