Eine Frau verziert in Isfahan im Iran Schüsseln aus Porzellan | dpa

Sanktionen gegen den Iran Geld verdienen - auch ohne SWIFT

Stand: 28.02.2022 03:17 Uhr

Die meisten russischen Banken sind wegen des Krieges gegen die Ukraine vom SWIFT-System ausgeschlossen. Ein Land, das mit diesen Sanktionen Erfahrungen hat, ist der Iran. Dort kennt man Schlupflöcher.

Von Karin Senz, ARD-Studio Istanbul

Der Iran ist die verschiedensten Sanktionen gewohnt - seit über 40 Jahren. Aber das Land hat in dieser Zeit immer Möglichkeiten gefunden, trotzdem Geschäfte beispielsweise über Dubai, Südkorea, Indien oder die Türkei abzuwickeln. Auch vor dem Atomabkommen im Jahr 2015 galten harte Einschränkungen, erinnert sich der Teheraner Geschäftsmann Soheil Torkan:

Zwischen 2009 und 2015 wurden Sanktionen verhängt. Das passierte schrittweise über sechs Jahre. Die Unternehmen haben sich in dieser Zeit an die neuen Bedingungen angepasst und konnten alternative Wege finden. In dieser Runde waren die Kosten durch die Sanktionen für den Iran wegen der hohen Ölpreise nicht bedeutend, er konnte sie tragen. So konnte der Iran die Sanktionen leicht umgehen.
Karin Senz ARD-Studio Istanbul

Seit 2018 ohne SWIFT

2012 sperrte SWIFT iranische Banken zum ersten Mal vom internationalen Zahlungsverkehr aus. Teheran setzte sich schließlich an den Verhandlungstisch für das Atomabkommen von 2015. Im Jahr darauf konnten Geschäfte wieder über SWIFT laufen - allerdings nicht lange. 2018 stiegt der damalige USA-Präsident Donald Trump aus dem Abkommen aus und erließ schrittweise Sanktionen. Dazu gehörte, den internationalen Zahlungsverkehr wieder zu kappen. Überweisungen in den Iran oder aus dem Iran raus, sind nicht mehr möglich.

Ein Geschäftsmann, der anonym bleiben will, sagt, so hart habe es den Iran noch nie getroffen. Schlupflöcher seien immer schwerer zu finden. Aber es gibt sie. Auch der mittelständische Porzellanfabrikant Abbas Ali Ghassai aus Isfahan nutzt sie. So kann er weiter Tassen, Teller und Teekannen verkaufen - auch nach Europa: "Es geht nur indirekt. Denn weder die Banken machen mit, noch die meisten Firmen. Aber indirekt durch Dritt- oder Viertländer ist es möglich. Und das wird gemacht."

"Das Geld fließt über Umwege"

Es ist zum einen eine Frage des Preises. Denn das Geld fließt über Umwege, erklärt Ghassai. Und die kosten: "Geldtransfers geschehen durch Wechselstuben, nicht durch die Banken. Es gibt Zehntausende von Wechselstuben allein in Teheran. Und man muss natürlich diesen Leuten vertrauen."

Das ist der zweite Punkt: Alles basiert auf Vertrauen. Fast jeder Geschäftsmann, der diese Wege nutzt, kennt schlaflose Nächste, weil Geld nicht pünktlich dort ankommt, wo es soll. Und diese Wege funktionieren nur bis zu bestimmten Summen.

Für Großkonzerne sind sie kaum gangbar, erklärt ein Insider. Siemens, Peugeot oder auch Daimler zogen sich im Zuge der Trump-Sanktionen aus dem Iran zurück. Die deutsche Wirtschaft exportiert vor allem Maschinen und Anlagen. Aus dem Iran kommen beispielsweise Nüsse und Pistazien.

SWIFT-Rückkehr?

In diesen Tagen kommen die verbliebenen Partner des Atomabkommens von 2015 wieder in Wien zusammen. Russland, China, Frankreich, Großbritannien und Deutschland verhandeln dabei bisher gemeinsam mit dem Iran. Viele sehen - zumindest bis zum russischen Angriff auf die Ukraine - die Gespräche auf der Zielgeraden. Der Iran hofft, bei einer Einigung in Wien wieder international ins Geschäft zu kommen - mit freiem Zahlungsverkehr.

Ein Wirtschafts-Insider ist skeptisch. Westliche Banken seien jetzt erstmal mit dem SWIFT-Ausschluss Russlands beschäftigt, sagt er. Die amtliche iranische Nachrichtenagentur IRNA titelt unterdessen: Sanktionen des Westens gegen Russland als Chance für den Iran. Letzter Satz des Artikels: Am Ende sei erwähnenswert, dass Russland die Erfahrungen der Iraner nutzen könne, um Sanktionen zu vereiteln.

vÜber dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 28. Februar 2022 um 05:45 Uhr.