In einem Autohaus in Queens (New York, USA) werden Automobile zum Verkauf angeboten. | picture-alliance/ dpa

Folgen der Pandemie In den USA werden Fahrzeuge knapp

Stand: 21.05.2021 14:20 Uhr

Am Anfang der Coronakrise fehlte es vor allem an Toilettenpapier und Desinfektionsmitteln. Jetzt bekommen die US-Amerikaner die Langzeitfolgen zu spüren: Es mangelt an Autos - und das hat seinen Preis.

Von Claudia Sarre, Studio Washington

Eine Ausfallstraße in Alexandria, Virginia. Waschsalons, Schnell-Restaurants und ein Autohaus neben dem anderen. Allerdings sind die Höfe der Autohändler in diesen Tagen nahezu leergefegt. Nicht nur an Neuwagen, sondern auch an Gebrauchtwagen mangelt es derzeit in den USA.

Claudia Sarre ARD-Studio Washington

Und was noch da ist, wird zu Rekordpreisen verkauft, erzählt Subaru-Autohändler Jordy Coho aus Alexandria: "Die Autopreise sind um 25 Prozent gestiegen im Vergleich zum vergangenen Jahr. Gleichzeitig ist unser Bestand enorm geschrumpft. Das hat damit zu tun, dass im vergangenen Jahr viele Autofabriken dicht gemacht haben. Das hat kaum für Nachschub gesorgt im Gebrauchtwagenmarkt."

Ähnlich verhält es sich auf dem Neuwagenmarkt. Wegen des weltweiten Mangels an Mikrochips stehen vielerorts in den Werken die Bänder still. Die Folge: extreme Verzögerungen, die ungeduldig wartende Kunden verzweifeln lassen.

Geimpfte wollen wieder reisen

Normalerweise bekämen sie 100 neue Wagen im Monat, sagt Händler Jordy Coho. Im Moment seien es nur 17: "Bei den gebrauchten Fahrzeugen stehen vor allem Pickup-Trucks und SUVs hoch im Kurs. Dass sie so knapp werden, liegt zum einen daran, dass Mietwagenunternehmen alle Gebrauchtwagen aufgekauft haben. Ihr Bedarf ist plötzlich wieder hoch."

Denn seit viele Amerikaner geimpft seien, würden sie wieder verstärkt auf Reisen gehen, erklärt Automobil-Analystin Michelle Krebs: "Im vergangenen Jahr mussten die Mietwagenfirmen wegen des Lockdowns ihre Autos verkaufen. Jetzt, wo das Geschäft wieder läuft und sie keine Neuwagen bekommen, kaufen sie wie verrückt gebrauchte Autos. Gleichzeitig sind Mietwagenfirmen eine riesige Bezugsquelle für Gebrauchtwagen. Wenn Mietwagen viele Meilen auf der Uhr haben, werden sie verkauft."

Viele haben Geld angespart

Aber die Autovermietungen seien nicht allein schuld an der Knappheit. Die Nachfrage beim Konsumenten nach einem günstigen fahrbaren Untersatz sei einfach hoch, so Michelle Krebs. "Es ist fast wie im vergangenen Jahr, als wir herumgerannt sind auf der Suche nach Toilettenpapier. Und dieses Jahr rennen alle herum und kaufen Autos."

Sie erklärt: "Teilweise liegt es daran, dass viele Leute im vergangenen Jahr zuhause gesessen und kaum Geld ausgegeben haben. Außerdem haben viele Bürger eine Corona-Finanzspritze von der Regierung erhalten, haben jetzt Geld übrig und belohnen sich mit einem neuen Fahrzeug."

Mögliche Angst vor Ansteckung in Bus und Bahn

Jordy Coho vom Subaru-Autohaus hält eine weitere Ursache für möglich. "Die Leute wollen keine öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Das ist ein großes Problem hier rund um Washington. Die Leute fahren weniger U-Bahn und kaufen dafür eher ein Auto."

Wann sein Hof wieder voll mit Autos stehen wird, wagt Jordy Coho nicht vorherzusagen. Experten wie Michelle Krebs gehen davon aus, dass spätestens mit dem Ende der Computerchip-Krise auch der Automangel behoben sein dürfte. Bis dahin könnten aber noch viele Monate vergehen. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. Mai 2021 um 13:45 Uhr.