Amazon-Chef Jeff Bezos | AP

Enthüllungsbericht Bezos, Musk und Co. zahlten kaum Steuern

Stand: 09.06.2021 05:04 Uhr

Ein neuer Bericht deckt auf, dass die reichsten US-Amerikaner kaum Einkommenssteuer zahlen - unter ihnen Amazon-Gründer Bezos und Tesla-Chef Musk. Die Steuerbehörde will ermitteln, wie die vertraulichen Daten öffentlich wurden.

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Im Jahr 2007 zahlte Multimilliardär Jeff Bezos nicht einen Cent Einkommenssteuer in den USA. Auch im Jahr 2011 rechnete der Amazon-Gründer sein Einkommen so sehr mit Verlusten gegen, dass die US-Steuerbehörde IRS ihm einen einkommensabhängigen Kinderfreibetrag von 4000 US-Dollar gewährte. Darüber war schon oft spekuliert worden. Doch jetzt sind Zahlen bekannt. Die Stiftung für investigativen Journalismus ProPublica zitiert aus Bezos Steuererklärung.

Torsten Teichmann ARD-Studio Washington

Diese Steuertricks sind nicht illegal. Doch das Netz aus Schlupflöchern und Abschlägen bleibt den meisten Amerikanern mangels Vermögen verwehrt. Sie hangeln sich von Gehalt zu Gehalt, wie US-Präsident Joe Biden immer wieder beklagt: "Manchmal streite ich mit Freunden in der demokratischen Partei darüber: Es ist in Ordnung, Milliardär oder Millionär zu werden, aber zahlt Euren gerechten Anteil."

Welche Steuerbeträge für Reiche sind fair?

Doch wieviel sollen die oberen 0,01 Prozent in den USA finanziell zur Gesellschaft beitragen? Darüber wird gestritten. Der Bericht von ProPublica heizt diese Debatte wieder an. Die Stiftung habe offizielle Steuerunterlagen von Tausenden der reichsten US-Amerikaner beschafft, sagt der beteiligte Journalist Jesse Eisinger im Radiosender NPR. Sie umfassen einen Zeitraum von 15 Jahren.

ProPublica bezieht sich zunächst auf das angegebene Einkommen aus den Steuererklärungen der 25 reichsten Amerikaner und den Vermögenszuwachs in der Zeit, der nicht versteuert wird. Mit dabei sind neben Bezos, Tesla-Gründer Elon Musk, Facebook-Chef Mark Zuckerberg, New Yorks Ex-Bürgermeister Michael Bloomberg.

Wenn wir uns die tatsächliche Steuer anschauen auf den Vermögenszuwachs - was im Kern ihr Einkommen ist - dann liegt deren Steuersatz bei 3,4 Prozent. Für Leute wie Jeff Bezos oder Warren Buffet ist es sogar noch weniger.

Weit entfernt von Spitzensteuersatz von 37 Prozent

Der Investor Warren Buffet habe zwischen 2014 und 2018 0,1 Prozent Steuern auf Einkommen und Vermögenszuwachs gezahlt, rechnet ProPublica vor. Bei Bezos sind es knapp ein Prozent.

US-Amerikaner zahlen im Schnitt 14 Prozent Einkommenssteuer. Wobei der Spitzensteuersatz bei 37 Prozent liegen würde. Davon sind Amerikas Milliardäre weit entfernt. Die Biden-Administration reagierte zurückhaltend auf die Erkenntnisse.

Jede unerlaubte Veröffentlichung von Regierungsunterlagen verstoße gegen das Gesetz, erklärte Bidens Sprecherin Jen Psaki. Das Finanzministerium versucht zu klären, wie die Steuererklärungen an die Öffentlichkeit geraten sind.

Allgemein gesprochen wissen wir, dass mehr getan werden muss, damit Unternehmen und Bürger mit besonders hohen Einkommen stärker ihren gerechten Anteil übernehmen. So steht es in den Vorschlägen des Präsidenten, in seinem Budget und so will er für seine Vorschläge zahlen.

Ein Vorschlag der Regierung sieht höhere Steuern vor für Haushalte mit einem Jahreseinkommen von mehr als 400.000 US-Dollar. Nach dem Bericht von ProPublica ist aber völlig unklar, ob eine entsprechende Reform überhaupt Mehreinnahmen bringt, solang die Schlupflöcher in den Steuergesetzen der USA nicht geschlossen werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Nachrichten am 09. Juni 2021 um 02:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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DeHahn 09.06.2021 • 10:31 Uhr

Gleiches Recht für alle?

"2. Natürlich haben die Spitzenmanager Steueranwälte, welche für sie die Steuerlast "optimieren". Das gleiche Recht wie es jeder hierzulande auch hat." @Sebastian82 . Ist das nicht süß? Also, wenn ein Arbeiter einen Steuerberater einschaltet, dann übersteigen die Beraterhonorare den Betrag, den er bei der Steuer einspart. Aber natürlich hat er das "Recht" dazu!