Geschäft mit verschiedenen Tequila-Sorten in Tulum. | imago images/NurPhoto

Boom des Agaven-Brands Tequila von den Superstars

Stand: 15.01.2022 14:55 Uhr

Das Geschäft mit Tequila boomt, Mexiko exportiert so viel wie noch nie, vor allem in die USA. Prominente wie George Clooney machen Kasse mit eigenen Marken - was manche Spirituosen-Kenner kritisch sehen.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

"Jeder will jetzt seinen eigenen Tequila machen", sagt Barfrau Daniella und holt drei Flaschen Tequila aus dem Regal der kleinen, dunklen Bar "The North End" in Hollywood. "Das ist 818 - von einer kleinen Farm in Calisto in Mexiko. Das Supermodel Kendall Jenner war dort und hat gesagt, 'ich will mit euch zusammenarbeiten'. Und jeder ihrer Follower weiß das, sie hat Millionen davon. Das Business wächst, es ist riesig."

Katharina Wilhelm ARD-Studio Los Angeles

Clooney schon seit 2013 im Tequila-Geschäft

Tequilas von Superstars wie Kendall Jenner aus dem Kardashian Clan dem Ex-Basketballspieler Michael Jordan oder Schauspieler George Clooney seien derzeit heiß begehrt, viele Gäste fragten gezielt nach diesen Tequilas, erzählt Daniella, während sie einen Agavenschnaps ins Glas gießt.

George Clooney gründete bereits 2013 sein eigenes Tequila-Label "Casamigos". Eine im wahrsten Sinnen des Wortes Schnapsidee sei das erst gewesen, erzählte er im Interview mit TMZ: "Wir haben unseren eigenen Tequila gemacht, das fing als Geschenk für Freunde an. Dann meinte mein Freund, 'wir können das verkaufen'. Ich dachte: 'Das ist verrückt'."

Milliardenerlös für "Casamigos"

So verrückt wohl doch nicht: 2017 verkaufte Clooney "Casamigos" an eine britische Getränkefirma für eine Milliarde US-Dollar.

Der Tequila-Markt boomt. Im vergangenen Jahr exportierte Mexiko, wo der Agavenschnaps ausschließlich hergestellt werden darf, so viel Tequila wie noch nie. Größter Abnehmer sind die USA mit 288 Millionen Liter.

Dutzende Hollywoodstars sprangen auf das Geschäft mit dem hochprozentigen Agavengetränk auf. Nicht zur Freude von Nicht-Promis wie John Chappell: Er ist Geschäftsführer der Tequila-Marke "PaQui". Er glaubt nicht, dass die meisten Prominenten wüssten, wie wirklich guter Tequila hergestellt wird.

Kein Respekt für Mexikos Kultur?

"Warum solltest du glauben, dass Kendall Jenner irgendwas über Tequila weiß?", fragt Chappell. "Die Marken drehen sich um den Star, nicht das Produkt. Ich denke wirklich, dass dies Eitelkeitsprojekte der Promis sind. Nach dem Motto: 'Ich bin berühmt, ich mache Tequila, und die Leute werden ihn trinken'."

Chappell meint, viele Stars respektierten zudem die Kultur Mexikos nicht, sie gäben sich nicht die Mühe, etwas Neues zu kreieren. Er glaubt, viele Promis klebten einfach ihre Marke auf bereits bestehende Produkte. Er bietet deswegen ein Tequila-Training exklusiv für Promis an, "Re-Education" nennt er dies.

Mehr als 500 Dollar für manche Flaschen

"Keine Ahnung, ob jemand anrufen wird, wir sind bereit", so der Geschäftsführer. "Wir wollen nicht boshaft sein, aber für uns ergibt das keinen Sinn: Wenn man nach einem authentischen Produkt sucht, warum zu einem Promi gehen?"

Um Geld dürfte es Arnold Schwarzenegger, Dwayne Johnson oder Adam Levine wohl auch gehen - alles Promis, die mittlerweile eigene Tequilamarken haben. Deren Flaschen kosten um die 30 bis 40 Dollar aufwärts. Die teuersten Tequilas der Qualität Anejo, die mehrere Jahre gereift sind, kosten pro Flasche mehr als 500 US Dollar.

Diese Tequilas dürfe man nicht mit Salz und Zitrone als Shot herunterstürzen, erklärt Barfrau Daniella. Man müssen ihn langsam nippen, so wie guten Whiskey oder Cognac. Sie hofft, dass von dem Boom wenigstens auch viele mexikanische Landwirte profitieren - und nicht nur die Promis.

Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 13. Januar 2022 um 18:04 Uhr.