Weizenfeld in Odessa Oblast. | picture alliance / ZUMAPRESS.com

Nach Ende der Blockade Ukraine exportiert deutlich mehr Getreide

Stand: 16.08.2022 12:22 Uhr

Die Ukraine fährt ihre Getreideexporte kräftig hoch. Angaben aus Kiew lassen sogar Ausfuhren auf Vorkriegsniveau möglich erscheinen. Das würde die Märkte deutlich entlasten.

Von Detlev Landmesser, tagesschau.de

Die Getreideexporte der Ukraine laufen offenbar wieder auf Hochtouren. Laut Vize-Infrastrukturminister Juryj Waskow kann das Land im September drei Millionen Tonnen Getreide auf dem Seeweg ausführen. Die Menge könne in Zukunft auf vier Millionen Tonnen pro Monat erhöht werden. Das entspricht in etwa der Menge, die die Ukraine vor dem russischen Angriff monatlich über ihre Seehäfen verschifft hatte.

Seit der Wiederaufnahme der Getreideexporte über das Schwarze Meer im Zuge des Getreideabkommens mit Russland am 1. August konnten nach offiziellen Angaben über ein Dutzend Schiffe mit an die 400.000 Tonnen Fracht die Ukraine verlassen. Heute ist der erste Frachter im UN-Auftrag mit 23.000 Tonnen Weizen für Äthiopien aus dem Hafen Piwdennyj ausgelaufen. Nach Angaben des Koordinationszentrums in Istanbul machten sich außerdem vier weitere mit Weizen oder Mais beladene Schiffe aus der Ukraine auf den Weg.

Ausfuhren steigen schneller als erwartet

Für die nächsten zwei Wochen hätten sich 30 Frachter von außerhalb angemeldet, um in der Ukraine Getreide für den Export zu laden, so Vize-Infrastrukturminister Waskow.

Damit steigen die Ausfuhren schneller, als Expertinnen und Experten erwartet hatten. Die Kapazität der drei an der Vereinbarung beteiligten Häfen Odessa, Tschornomorsk und Piwdennyj war bisher auf rund drei Millionen Tonnen pro Monat geschätzt worden. Einige Experten waren davon ausgegangen, dass dieses Exportniveau erst im Oktober erreicht werden könnte. Zu den Getreideausfuhren über die See kommen noch etwa zwei Millionen Tonnen Getreide, die das Land monatlich auf dem Landweg ausführt.

Märkte weiter angespannt

Vorausgesetzt, die geplanten Exporte können weiter ohne Störung stattfinden, würde sich die Versorgungslage mit Getreide deutlich entspannen. Das Getreideabkommen lässt bisher eine Ausfuhr von rund 22 Millionen Tonnen Getreide zu. Der in London ansässige Internationale Getreiderat (IGC) schätzt die weltweite Lücke zwischen Produktion und Verbrauch für das Erntejahr 2022/23 derzeit auf 24,5 Millionen Tonnen. Dabei sind die Lager insgesamt noch gut gefüllt. Für den Beginn des Erntejahres geht der IGC von Lagerbeständen von 607,5 Millionen Tonnen aus.

Die Getreidemärkte bleiben angesichts der Versorgungslücke aber weiter nervös. Mit gut 337 Euro pro Tonne bleibt der richtungsweisende Weizenpreis an der französischen Terminbörse MATIF in etwa auf dem Niveau von Anfang August, als die Schwarzmeerrouten wieder eröffnet wurden. Auf dem Höhepunkt der Versorgungskrise Mitte Mai hatte die Notierung allerdings noch ein Rekordhoch von 438 Euro je Tonne erreicht.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 16. August 2022 um 12:25 Uhr.