Blick auf die Erdgasempfangsstation der Europäischen Gas-Anbindungsleitung Eugal. | picture alliance/dpa/dpa-Zentral

Russisches Gas für Europa Kaum Auswirkungen durch Transit-Stopp

Stand: 11.05.2022 13:22 Uhr

Die Ukraine hat den Gastransit durch die Region Luhansk nach Europa gestoppt. Größere Auswirkungen sind bisher aber nicht zu beobachten. Der Netzbetreiber erklärte, russische Störungen hätten den Stopp nötig gemacht.

Die Einschränkungen im Gastransit durch die Ukraine nach Westeuropa haben offenbar noch keine spürbaren Auswirkungen. Zwar sei der Gasfluss in der ostukrainischen Region Luhansk wie angekündigt gestoppt worden, es drohten aber derzeit keine Engpässe in Deutschland, teilte das Bundeswirtschaftsministerium mit. "Die Versorgungssicherheit in Deutschland ist aktuell weiter gewährleistet", sagte eine Ministeriumssprecherin der Nachrichtenagentur dpa.

Der russische Staatskonzern Gazprom bestätigte am Vormittag, dass am Mittwoch nur 72 Millionen Kubikmeter Gas durch die Ukraine in Richtung Westen fließen sollen. Am Vortag habe das Auftragsvolumen noch bei 95,8 Millionen Kubikmetern gelegen.

Verband: Auswirkungen erst in einigen Tagen zu sehen

Laut Bundesregierung beobachtet das "Krisenteam Gas" die Lage genau. Der Verband "Zukunft Gas" betonte, zunächst einmal müssten die wirklichen Gas-Flüsse nach Deutschland abgewartet werden. In der Branche hieß es, erst nach zwei oder drei Tagen könnten diese beurteilt werden.

Gaspipelines

Die Sojus-Pipeline verläuft quer durch die Ukraine.

Keine Auswirkungen in Österreich und Moldau

Österreich verzeichnet nach Behördenangaben derzeit keine Einschränkungen. Am Gasknotenpunkt Baumgarten werde derzeit zwar ein leicht gesunkener Gasfluss verzeichnet, "für die Versorgung mit Gas hat die Situation im Moment aber keinerlei Auswirkungen", sagte eine Sprecherin des Energieraufsicht E-Control. Der Öl- und Gaskonzern OMV spürt ebenfalls keine Auswirkungen. "Unsere Gaslieferungen erfolgen heute Morgen gemäß unserer Nominierungen", sagte ein Sprecher.

Auch in Moldau gebe es bisher keine Probleme, sagte eine Sprecherin des Netzbetreibers Moldovagaz.

Einstellung am Dienstag angekündigt

Der ukrainische Gasnetzbetreiber hatte am Dienstag erklärt, er könne die Nowopskow-Verdichterstation in der östlichen Luhansk-Region wegen "der Einmischung der Besatzungsmächte in technische Prozesse" nicht mehr betreiben. Über die mit der Station verbundene Sochraniwka-Route der Sojus-Pipeline könne deshalb kein Gas mehr geliefert werden - bis zu 32,6 Millionen Kubikmeter Gas pro Tag könnten wegfallen. Dies sei fast ein Drittel der Höchstmenge, die durch die Ukraine nach Europa geliefert werden kann. Das Gas solle aber umgeleitet werden.

Die 72 Millionen Kubikmeter Gas, die am Mittwoch fließen sollten, werden den Daten des Netzbetreibers zufolge nun über den Sudscha-Knotenpunkt gepumpt, der in Russland nahe der Grenze zur Ukraine liegt.

Störungen durch Russland?

Zuvor hatte Gazprom erklärt, eine Umleitung des Gases sei technisch nicht möglich und die Ukrainer hätten in den vergangenen Wochen ganz "ungestört" gearbeitet.

Die Ukrainer deuteten dagegen an, dass Russen den Betrieb der Anlagen in Luhansk zuletzt gestört hätten. Der Chef des ukrainischen Energieversorgers Naftogaz, Jurij Witrenko, hatte jüngst gegenüber dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) gewarnt, dass der Transit russischen Gases durch die Ukraine nach Westeuropa in Gefahr geraten könne, wenn Russland seine Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur fortsetzen sollte.

Hauptroute für Gas ist Nord Stream 1

Die vertraglich mögliche maximale Auslastung für den ukrainischen Gastransit nach Europa liegt bei 109 Millionen Kubikmetern pro Tag. Die Hauptroute für russisches Gas nach Europa ist allerdings die Ostsee-Pipeline Nord Stream 1. Russischen Angaben zufolge liefen über Nord Stream 1 zuletzt jährlich 60 Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr nach Europa.

Deutschland ist stark von russischem Gas abhängig. Forderungen etwa nach einem Gasembargo sind daher sehr umstritten. Jüngsten Angaben des Wirtschaftsministeriums zufolge sank die Abhängigkeit Deutschlands von russischem Gas seit Kriegsbeginn immerhin von zuvor 55 Prozent auf etwa 35 Prozent.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 10. Mai 2022 um 20:21 Uhr.