Weizenernte | dpa

Bis zum Sommer Russland schränkt Getreideexporte ein

Stand: 15.03.2022 15:29 Uhr

Russland hat die Getreidexporte in vier ehemalige Sowjetrepubliken gestoppt. Laut dem Kreml soll damit die heimische Versorgung gesichert werden. Die UN warnen vor einer Hungerkrise.

Russland hat Beschränkungen für den Export von Getreide in vier ehemalige Sowjetrepubliken verhängt. "Russland führt ein vorübergehendes Exportverbot für Getreide in die Länder der Eurasischen Wirtschaftsunion ein", teilte die Regierung in Moskau mit. Zur Eurasischen Wirtschaftsunion gehören neben Russland noch Armenien, Belarus, Kasachstan und Kirgistan.

Wie die russische Regierung am Montagabend weiter mitteilte, wird zudem die Ausfuhr von "weißem und rohem Rohrzucker in Drittländer" gestoppt. Die Beschränkungen für die Getreideexporte sollen bis Ende Juni und die für Zucker bis Ende August gelten. Die Exportbeschränkungen für Getreide umfassen Weizen, Silage (Futter für Nutztiere), Roggen, Gerste und Mais. Dabei seien Ausnahmen für humanitäre Lieferungen vorgesehen. 

Die Entscheidungen seien getroffen worden, "um den inländischen Lebensmittelmarkt angesichts der Situation externer Beschränkungen zu schützen", so die Regierung. Die umfassenden Sanktionen westlicher Staaten erschweren Russland den Import vieler Waren erheblich.

"Hurrikan des Hungers abwenden"

Russland ist der weltweit größte Weizenexporteur. Auch die Anweisung des Kreml an die russischen Hersteller von Stickstoffdünger, ihre Exporte auszusetzen, könnte zu Engpässen führen. Gestern hatte UN-Generalsekretär António Guterres vor einer weltweiten Hungerkrise als Folge des Angriffs auf die Ukraine gewarnt. Beide Länder produzierten 30 Prozent des weltweiten Weizens. 45 afrikanische und viele der ärmsten Länder der Welt importierten das Getreide zu einem großen Teil oder mehrheitlich aus diesen Ländern. "Wir müssen alles tun, um einen Hurrikan des Hungers und einen Zusammenbruch des globalen Ernährungssystems abzuwenden", sagte der Generalsekretär.

Schon gestern hatte die Nachrichtenagentur Interfax unter Berufung auf das Landwirtschaftsministerium gemeldet, Russland könnte seine Getreideexporte aussetzen. Das hatte die Getreidepreise im Europäischen Handel deutlich anziehen lassen. Die nun bekannt gewordene Beschränkung auf die Eurasische Wirtschaftsunion beruhigte den Markt zunächst etwas.

Auch deutsche Verbraucher müssen sich tendenziell auf weiter steigende Brotpreise einstellen. Allerdings spielen die Getreidepreise beim Endpreis der Backwaren angesichts der deutlich höheren Personal- und Herstellungskosten nur eine untergeordnete Rolle. Sie werden auf einen niedrigen einstelligen Prozentbereich geschätzt.

Über dieses Thema berichtete Bayern2 am 14. März 2022 um 21:00 Uhr.